Eine App hält nicht, was sie verspricht, der gekaufte Film ist fehlerhaft, aus Versehen ein falsches Musik-Album heruntergeladen? Was viele nicht wissen: auch auf dem Smartphone oder Tablet Gekauftes kann man je nach Fall retournieren und bekommt dafür das Geld zurück. Wie bei einem physisch erworbenen Produkt im Laden. Das macht Sinn – denn immer mehr Schweizer und Schweizerinnen kaufen Apps und Software. Wie eine Publikation des Bundesamts für Statistik zeigt, nahm die Online-Kundschaft in diesem Bereich zwischen 2014 und 2017 um 60 Prozent zu. 

Im Gegensatz zu früher sind die Anbieter beim Umtausch in den App-Stores unterdessen kundenfreundlicher. Noch vor wenigen Jahren gab es zum Beispiel bei Apple kein Rückgaberecht für Apps und bei Google konnten sie nur innert weniger Minuten umgetauscht werden. Es war zwar auch damals teilweise möglich, die Apps zurückzugeben, man war jedoch grundsätzlich auf die Kulanz der App-Entwickler angewiesen. Heute gewährt Apple ein Rückgaberecht von 14 Tagen, im Google Play Store sind es 48 Stunden. Allerdings gibt es immer Ausnahmen, ein Blick in die AGB lohnt sich vor dem Kauf. 

Die meisten aufs Telefon heruntergeladenen Apps mögen gratis sein, die kostenpflichtigen gibt es üblicherweise für weniger als zehn Franken. Doch es gibt durchaus solche, die teurer sind Fortnite Dieses Game zieht den Teenies das Geld aus der Tasche und bei denen man um die Geldzurückgarantie froh ist. 

So gehen Sie vor:

Rückgabe bei iTunes / im App Store

Schritt 1:
Einkaufsstatistik aufrufen. Dafür gibt es zwei Varianten: 

•    Direkt auf dem Gerät: Einstellungen iTunes & App Store Apple-ID anzeigen Einkaufsstatistik
•    Im Webbrowser: reportaproblem.apple.com aufrufen und mit Apple-ID anmelden.

Auf dieser Seite sind zwar alle Käufe der letzten 90 Tage aufgelistet, Apple räumt jedoch nur ein Rückgabefenster von 14 Tagen ein. Dennoch kann man in der Einkaufsstatistik auch bei älteren Einkäufen Probleme melden. 

Schritt 2:
Suchen Sie den Artikel, für den Sie eine Rückerstattung erhalten möchten. Klicken Sie entweder auf den Rechnungsbetrag oder «Mehr» (beim Smartphone oder Computer) oder auf «Problem melden» (im Webbrowser).

Schritt 3:
Zutreffendes Problem aus der Liste auswählen. Die meisten Varianten werden von Apple unterdessen automatisiert und schnell abgewickelt. Es kann aber je nach Angabe auch sein, dass ein Apple-Mitarbeiter den Antrag prüft und weitere Informationen abfragt oder Sie an die Entwickler verwiesen werden, zum Beispiel wenn Sie «Problem wird hier nicht aufgeführt» auswählen. Wenn Ihre Forderung geprüft werden muss, steht bei der App der Hinweis «Ausstehend». Apple kann auch Rückerstattungen ablehnen. Sobald Ihnen der Kaufbetrag auf das ursprünglich verwendete Zahlungsmittel gutgeschrieben worden ist, steht «Rückerstattet». 

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Schritt 4:
App deinstallieren. Offenbar lässt sich die App zwar theoretisch noch verwenden, die Nutzungsrechte sind mit dem Umtausch jedoch erloschen und die App muss manuell gelöscht werden. 

Tipp: Verschiedene IT-Blogs empfehlen, nicht zu viele Stornierungen innert kurzer Zeit vorzunehmen, denn Apple kann Sie vom Rückgaberecht ausschliessen und die Möglichkeit, Apps umzutauschen für eine bestimmte Zeit einschränken

Rückgabe im Google Play Store

Google schreibt zwar auf der eigenen Webseite, dass für die meisten Google Play-Käufe keine Erstattungen gewährt werden. Allerdings gebe es Ausnahmen. Tatsächlich gestaltet sich die Rückgabe problemlos. Aber Achtung: Apps können nur einmal zurückerstattet werden. Bei einem zweiten Kauf gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. 

Innerhalb von zwei Stunden:
Unmittelbar nach dem Kauf kann man innert rund zwei Stunden mit nur einem Klick die App retournieren und erhält sein Geld zurück.  So funktioniert es: Google Play Store öffnen Konto Bestellverlauf die entsprechende App auswählen und «Erstattung» auswählen. 

Innert 48 Stunden:
Sind zwei Stunden verstrichen, ist der Umtausch zwar immer noch möglich, aber umständlicher. Wie bei Apple muss man für die Rückgabe eine bestimmte Webseite aufrufen: play.google.com/store/account. Nach der Anmeldung ist der eigene Bestellverlauf ersichtlich. Auch der weitere Schritt funktioniert wie bei Apple: klickt man auf die fälschlich gekaufte App, kann man ein «Problem melden» und dann den entsprechenden Rückgabegrund auswählen. Verschiedene IT-Blogs empfehlen, die Seite auf einem Computer aufzurufen, da sie dort einfacher zu bedienen ist. 

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Nach 48 Stunden:
Auch wenn beide Zeitfenster verstrichen sind, ist es grundsätzlich noch möglich, eine App zurückzugeben. Allerdings muss man sich in diesem Fall direkt an die Entwickler der entsprechenden App wenden und ist auf deren Kulanz angewiesen. 
 

Einschränkungen im Kleingedruckten

Bis wann der Kaufbetrag zurückerstattet wird, hängt bei beiden Anbietern vom Zahlungsmittel ab. Das kann von wenigen Tagen bei Kreditkarten bis zu mehreren Wochen bei Monatsabrechnungen via Mobilfunkanbieter dauern. 

Grundsätzlich gibt es im Kleingedruckten auch in beiden Stores Einschränkungen zu den Rückgabebedingungen, die es sich zu lesen lohnt. Insbesondere bei Google Play unterscheiden sich die Erstattungsrichtlinien je nach gekauftem Artikel stark. 

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