Wut, Zweifel und klare Ja-Voten: Die Individualbesteuerung, über die wir am 8. März abstimmen, löst starke Reaktionen aus. Für die einen ist sie ein Schritt zur Gleichstellung, für die anderen eine neue Benachteiligung.

Eine Umfrage des Beobachters zeigt: Die Community ist gespalten. 216 Leserinnen und Leser haben abgestimmt: 42 Prozent befürworten die Vorlage, 43 Prozent lehnen sie ab. Der Rest ist unentschlossen oder will nicht abstimmen.

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«Ungerechtigkeit wird nur verlagert»

Für viele Kritiker ist klar: Die Heiratsstrafe werde nicht abgeschafft, sondern lediglich verlagert.

Leser Martin Kuster schreibt: «Es kann nicht sein, dass mit der Abschaffung der ungerechten Heiratsstrafe neue Ungerechtigkeiten installiert werden. Bei Einverdienerhaushalten und generell bei grossen Unterschieden im Einkommen der Verheirateten werden saftige Steuererhöhungen ins Haus flattern. Profitieren werden kinderlose, gut verdienende Paare.»

Daniel Kronauer argumentiert: «Ich finde es generell schlecht, wenn man eine Ungerechtigkeit für einen Teil der Bevölkerung abwendet, indem man eine Ungerechtigkeit für einen anderen Teil in Kauf nimmt.»

Auf unseren sozialen Medien wird derselbe Punkt emotional diskutiert. Dort ist von einer «Bestrafung» klassischer Familienmodelle die Rede. Wer Kinder betreut und deshalb weniger verdient, werde künftig stärker belastet.

«Die Heiratsstrafe ist unfair»

Doch es gibt auch klare Ja-Stimmen. Beispielsweise von Leser Dominik Vifian. Ihn habe bis jetzt kein Argument der Gegenseite überzeugt: «Ich finde die Heiratsstrafe unfair. Der Mehraufwand der Steuerbehörden interessiert mich nicht.» Er verweist darauf, dass rund 85 Prozent der Ehepaare entlastet oder zumindest nicht stärker belastet würden. Zudem sei das Alleinverdienermodell oft nur eine Übergangsphase, solange die Kinder klein sind.

Auch Johann Fuchs stimmt der Individualbesteuerung zu. «Nicht weil ich mir rein finanziell gross etwas davon verspreche, sondern weil auch eine nur ein bisschen besser verteilte Steuerbelastung aus meiner Sicht mal prinzipiell gut ist», kommentiert er. Gleichzeitig warnt er vor überhöhten Erwartungen: «Volle Gerechtigkeit gibt es nicht, bei der Steuerbelastung ist diese Erwartung eine Illusion.» 

Und was denken Sie darüber?

Schafft die Individualbesteuerung mehr Gerechtigkeit – oder verschiebt sie die Heiratsstrafe nur auf andere? Diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte.

Quelle