«KAGfreiland» ist sehr gut, «Naturafarm» geht in Ordnung, «Optigal»-Hühner haben wenig zu lachen. Von Fleisch aus dem Ausland lässt man besser die Finger, wenn einem das Tierwohl am Herzen liegt.

Die Urteile stammen von der neuen Online-Plattform «Essen mit Herz» des Schweizer Tierschutzes (STS). Sie liefert Informationen zu allen in der Schweiz verwendeten Labels für Poulet-, Kalb-, Rind- und Schweinefleisch; übersichtlich und trotzdem detailliert, gut nutzbar auch auf dem Handy.

«Wir wollen zeigen, welches Fleisch wirklich aus guter Haltung Crowdbutchering Das ganze Tier essen  kommt und bei welchem das nur vorgetäuscht wird», sagt Projektleiterin Patricia Gerber. Es gebe immer mehr Marken und Labels. Die Information der Läden und Fleischproduzenten seien jedoch von Eigeninteressen geprägt. «Nicht selten sind sie ungenügend, manchmal sogar falsch

Schweizer Herkunft kein Garant

Die Untersuchung des STS zeigt: Viele bekannte Label sind gut oder zumindest empfehlenswert. Und in fast allen Läden findet man solches Fleisch. Der Grossteil der Steaks, Cervelats, Salami, Pouletbrüstli und Schweineschnitzel, die in Schweizer Supermärkten angeboten werden, stammen jedoch nicht aus tierfreundlicher Haltung. (Siehe auch: «So schneiden die Labels ab» am Artikelende)

Dazu gehören alle Produkte «Suisse Garantie», eines der verbreitetsten Labels. Sie müssen lediglich dem Schweizer Tierschutzgesetz entsprechen – wie alles Fleisch aus der Schweiz. «Unserer Meinung nach garantiert das Tierschutzgesetz nicht, dass Tiere gut oder schonend gehalten werden», sagt Gerber.

Auch Migros-Poulet des Labels «Optigal Tierhaltung Den Himmel sehen die «Optigal»-Hühner der Migros nie » erfüllt kaum mehr als diese Mindestanforderungen. «Essen mit Herz» empfiehlt deshalb: «lieber im Regal stehen lassen».

Besser Schweizer Fleisch als EU-Produkte

Gerber sagt: «Dass Schweizer Fleisch generell tierfreundlich hergestellt wird, ist ein Mythos Tierhaltung Wie gut geht es unseren Tieren wirklich? . Ob etwas aus der Region stammt oder von einem mit Namen genannten Bauernhof, sagt wenig übers Tierwohl aus.»

Immerhin: Gegenüber labellosem Fleisch aus dem Ausland sind Schweizer Erzeugnisse klar vorzuziehen, so der STS. Ausländisches Fleisch muss nur den weniger strengen EU-Gesetzen genügen. Gemäss dem Schweizer Tierschutz stammt es in den meisten Fällen aus nicht artgerechter, oft sogar tierquälerischer Haltung. Auch von ausländischem Bio-Fleisch rät der STS ab, weil die EU-Bio-Richtlinien zu lasch seien. «Migros-Bio» ohne Schweizer Kreuz etwa empfiehlt er nicht. Im Vergleich mit Fleisch nach Schweizer Tierschutzgesetz (z. B. «Suisse Garantie») schneidet EU-Bio-Fleisch aber besser ab.

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Coop vorne, Discounter am Schluss

«Essen mit Herz» gibt auch an, wo man welche Produkte findet. Basis dafür ist eine Umfrage bei den Grossverteilern selbst. Demnach hat Coop die grösste Auswahl an Fleisch aus tiergerechter Haltung, gefolgt von der Migros, Volg und Spar. Bei Aldi und Denner gibt es zwar ebenfalls gute Labels, allerdings nur sehr wenige Produkte davon.

Selbst beim Tierwohl-Spitzenreiter Coop ist jedoch die Hälfte der Produkte gemäss STS nicht empfehlenswert Tierhaltung Wie billig darf das Poulet sein? . Vor allem beim Tiefkühlfleisch oder bei der Charcuterie. «Konsumenten, die aufs Tierwohl achten, müssen eine gezielte Auswahl treffen», sagt Gerber.

Die Grossverteiler halten die Beurteilung durch den STS teilweise für nicht gerechtfertigt. Die Migros etwa schreibt: Die Plattform berücksichtige nicht, dass alle ausländischen Poulet-Lieferanten der Migros nach den Schweizer Tierschutz-Vorschriften zertifiziert sind. Und in eine ganzheitliche Bewertung der Optigal-Produkte müsste auch einfliessen, dass «Optigal» eine besonders klimaschonende Produktion vorschreibe. Volg bemängelt, «Essen mit Herz» zeige nicht an, dass 98 Prozent des Volg-Frischfleischs aus Schweizer Produktion stamme.

