Steuererklärung

Steuermann, übernehmen Sie!

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Vielen ist es zu kompliziert oder zu aufwendig, die Steuererklärung selbst auszufüllen. Wann lohnt es sich wirklich, einen Profi zu suchen? Und wie findet man den?

von Nathalie Garnyaktualisiert am January 24, 2017

Fragen Sie sich, ob Sie dieses Jahr die Steuererklärung selbst ausfüllen oder die Arbeit lieber einer Fachperson überlassen sollen? Der Vorteil der zweiten Variante ist klar: Man muss nicht kostbare Freizeit dafür opfern, und die Steuererklärung trifft sicher rechtzeitig und korrekt ausgefüllt beim Steueramt ein. Doch die Kosten für den Steuerberater kann man sich oft sparen: Bei einfachen Steuerverhältnissen braucht man keinen teuren Berater. Gerade bei Angestellten ohne höhere Finanz- oder Immobilienvermögen ist dies nicht nötig. Was zu beachten ist:

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Selber machen bei einfachen Verhältnissen

Mit den heutigen Hilfsmitteln ist das Ausfüllen der Steuererklärung einfach geworden. Dank der Software, die man auf den Webseiten der kantonalen Steuerverwaltungen herunterladen kann, lassen sich viele Fehler vermeiden: Die Beträge werden automatisch addiert und von den Zusatzblättern in den Hauptbogen übertragen. Man läuft nicht Gefahr, Abzüge zu vergessen, da das Programm diese erfasst. Und man kann die Daten der Steuererklärung aus dem Vorjahr problemlos übernehmen. Auch die Wegleitungen sind heute verständlich und enthalten die Antworten auf alle wichtigen Fragen.

Zudem kann man sich in zahlreichen Steuerratgebern oder auf den Webseiten der kantonalen Steuerämter informieren (siehe dazu auch: «Steuerservice im Internet»). Spezifische Fragen beantworten auch die Steuerbeamten der Gemeinde oder der kantonalen Steuerverwaltung.

Ab wann lohnt sich nun aber ein Steuerberater? Wenn man überprüfen will, ob man bis anhin alles richtig gemacht hat – oder bei komplizierten Steuerverhältnissen, etwa wenn sich die Vermögens- und/oder Einkommensverhältnisse wesentlich geändert haben.

Hilfe holen, wenns kompliziert wird

Die Unterstützung eines Treuhänders empfiehlt sich, wenn eine der folgenden Situationen eingetroffen ist:

  • Heirat oder Scheidung
  • Berufswechsel oder Stellenverlust
  • grössere Erbschaften
  • Pensionierung
  • Kauf oder Verkauf von Immobilien
  • Besitz nicht selbst genutzter Immobilien
  • grosse Renovationen bei Immobilien
  • Tod eines Ehepartners
  • interkantonale Verhältnisse (Wohnsitz im Kanton A, Haus im Kanton B)
  • internationale Verhältnisse (Einkommen aus dem Ausland oder Geschäftsbetrieb oder Vermögen im Ausland)
  • grosse Lotto- oder andere Gewinne
  • Einkünfte aus selbständigem Nebenerwerb
  • Miteigentum an einer Firma
  • hohe Krankheitskosten
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Merkblatt «Steuerberater / Treuhänder» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Wie findet man den richtigen Treuhänder oder den passenden Steuerberater? Ist es ein Vorteil, wenn die Person einem Branchenverband angehört? Mitglieder von Guider finden die Antworten im Merkblatt «Steuerberater / Treuhänder» und erhalten weitere Tipps, was einen guten Experten ausmacht.

Steuerberater: kein geschützter Titel

Auf den Internetseiten der beiden Branchenverbände sind deren Mitglieder verzeichnet: Dem Schweizerischen Treuhänderverband Treuhand-Suisse sind eher kleinere und mittlere Treuhandfirmen angeschlossen, bei der Treuhand-Kammer Expertsuisse sind die Grossen der Branche dabei. Bei Steuererklärungen von Privatpersonen ist in der Regel eine kleinere Treuhandfirma ausreichend.

Der Weg über die Verbände bietet Vorteile: Man kann sicher sein, dass das betreffende Mitglied eine qualifizierte Ausbildung und aktuelles Know-how hat, da es zur regelmässigen Weiterbildung verpflichtet ist. Zudem muss der Berater die Standesregeln des Verbandes einhalten. Wenn man sich an ein Nichtmitglied wendet, kann man an einen Nichtfachmann gelangen, der sich zwar Steuerexperte nennt, in diesem Bereich aber keine qualifizierte Ausbildung hat.

