Jahrzehntelang blickten Behörden weg, wenn es um das Unrecht an den Schweizer Jenischen ging. Dafür, dass der Journalist Yves Demuth die Geschehnisse in seinem Artikel «Klage gegen den Kanton Schwyz» gründlich aufarbeitete, wird er jetzt ausgezeichnet. Er gewinnt den Medienpreis der SRG Zentralschweiz 2026 in der Kategorie «Beste Recherche». 

Die Jury zeigt sich von Demuths Arbeit tief beeindruckt. Sie hebt insbesondere die sorgfältige Recherche sowie die berührende und respektvolle Art hervor, mit der er dieses Kapitel der Zentralschweizer Geschichte beleuchtet. Seine Arbeit leiste einen wertvollen Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema.

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Weggesperrt, weil er jenisch ist

Der ausgezeichnete Artikel zeigt das Schicksal des heute 73-jährigen Jenischen Alois Kappeler. Behörden entzogen ihn 1953 als Baby seinen Eltern. In den folgenden 37 Jahren sperrten Verantwortliche ihn in neun Heimen, acht Psychiatrien, bei neun Bauern und in einer Arbeitskolonie ein. Kappeler erzählt im Beobachter-Podcast, wie es ihm dabei ergangen ist. Yves Demuth sagt zur Auszeichnung: «Ich hoffe, dass die Auszeichnung dazu beiträgt, dass Alois Kappeler zu seinem Recht kommt.»

Josef Schelbert, der von 1948 bis 1986 das Schutzaufsichts- und Fürsorgeamt des Kantons Schwyz leitete, verfolgte das Ziel, Kappeler gezielt zwangszuassimilieren und sesshaft zu machen. 1978 versuchte der Beamte zudem vergeblich, eine Kastration Kappelers durchzusetzen.

Verfolgung war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Demuths Recherche zeigt, dass dem Kanton Schwyz nun eine Staatshaftungsklage droht. Juristen sehen starke Indizien für den Straftatbestand des Völkermords, der nach Schweizer Recht nicht verjährt. Bis 1973 trennten Behörden und Organisationen wie die Pro Juventute rund 2000 jenische Kinder von ihren Familien. Der Bundesrat stufte die Verfolgung im Jahr 2025 als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein.

Der Schwyzer Innenminister Damian Meier äusserte in Demuths Artikel Bedauern für das erlittene Leid. Er verweist auf damalige Gesetze und den damaligen Zeitgeist. Für Alois Kappeler kommt die gesellschaftliche Einsicht spät. Die Auszeichnung für Yves Demuth macht jedoch klar: Die Aufarbeitung der Schwyzer Behördenverbrechen hat erst begonnen.

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