Sind Fahrtests für über 75-Jährige sind wirklich nötig?
Fahreignungstests für über 75-Jährige sind laut einer neuen Studie uneinheitlich und wissenschaftlich umstritten. Wie sinnvoll finden Sie die heutigen Fahrtests für Senioren? Teilen Sie Ihre Meinung in der Kommentarspalte.

Veröffentlicht am 1. Juni 2026 - 15:03 Uhr

Eine neue Studie stellt die heutigen Fahrtests für Senioren in Frage.
Wer in der Schweiz älter als 75 Jahre ist, muss regelmässig zur medizinischen Fahreignungsprüfung. Genau dieses Verfahren gerät nun zunehmend in die Kritik.
Eine neue Studie im Auftrag des Bundesamts für Strassen (Astra) kommt zum Schluss, dass die heutigen Abklärungen je nach Kanton unterschiedlich ablaufen und wissenschaftlich nur begrenzt abgesichert sind. «Es gibt derzeit keine faire, sichere und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Abklärung der Fahreignung in der Schweiz», sagt Brigitte Gantschnig, Mitautorin der Studie und Projektleiterin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), gegenüber SRF.
Die Forschenden kritisieren insbesondere, dass teilweise kognitive Tests eingesetzt werden, die ursprünglich entwickelt wurden, um Demenz zu erkennen. Solche Tests könnten zwar Hinweise auf Einschränkungen geben, erlaubten allein aber keine verlässliche Aussage darüber, wie sicher jemand tatsächlich im Strassenverkehr unterwegs sei.
«Viele empfinden das als unfair»
Auch bei der Beobachter-Beratung melden sich regelmässig ältere Menschen, die mit den Tests hadern. Daniel Leiser von der Beobachter-Hotline sagt: «Meistens scheitern sie an den ‹modernen› Testmethoden (am Computer) und finden es unfair, dass sie auf diese Weise gescheitert sind.» Als besonders zuverlässig gelten laut Studie standardisierte Fahrabklärungen im realen Verkehr. Gerade bei unklaren Fällen seien solche Kompetenzfahrten wichtig.
«Natürlich wäre es aussagekräftiger, wenn man mit jeder Testperson eine Kontrollfahrt durchführen könnte», sagt Leiser. Gleichzeitig bezweifelt er, dass dies organisatorisch und politisch realistisch wäre. Auch die Forschenden schlagen deshalb einen Mittelweg vor. Statt des bisherigen Alles-oder-nichts-Prinzips soll es künftig mehrere Bewertungsstufen geben. «Für die Grauzonen dazwischen schlagen wir vor, dass eine Evaluation auf der Strasse passiert», sagt Gantschnig.
Was können Betroffene tun?
Wer die Fahreignungsprüfung nicht besteht oder wessen Fahreignung angezweifelt wird, muss mit einem Entzug des Führerausweises rechnen. Daniel Leiser sagt, viele Betroffene wollten danach wissen, ob sie sich rechtlich gegen den Entscheid wehren könnten. Wenn der Ausweisentzug vom Strassenverkehrsamt verfügt wird, kann man die Verfügung anfechten. «Dafür empfiehlt es sich, einen versierten Anwalt beizuziehen», sagt Leiser. Ohne positives Gegengutachten dürften die Erfolgschancen jedoch klein sein.
Hinweis: Dieser Artikel wurde erstmals am 22. Mai 2026 veröffentlicht.
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