Erst die App, dann der Appetit
Apps für alles, Knöpfe für nichts, und der Bundesrat macht auch noch mit. Willkommen in einer Welt, die unser Smartphone für unersetzlich hält.

Veröffentlicht am 25. September 2026 - 15:50 Uhr

Der Knopf existiert nicht, die App schon: Willkommen im digitalen Absurditätenpark.
Manchmal, wenn man unterwegs ist und die Kinder sehr hungrig sind und die Eltern sehr verzweifelt, drängt sich ein Besuch in einem sogenannten Schnellrestaurant auf. Das ist jeweils so schrecklich, wie dieses Wort klingt.
Beim letzten Mal ging es tatsächlich sehr schnell. Am Eingang wurden wir aufgefordert, die App des besagten Gastrobetriebs herunterzuladen. Denn nur damit könne man etwas bestellen. Das Resultat war, dass Mama die Augen zum Himmel verdrehte, Papa etwas von «automatisierter Abzocke» zischte und die hungrige Familie das Etablissement flink wieder verliess.
Aber so geht das heute. Überall wird gänzlich unschuldigen Leuten unversehens eine App aufs Auge gedrückt. Sogar der Bundesrat lässt jetzt eine für sich erstellen: Die «Bundesrats-App» soll dafür sorgen, dass wir uns bei Krisen nicht bloss über irgendwelche Fake-News-Apps informieren.
Apps für jede Gelegenheit – auch völlig sinnlose
Doch nicht nur Bundesräte drängen aufs Smartphone, sondern auch Fürze. Die App «Chart Your Fart» führt Tagebuch über Gasabgänge – natürlich zu rein wissenschaftlichen Zwecken. Die App «Hold The Button» wiederum zeigt, wie lange man auf dem Handy-Bildschirm einen virtuellen Knopf gedrückt hält – eine Funktion hat er nicht. Andere Apps simulieren das Trinken von Bier, helfen beim Schäfchenzählen oder sagen an, wann man im Kino am besten aufs Klo geht.
Interessant ist die Liste der beliebtesten Apps der Schweiz. Auf Platz zwei steht «Blitzer.de»: Sie verrät, wo die Polizei gerade Tempokontrollen durchführt. Praktisch daran: Zugelassen ist die App schon ab vier Jahren. Unpraktisch daran: Sie ist verboten. Wenn Klein Noah damit erwischt wird, droht ihm die Beschlagnahmung seines geliebten Smartphones und eine Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen.
Platz sechs nimmt übrigens die «Dosenbach-App» ein. Praktisch daran: Sie ist einschläfernder als jedes Schäfchenzählprogrämmchen.
Gegen dieses ganze überbordende Herumgeappe hilft nur eines: Wir brauchen dringend eine App, die vor doofen Apps warnt.




