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90 Jahre BeobachterEine Zeitschrift verändert die Schweiz

Der Beobachter hat nicht nur eine bewegte Geschichte – er hat auch viel bewegt. Das sind seine grössten Coups und die wichtigsten Meilensteine.

Ausgabe Nr. 10 (zum ersten Mal in Farbe) und Nr. 1 des Beobachters aus dem Jahr 1927.
von aktualisiert am 13. September 2017

1927 – Der erste Beobachter erscheint

Im Januar flattert allen 661'404 Deutschschweizer Haushalten die erste von bis heute 2291 Ausgaben des Beobachters gratis ins Haus. Das 32 Seiten starke Monatsblatt nennt sich «Der Schweizerische Beobachter» und betont seine Neutralität. Im Oktober desselben Jahres erscheint die Zeitschrift auch zum ersten Mal mit einem farbigen Titelblatt. Gründer, Redaktor, Verleger und Aktionär ist Max Ras. Er bleibt bis 1938 der einzige Angestellte. 

1930 – Aus eins mach zwei

Ab Februar erscheint der kämpferische Beobachter zweimal pro Monat. Diesen Rhythmus hat er bis heute beibehalten.

1933 – Erste Sammlung für Bergbauern

Unter dem Titel «Schweizer Kinder hungern und frieren!» berichtet der Beobachter über die erbärmlichen Verhältnisse, in denen die Familien der Bergregionen leben müssen. Unterstützt von Pro Juventute, ruft er zu Sach- und Geldspenden auf.

In knapp drei Monaten kommen 51'113 Franken und 90 Rappen zusammen, in der zentralen Sammelstelle in Zürich stapeln sich 27 Tonnen Kleider, Schuhe und Nahrungsmittel sowie 340 Paar Ski.

Bergbauern in Not
Quelle: Keystone

1962 – AHV-Initiative

Der Beobachter lanciert eine Initiative zur 6. Revision der AHV. 230'000 Bürger unterzeichnen sie, der Bundesrat nimmt sie einhellig an. Die Revision gilt als sozialpolitische Weichenstellung.

1973 – Kinder der Landstrasse

Unter dem Namen «Kinder der Landstrasse» hat die Pro Juventute zwischen 1926 und 1973 Fahrenden Hunderte Kinder weggenommen und sie in Pflegefamilien und Anstalten gebracht. Beobachter-Redaktor Hans Caprez deckt den Skandal auf. Unter dem Druck der Öffentlichkeit beendet die Pro Juventute die Aktion endlich.

1973 – Weihnachtsaktion für Bergbauern

40 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und trotz dem darauf folgenden Wirtschaftswunder leben immer noch viele Bergler in bitterer Armut. Der Beobachter macht erneut einen Spendenaufruf. Resultat: In der Weihnachtsaktion kommen 250'000 Franken zusammen.

1978 – Das Opferhilfegesetz

Im Frühling veröffentlicht der Beobachter die Geschichte einer Frau, die ihre Tochter durch einen gewaltsamen Tod verloren hatte und danach von den Behörden im Regen stehen gelassen wurde. Im September lanciert das Heft eine Volksinitiative zur Entschädigung der Opfer von Gewaltverbrechen. Mit 173'069 Unterschriften kommt das Volksbegehren zwei Jahre später zustande. Am 1. Januar 1993 tritt das Opferhilfegesetz in Kraft. Allein 2016 haben 35'189 Opfer juristische, soziale, psychologische und finanzielle Hilfe erhalten. 6,28 Millionen Franken wurden allein im vergangenen Jahr als Entschädigung und Genugtuung an Opfer gezahlt.

Opferhilfegesetz: Unterschriften-Übergabe
Quelle: Keystone

1981 – Eine Stiftung für alle

Die jährliche Spendenaktion für Bergbauern nimmt so viel Geld ein, dass der Beobachter die Stiftung Weihnachtsaktion gründet. Sie hilft nicht nur Berglern, sondern generell in der Schweiz wohnhaften Menschen in Not. Der Beobachter-Verlag bringt 450'000 Franken ein.

1985 – Es werde Buch!

Seit Anbeginn hat der Beobachter ein offenes Ohr für seine Leserinnen und Leser und berät sie in juristischen Fragen. Dieses Fachwissen irgendwann in Buchform auf den Markt zu bringen ist ein logischer nächster Schritt. Die ersten Beobachter-Ratgeber widmen sich den Themen «Scheidung» und «Frau im Beruf».