Restaurants unter der Lupe

Das Portal will seinen Service weiter ausbauen. Bald sollen Informationen für Eier- und Milchprodukte folgen. Nächstes Jahr plant man, den Gastrobereich unter die Lupe zu nehmen. Denn rund die Hälfte ihrer jährlichen Fleischration konsumieren Schweizerinnen und Schweizer in Restaurants, Kantinen oder bei Take-Aways.

9 von 10 Personen hierzulande essen regelmässig Fleisch Fleischlos glücklich 9 Alternativen zu Fleisch . Viele geben an, dabei aufs Tierwohl zu achten. «Für all diese Leute liefern wir die notwendigen Informationen», sagt Gerber. Sie findet aber auch: «Mit unserem Portal kann sich niemand mehr aus der Verantwortung stehlen.»

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So wird bewertet

Die Bewertungs-Skala von «Essen mit Herz» umfasst vier Stufen:

  • «Top»
    Labels, die man bevorzugen sollte und die sehr gute Vorgaben zum Tierwohl machen
  • «Ok»
    noch empfehlenswert, insgesamt gute Vorgaben
  • «Uncool»
    lieber im Regal stehen lassen, ungenügende Vorgaben
  • «No go»
    «Finger weg», mit schlechten oder gar keinen Vorgaben


Bewertet wird je nach Fleischart. Pouletfleisch mit dem Label «Naturaplan» etwa erhält die höchste Note, Kalb-, Rind- und Schweinefleisch mit demselben Label aber nur eine genügende.

Konsumenten können so jedes Fleischprodukt im Regal prüfen: Pouletbrüstchen mit dem Label Migros Bio mit Schweizerkreuz? «Top». Schweinskoteletts «Naturafarm»? «Ok». Eine Kalbsbratwurst mit «Suisse Garantie»? «Uncool».

Für jedes Produkt wurden rund 100 Anforderungen überprüft. Wie viel Platz haben die Tiere im Stall? Wie lange dauern die Transporte? Wie viel Wachstumshormone werden verabreicht? Aber auch: Bekommt der Landwirt mehr Geld für seine tierschonende Haltung?

Daraus ergibt sich eine Punktzahl, die anzeigt, wie viele Schritte noch notwendig sind, bis ein Produkt sämtlichen Kriterien des STS für eine angemessene Tierhaltung entspricht. Je weniger Punkte, desto tierfreundlicher. Poulet mit KAG-Freiland-Label («top, 4 steps to go»)» etwa ist nur 4 Schritte von einer optimalen Haltung entfernt, Optigal-Poulet («uncool») hingegen 24.

 

«Top»
als «Top» deklarierte Tierwohllabels
«Okay»
als «Okay» deklarierte Tierwohllabels
«Uncool»
als «uncool» deklarierte Tierwohllabels

• Schweizer Fleisch ohne Label
«No go»
• Ausländisches Fleisch ohne Label

Vorsicht vor täuschender Werbung

Der Schweizer Tierschutz warnt davor, sich vor Bildern und Werbung täuschen zu lassen. Das verbreitete Label «Suisse Garantie» etwa wirbt mit Bildern von Schweinen auf der Weide. Eine solche sehen die allermeisten Schweine in der Schweiz jedoch nie. «Suisse Garantie» basiert auf den Anforderungen der Schweizer Tierschutzgesetzgebung – diese sieht für Schweine nicht einmal Auslauf, geschweige denn Weide vor. Beim «Optigal»-Poulet dient das grüne Gras auf den Packungen lediglich der Optik, mit der Haltung der Hühner hat es nichts zu tun.

Auch von Proviande, der Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft Kuhmilch Schweizer Bauern spritzen rekordmässig Antibiotika , sollte man sich gemäss STS nichts vormachen lassen. In ihren Werbespots für Schweinefleisch Forderung von VgT und Swissveg Keine Subventionen mehr für Schweinefleisch-Werbung? sieht man unter der Bezeichnung Schweizer Fleisch ausschliesslich Labeltierhaltung. Über 40 Prozent der Schweine in der Schweiz haben aber keinen Auslauf, keine eingestreuten Liegeflächen und bekommen deutlich weniger Platz als in der Werbung. Gleich verhält es sich auch bei den gezeigten Rindern.

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Raphael Brunner, Online-Redaktor

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