Veröffentlicht am 16. April 2013 - 10:59 Uhr,
aktualisiert am 10. Mai 2019 - 08:49 Uhr

Unternehmer müssen belastbar sein und an mehreren Fronten kurzfristig Entscheidungen treffen.
Keiner schwatzt einem drein, keiner erteilt unliebsame Aufträge, den Arbeitsrhythmus kann man selbst bestimmen. Sein eigener Chef zu sein, das wär was! Doch so einfach ist das nicht. Meist sind es ganz banale Dinge, die in der Menge der Herausforderungen untergehen.
Seien Sie ehrlich mit sich selbst und überlegen Sie, ob Sie wirklich ein Unternehmertyp sind. Denn Selbständigkeit heisst: viel arbeiten und erst mal wenig oder gar nichts verdienen. Sie müssen belastbar sein, an mehreren Fronten kurzfristig Entscheidungen treffen. Da helfen ein gutes Zeitmanagement und die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. Berufs- und Lebenserfahrung helfen weiter, aber selten deckt eine Person alle nötigen Fertigkeiten ab. Wer also beispielsweise nichts von Zahlen versteht, sollte sich jemanden mit betriebswirtschaftlichem Wissen ins Boot holen. Wen ob solcher Anforderungen der Mut verlässt, der macht aus der Idee besser eine Freizeitbeschäftigung, mit der er nicht den Lebensunterhalt verdienen muss.
Es reicht nicht, dass Sie und Ihr Umfeld begeistert sind von einer Geschäftsidee . Es muss einen Markt dafür geben. Die Idee finden Sie am ehesten in einer Branche, in der Sie sich auskennen. Man muss wissen: Wer sind die Kunden? Warum sollen diese das Angebot wahrnehmen? Wie viel sind sie dafür zu zahlen bereit? Gibt es Konkurrenz, und wie hebt man sich von ihr ab? Ausserdem ist es wichtig, abzuschätzen, ob sich mit einem Produkt langfristig genügend Geld generieren lässt.
Ein Businessplan zwingt Firmengründer, sich mit den Grundfragen auseinanderzusetzen, und erinnert an Dinge, die in der ersten Euphorie möglicherweise vergessen gingen: Kosten oder Marketing etwa. Arbeitet man ohne Plan, kommt oft die Übersicht und damit die Kontrolle abhanden. Ein Businessplan ist zudem Voraussetzung, sobald man Geld von Dritten will.
Viele greifen für die Startfinanzierung auf ihre Pensionskasse zurück – ein Entscheid, der gut überlegt sein will, denn die Gelder fehlen gegebenenfalls im Pensionsalter. Familie oder/und Freunde sind ebenfalls beliebte Geldquellen. Mit ihnen sollte man unbedingt einen Vertrag aufsetzen – klare Verhältnisse sind gerade da von Vorteil.
Weitere Anlaufstellen können Start-up-Wettbewerbe, Wirtschaftsförderungsstellen oder Stiftungen sein. Bei Stiftungen gilt es, diejenigen zu finden, deren Zweck sich mit der Geschäftsidee deckt. Möglicherweise wird das Geschäft in der Aufbauphase auch für Banken oder sogenannte Business Angels interessant. Diese Privatpersonen investieren Geld in ihnen bekannte Bereiche. Eventuell wollen sie aber kräftig mitreden. Läuft das Geschäft einmal, steigen möglicherweise Risikokapitalgesellschaften ein und formen die Firma nach ihrem Gusto – mit dem Ziel, sie in ein paar Jahren gewinnbringend zu verkaufen.
Jede Firma braucht eine Rechtsform . Die einfachste ist die Einzelfirma (nötig für den Bezug von Pensionskassengeldern), die gängigsten sind GmbH und AG. Die Rechtsform ist frei wählbar und lässt sich auch ändern. Kriterien für die Wahl sind Haftungs-, Kosten- und Steuerfragen. Priorität für Gründer sollte die Haftung haben: Nur eine Gesellschaftsform mit limitierter Haftung hält das persönliche Risiko in Grenzen. Da die Wahl der Rechtsform sehr komplex ist, lohnt es sich oft, einen Experten beizuziehen, bevor der Eintrag ins Handelsregister erfolgt.
Haben Sie eine Idee, wie Ihre Firma heissen soll? Dann prüfen Sie, ob der Name nicht schon anderweitig genutzt wird. Die meisten Jungunternehmer reservieren in einem ersten Schritt im Internet die Domain für den Namen. Ob ein Firmenname bereits vergeben ist, zeigt aber erst die Recherche auf www.zefix.admin.ch.
Im Notfall müssen Jungunternehmer optimal geschützt sein. Für Versicherungen muss man deshalb genügend Geld einplanen. Was obligatorisch versichert werden muss, hängt von der Rechtsform der Firma ab. Gründer einer Einzelfirma gelten für die Sozialversicherungen als «echte» Selbständige und sind selber für ihren Versicherungsschutz zuständig. Wer hingegen eine GmbH oder AG ins Leben ruft, ist zwar auch Unternehmer, gleichzeitig aber Angestellter des eigenen Betriebs. Hier ist die Firma als juristische Person für den Versicherungsschutz zuständig.
Steuern sind ein wesentlicher Kostenfaktor und dürfen bei der Geschäftsgründung nicht unterschätzt werden. Es lohnt sich, vor dem Ausfüllen der ersten Steuererklärung einen Treuhänder oder eine Steuerberaterin beizuziehen (siehe Merkblatt «Tipps zum Beizug eines Steuerberaters», exklusiv für Beobachter-Abonnenten). Bei Einzelfirmen und Personengesellschaften versteuert der Inhaber als natürliche Person; AGs und GmbHs sind juristische Personen und werden als solche eigenständig besteuert.
Welche und wie viele Produkte/Dienstleistungen will ich anbieten? Was soll das Angebot kosten? Wie mache ich Kunden darauf aufmerksam, wie vertreibe ich es? Jungunternehmer unterschätzen oft, wie viel Zeit zum Beispiel für die Netzwerkbildung benötigt wird, um neue Vertriebskanäle auszuloten.