1988 – Der Fall Kopp

Hans W. Kopp habe Millionen am Fiskus vorbeigeschleust, schreibt der Beobachter. 1991 wird der Ehemann von alt Bundesrätin Elisabeth Kopp schliesslich wegen Betrug beim Zusammenbruch einer Finanzgesellschaft zu einem Jahr Gefängnis mit bedingtem Strafvollzug verurteilt. Die Anschuldigungen durch andere Medien gegen Elisabeth Kopp liessen sich nicht erhärten. Ihr war vorgeworfen worden, ihren Mann mit Insiderwissen aus dem Bundeshaus gewarnt zu haben, damit er der Strafverfolgung entgehen könne.

Elisabeth und Hans W. Kopp
Quelle: Keystone

1992 – Beobachter-Rat über den Äther

Ab Oktober beantwortet Chefredaktor Josef Rennhard jede Woche Hörerfragen. Ausgestrahlt wird die Sendung vorerst über sieben Lokalsender. Weitere folgen. Ab 2002 strahlt DRS 3 die Sendung national aus.

1993 – Hilfe für Bosnien und Gründung der Hotline

In Bosnien tobt Krieg, 600'000 Menschen fliehen ins benachbarte Kroatien. Der Beobachter ruft dazu auf, Lebensmittelpakete zu spenden. Hunderte Tonnen Lebensmittel kommen zusammen und werden von 20 Sattelschleppern ins Krisengebiet gebracht. Verteilt werden die Spenden mit Hilfe der Caritas. Im gleichen Jahr wird die Beobachter-Hotline aufgeschaltet, ein telefonisches Beratungsangebot.

1994 – Der Beobachter geht ins Fernsehen

Am 7. Januar wird die erste Beobachter-Fernsehsendung namens «Beo Plus» ausgestrahlt, moderiert von der späteren «Tagesschau»-Sprecherin Béatrice Müller. Es ist der erste TV-Auftritt von insgesamt dreien. Es folgen die Sendung «Quer» und 2013 «Beo TV».

1995 – Der Internetpionier

Was heute selbstverständlich ist, war 1995 eine Sensation: die Beobachter-Website. Schliesslich ist es der erste Internetauftritt einer Schweizer Zeitschrift. Sie kostete übrigens gerade mal 5000 Franken. Um die Leute ins Web zu bringen, bietet der Beobachter eine Zeitlang sogar einen Internetanschluss für 495 Franken im Jahr und mehrere (stets ausverkaufte) Internetkurse für die Leser an. Heute besuchen jeden Monat rund 900'000 User die Site.

Webreportage: 20 Jahre beobachter.ch

Eine Zeitreise an die Anfänge von beobachter.ch

zur Webreportage

1996 – Flieg, Täubchen, flieg

Der Bosnienkrieg hat nicht nur Zigtausende Menschenleben gekostet, sondern auch Städte und Dörfer zerstört. Eines heisst Golubic, zu Deutsch Täubchen. Caritas plant den Wiederaufbau, und der Beobachter startet einen Spendenaufruf. 1,2 Millionen Franken kommen für den Wiederaufbau der Häuser und vor allem der Grundschule zusammen. Ab 1997 können die Kinder von Golubic wieder die Schulbank drücken.

1997 – Prix Courage für die Helden des Alltags

Unbequem sein. Kritisch hinterfragen, auch wenn es weh tut. Zivilcourage zeigen. Das ist nicht nur die DNA des Beobachters. Es gibt viele Menschen, die mutig handeln, sich gegen Ungerechtigkeit wehren, für andere einstehen und oft sogar ihr Leben für das eines anderen riskieren. Um diese Helden des Alltags zu würdigen, ruft der Beobachter den «Prix Courage» ins Leben. Präsidiert wird die Jury lange Jahre von Kabarettist Franz Hohler. Es folgte die Ständerätin und frühere Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer, die das Amt auch 2017 noch bekleidet.

