Die Waldbrände im Südwesten Frankreichs und in Teilen von Spanien und Portugal fördern neben den katastrophalen auch hoffnungsvolle Bilder zutage. Auf Tiktok, Instagram und anderen Plattformen sind Feuerwehrleute aus ganz Europa bei der Arbeit zu sehen. Schwedische, tschechische, deutsche und auch Schweizer Teams sind im Einsatz gegen die Flammen. Feuerwehren aus Genf, Freiburg und der Waadt haben Personal ins Departement Gironde geschickt

Partnerinhalte
 
 
 
 

Wer die Kommentare unter den Videos liest, sieht dort vor allem eines: Hoffnung und Dankbarkeit. Die Menschen bedanken sich für die Nachbarschaftshilfe. Sie bedanken sich für eine Form europäischer Solidarität. 

«Ich wohne in Bordeaux und wurde evakuiert, aber die Arbeit der Helden macht mir Mut. Danke, dass ihr für uns gegen die Flammen kämpft», schreibt jemand unter ein Video des französischen Senders TF 1.

Bildschirmfoto eines Instagram-Kommentars. Thema: Grenzenlose Flammen: Wie europäische Staaten beim Brandschutz zusammenrücken

Ein Beispiel für die Resonanz auf den Einsatz europäischer Feuerwehrkräfte in Gironde. Die Frau bedankt sich bei den Helfern aus der Schweiz.  

Quelle: Instagram/Skyrroo

Damit stellt sich inmitten der Brandkatastrophe die Frage, ob der Einsatz der Feuerwehren neben der offensichtlichen auch eine symbolische Wirkung haben kann. 

Politische Bündnisse wie die EU werden in den Augen vieler Menschen mit zähen Kompromissen, Regulierungen und Bürokratie assoziiert. Einsatzkräfte senden dagegen emotionale und klare Bilder: Schweizer Feuerwehren schöpfen Wasser, polnische Löschfahrzeuge schützen Dörfer, Nachbarn bedanken sich am Strassenrand und versorgen die Einsatzkräfte aus ganz Europa mit Pizza. Der O-Ton unter vielen Videos ist einhellig: Es geht doch!

Diese positive Resonanz ist selten. In sozialen Medien dominiert sonst der kritische Unterton. Und doch: Praktisch alle Europäer sind dafür, sich in der Not gegenseitig beizustehen. Das zeigen Umfragen. Fluten in Italien, Brände in Spanien: Allein im letzten Jahr rückten die europäischen Retterinnen 64 Mal aus, in den letzten vier Jahren summierten sich die Einsätze auf über 800. Wenn die Katastrophe über ein Land hineinbricht, packen alle mit an. 

Denn wenn das Unglück eintritt, ist keine Zeit für Fragen, keine Zeit für Bürokratie, keine Zeit für Diskussionen. Denn die Naturgewalten sind teilweise so stark, dass es mehr Einsatzkräfte braucht, als ein einzelnes Land stellen kann. Dann braucht es Nachbarn. Jedes Unglück schärft dieses Bewusstsein aufs Neue, das hat ein Artikel der London School of Economics kürzlich nachgezeichnet. 

Der kleinste gemeinsame Nenner

In Krisen, so der Artikel, einigen sich die sonst teilweise zerstrittenen Länder auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner. Dadurch entstehen gemeinsame Erfahrungen und auch politische Reformen, die in der nächsten Krise als Grundlage helfen. «Failing Forward» nennen Wissenschaftler diese Dynamik, was übersetzt so viel heisst wie «vorwärts scheitern». 

Beratung mit Chatbot

Ein Beispiel sind die verheerenden Waldbrände 2017 in Spanien und Portugal. Europäische Länder stationieren seither sogar schon vor der Brandsaison Feuerwehrkräfte in Risikogebieten wie eben Südfrankreich oder Spanien. Das konnte zwar die aktuellen Feuer nicht verhindern, aber die Einsatzkräfte waren deutlich schneller vor Ort. 

Und die Feuerwehrleute selbst? Während sie in den sozialen Medien und vor Ort gefeiert werden, machen sie in solchen Einsätzen wertvolle Erfahrungen. Das sagt Nicolas Schumacher, der Kommandant der Genfer Feuerwehr zu SRF. «Solche Einsätze ermöglichen es uns, von Menschen zu lernen, die mit Vegetationsbränden dieser Grössenordnung deutlich mehr Erfahrung haben.» 

Diese Vorbereitung sei gut für die eigene Arbeit, denn «bis zu einem aussergewöhnlichen Wald- oder Vegetationsbrand in der Schweiz ist es leider nur eine Frage der Zeit», so der Feuerwehrmann. 

Dann werden auch die Menschen in der Schweiz dankbar sein, wenn Einsatzkräfte aus dem Ausland zur Hilfe anrücken. 

Quellen