Die Titel «Steuerberater», «Treuhänder» und «Steuerexperte» sind nämlich nicht geschützt. In Streitfällen mit Verbandsmitgliedern kann man sich an die Standeskommission wenden, oder die Sektion wirkt vermittelnd ein. In Streitfällen mit Nichtmitgliedern bleibt den Betroffenen hingegen nur der meist langwierige Gang vor Gericht.

Nützliche Hinweise auf Steuerberater geben neben den beiden Verbänden aber auch die Hausbank, Gewerkschaften, der Hauseigentümerverband oder die Pro Senectute. Bei Letzterer können AHV-Bezüger die Steuererklärung für 80 bis 200 Franken ausfüllen lassen, je nach Einkommen und Vermögen. Es lohnt sich aber auch, im Bekanntenkreis herumzufragen, ob jemand mit seinem Berater gute Erfahrungen gemacht hat.

Das Honorar vorab festlegen

Hat man zwei oder drei mögliche Steuerberater ausgewählt, klärt man am besten telefonisch ab, wie viel eine Steuererklärung in etwa kostet. Die Honorare bewegen sich in der Regel zwischen 70 und 400 Franken pro Stunde – je nachdem, wie kompliziert die Situation ist.

Gut vorbereitet kostets weniger

Es lohnt sich, wenigstens beim ersten Mal beim Treuhänder vorbeizugehen. Der persönliche Eindruck zählt. Man muss vertrauen können. Schliesslich legt man seine Vermögenssituation und vielfach auch seine persönlichen Verhältnisse offen. Beim ersten Treffen verlangt man am besten eine verbindliche Offerte. Eine Pauschale ist erst sinnvoll, wenn man sich besser kennt.

Je kompletter Ihre Unterlagen sind, desto billiger wird es. Sobald der Berater Rückfragen tätigen oder Zusatzabklärungen treffen muss, geht es ins Geld. Auch wenn der Berater die Belege erst einmal ordnen muss, bevor er mit seiner eigenen Arbeit beginnen kann, kostet seine Dienstleistung mehr.

Bringen Sie ihm also nicht eine Schuhschachtel voller Belege, sondern stellen Sie diese thematisch und chronologisch zusammen. Der Berater wird es Ihnen danken. Und Sie sparen bares Geld.

Checkliste: Unterlagen für den ersten Termin

Allgemeine Unterlagen

  • Aktuelle Steuererklärung
  • Letzte Steuererklärung, provisorische und definitive Steuerrechnung


Einkommen

  • Lohnausweis, Aufstellung Nebenerwerb
  • Rentenbescheide von AHV/IV, Pensionskasse, Unfallversicherungen, Taggelder von Krankenkassen und sonstige Leistungen
  • Belege zu Wertschriftenerträgen und Verrechnungssteuer


Vermögen

  • Belege zu Guthaben bei Banken und Post (so viele Belege wie Konten)
  • Depotauszüge per Ende Jahr
  • Belege zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren im letzten Jahr
  • Belege zu Erträgen von Aktien, Obligationen und Fonds
  • Belege zu anderen Guthaben oder Einkünften (etwa Lotto- und Totogewinnen, Guthaben bei Baugenossenschaften, bei Privaten)
  • Belege zu Erbschaften
  • Erneuerungsfonds bei Stockwerk­eigentumsgemeinschaften
  • Lebensversicherungsausweise
  • Angaben zu privaten Fahrzeugen

Für die Abzüge

 

  • Einzahlungen in die Säule 3a oder in die Pensionskasse
  • Schuldzinsen
  • Unterhaltsbeiträge
  • Unterhalt von Liegenschaften (bei Hauseigentümern)
  • Ausbildungskosten
  • Krankheitskosten
  • Spenden
  • Belege zu Berufsauslagen (zum Beispiel öffentlicher Verkehr)


Liegenschaften

  • Belege zu Eigennutzung, Unternutzung oder Mietzinserträge
  • Belege zu Unterhalt und Abgaben


Krankheitsabzug

  • Belege zu Franchise und Selbstbehalten (Jahreskontoauszug der Krankenkasse)
  • Arztzeugnis bei dauernder Pflege­bedürftigkeit, Sehschwäche, Schwerhörig­keit, Zuckerkrankheit
  • Belege zu Zahnarztkosten
  • Brillenrechnungen
  • Rechnungen von Pflege- und Alters­heimen
  • Krankenkasse: Policen, Belege zu ­Prämien und Prämienverbilligungen
  • Medizinisch bedingte Transportkosten
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Mehr zu Steuererklärung bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Alle Jahre wieder muss die Steuererklärung ausgefüllt werden. Guider informiert seine Mitglieder darüber, wie Lotteriegewinne versteuert werden müssen, wie man sich gegen eine Steuerveranlagung wehren kann und führt zu weiteren praktischen Seiten mit Tools zur Steuerberechnung.

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