Nina Clément ist Expertin für Läuse. Aber sie ist es nicht freiwillig. Seit über drei Jahren muss sie ihre Tochter oft mehrmals pro Monat entlausen, manchmal sogar mehrmals pro Woche. Für Clément und andere Eltern ist klar, woran das liegt. «Während der Schulzeit kann es immer sein, dass unsere Kinder mit Läusen heimkommen. Nur in den Schulferien haben sie keine», sagt Clément. Ihre Tochter besucht die Schule Matte in der Stadt Bern. Zum Schutz der beiden sind die Namen geändert.

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An der Schule Matte sind Läuse ein bekanntes Problem, Cléments Tochter ist kein Einzelfall. Clément sagt: «Phasenweise hatten allein beim Mittagstisch etwa 30 Kinder Läuse.» Dem Beobachter liegen fast 20 Schreiben vor, in denen Lehrpersonen verschiedener Klassen über drei Jahre zu Läusen informieren.

Jedes Mal, wenn eine Lausmeldung reinkommt, muss Clément die ganze Familie danach absuchen und im Extremfall mit Lausshampoo behandeln. Das kostet Geld und Nerven: Bis heute hat sie schon mindestens 500 Franken für Läuseshampoos ausgegeben, allergische Reaktionen darauf hatte sie ebenfalls. Wer ist in solchen Fällen verantwortlich? Wo müssen Eltern aktiv werden, wo die Schulleitung?

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Schule als Hotspot – Eltern in der Pflicht

In der Schweiz gibt es keine national gültigen Regeln, was Schulen bei hartnäckigen Lausfällen tun müssen. Aber die meisten Kantone folgen ähnlichen Richtlinien. Der Kanton Bern empfiehlt Schulen, die Schulkinder zwei- bis dreimal im Jahr präventiv auf Kopfläuse zu untersuchen. Oft übernehmen Eltern freiwillig diesen Job, unterstützt von einer Kopflausfachperson.

Finden sich bei einem Kind Läuse oder Lauseier (Nissen), müssen die Eltern die Lehrpersonen und alle nahen Kontaktpersonen informieren. Beobachter-Expertin Maya Rauscher hält fest: «Grundsätzlich sind die Eltern nach Artikel 301 ZGB für die Pflege der Kinder zuständig, so auch für deren Läuse auf dem Kopf.»

Aber sobald mehrere Kinder einer Klasse Läuse haben, ist der elterliche Handlungsspielraum begrenzt. Denn weitergegeben werden die Läuse oft in der Schule durch direkten Kopf-an-Kopf-Kontakt, etwa im Sportunterricht oder wenn es bei Gruppenarbeiten den gemeinsamen Blick in ein Buch oder aufs Tablet braucht. Nur: Viel mehr tun, als zu kontrollieren und bei Bedarf die Eltern zu informieren, kann eine Schule bei Einzelfällen nicht. Gilt das auch für einen Fall wie die Schule Matte?

Wie handle ich, wenn mein Kind Läuse hat?

Gesundheitsdienst eingeschaltet

Bei wiederholtem Lausbefall an einer Schule kann die Schulleitung den zuständigen schulärztlichen Dienst informieren. In Bern hat dieser schon länger Kenntnis von Läusen. Fast alle Berner Schulen werden bei der Bekämpfung vom Gesundheitsdienst unterstützt. Dieser lässt dem Beobachter schriftlich ausrichten: «Der Gesundheitsdienst hat die Schule Matte in den letzten Jahren unterstützt, zudem fand mehrfach ein Austausch statt.»

Die Schulleitung bestätigt das Läuseproblem auf Anfrage: «Der Gesundheitsdienst war stets informiert und involviert. Es handelt sich um eine allgemeine Problematik des Kindergarten- und Schulbetriebs. Sie ist weder auf die Schule Matte noch auf die im Quartier ansässigen Familien zurückzuführen.» Die Schule Matte gehe mit Informationen, Sensibilisierung, Meldepflicht und regelmässigen Kontrollen gegen die Läuse vor.

Gemäss dem Berner Gesundheitsdienst kommt Kopflausbefall an Berner Schulen zwar immer wieder vor, die Situation sei jedoch seit längerer Zeit stabil. Das zeigt eine interne Läusestatistik, die der Gesundheitsdienst seit 1993 zu Schulen und Kindergärten führt. Pro Schuljahr werden dabei zirka 14’000 Kinder in Klassen mit Kopflausbefall auf Kopfläuse untersucht. Dabei weisen ein bis knapp zwei Prozent der Kinder Kopfläuse auf.

Für Clément sind die Massnahmen an der Schule Matte zu wenig effizient. Sie sagt: «Ich glaube, meine Tochter wird erst lausfrei, wenn sie für die Oberstufe das Schulhaus wechselt.» Die Läuse dürften die Cléments schon bald wieder beschäftigen. Im Kanton Bern ist die erste Schulwoche nach den Sommerferien bereits durch. Und die Schulleitung bestätigt: An der Schule Matte hat es wieder Läuse.

Quellen
  • 17 Elternbriefe der Schule Matte wegen Läusen
  • Gespräch mit Frau Clément
  • Korrespondenz mit der Schulleitung der Schule Matte, Stadt Bern
  • Korrespondenz mit dem Gesundheitsdienst Stadt Bern
  • Kanton Bern: Empfehlungen zur Kopfläusebekämpfung