1998/99 – Hilfe für Kosovo-Flüchtlinge

Wieder einmal herrscht Krieg im Südosten Europas. Rund 400'000 Menschen fliehen aus dem Kosovo ins bitterarme Albanien. Und einmal mehr ruft der Beobachter zum Spenden auf. Es kommen insgesamt 1,2 Millionen Franken zusammen. Mit dem Geld kaufen das Kolpingwerk und Caritas Schweiz im benachbarten Griechenland Lebensmittel ein und verteilen sie an Familien, die kosovarische Flüchtlinge aufgenommen haben.

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2000 – Das Beratungszentrum wird eingeweiht

Seit Jahrzehnten erledigen die Redaktoren Tausende von Anfragen aus der Leserschaft und beraten auch juristisch, so gut es geht. Weil immer mehr Korrespondenz anfällt, hat jeder Beobachter-Redaktor eine eigene Sekretärin. Irgendwann wird das alles zu viel. Eine Trennung von Redaktion und telefonischer Beratung steht an. Die Dienstleistung steht allen Abonnenten zur Verfügung.

2002 – SOS Beobachter

Die Spenden erreichen mittlerweile gegen drei Millionen Franken pro Jahr. Deshalb wird die Stiftung Weihnachtsaktion  SOS Beobachter umbenannt. Auch heute gehen pro Woche im Schnitt 47 Gesuche um finanzielle Unterstützung ein. Rund 170'000 Franken werden monatlich ausbezahlt. Das Spendenvolumen hat sich bei gut 1,6 Millionen eingependelt.

2003 – Help Online

Im Januar nimmt der Beobachter die digitale Beratungsplattform Help Online in Betrieb. Sie bietet Hilfsmittel wie Merkblätter, Checklisten oder Mustertexte. Fünf Jahre später bietet sie schon 100'000 Mal Hilfe.

2004 – Elend Verdingkinder

Bis in die achtziger Jahre wurden Kinder weggesperrt und in Fronarbeit gegeben. Der Beobachter tritt die Diskussion um Wiedergutmachung und Aufarbeitung los.

2008 – Gerechtigkeit für Verdingkinder und administrativ Versorgte

Der Beobachter berichtet erstmals von Ursula Biondi, die als «Erziehungsmassnahme» ein Jahr lang unschuldig in der Strafanstalt Hindelbank sass. Redaktor Dominik Strebel recherchiert intensiv und veröffentlicht 2010 im Buch «Weggesperrt» weitere Fälle. Eine Volksinitiative wird ergriffen. 2017 tritt ein Bundesgesetz in Kraft, mit dem alle Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen vor 1981 eine finanzielle Entschädigung erhalten.

2011 – Plattform für Whistleblower

Wer in seinem Betrieb Missstände anprangert, riskiert die Kündigung. Deshalb lanciert der Beobachter die Whistleblower-Plattform Sichermelden.ch. Dort kann man Missstände verschlüsselt und falls gewünscht anonym für die Beobachter-Redaktion hinterlegen.

2014 – Psychiater-Skandal

Der Thurgauer Psychiater Roland Kuhn gilt als «Vater der Antidepressiva». Doch dieser Ruhm gründet auf dem Missbrauch Hunderter ahnungsloser Patienten, wie der Beobachter aufdeckt. Kuhn hat bei den Experimenten gegen alle Regeln der Kunst verstossen. Betroffene leiden bis heute.

2015 – Die Millionengrenze geknackt

Seit 15 Jahren beraten die Juristinnen und Fachleute des Beratungszentrums am Telefon und per E-Mail Beobachter-Leser. Am 3. Juni ruft Ella Morini an. Der Anruf bringt ihr nicht nur Rat, sondern auch Blumen, Wein und eine Abogutschrift. Der Grund: Sie ist die einmillionste Ratsuchende.

Die einmillionste Anruferin: Ella Morini, Beraterin Regina Jäggi (rechts)

2016 – Guider geht an den Start

Im Mai startet der digitale Rechtsberater Guider. Er löst im August 2017 Help Online ab und steht seither allen Abonnenten zur Verfügung.

2017 – Gerechtigkeit für Steuerzahler

Nachdem der Beobachter gleich mehrere krasse Fälle von Steuerwillkür angeprangert hat, pfeift das Bundesgericht in Lausanne die fehlbare Zürcher Steuerbehörde und mit ihr stellvertretend alle Steuerämter zurück: Sie dürfen Personen nicht beliebig hoch einschätzen, wenn diese wiederholt keine Steuererklärung einreichen.