Diese Gefahr am Berg unterschätzen viele
Rund 56 Menschen sterben jährlich bei Wanderungen und Touren in Schweizer Bergen. Ein grosser Faktor: Höhenangst. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte sich deshalb zuerst gründlich über die Wanderroute erkundigen.

Veröffentlicht am 6. Mai 2026 - 17:13 Uhr

Das Brienzer Rothorn ist nichts für Wanderer mit Höhenangst.
Rund 40’000 Wanderer und Wanderinnen müssen hierzulande jährlich ärztlich versorgt werden, 45 Personen kommen pro Jahr durchschnittlich ums Leben. Nimmt man alpine Kletterer dazu, sind es sogar 56. Mehr als drei Viertel der Todesopfer sind Männer.
Viele dieser Unfälle liessen sich verhindern, sagt die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) – wenn die Touren sorgfältig geplant würden. Die meisten Wanderer würden ihre Fitness, das Wetter und den Zeitbedarf berücksichtigen, nicht aber Höhenangst.
Gemäss einer Umfrage der BfU wandern rund 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung regelmässig. Rund ein Drittel leidet unter Höhenangst, auch Akrophobie genannt. Allerdings nannten nur 18 Prozent bei einer Erhebung der BfU Schwindelfreiheit als wichtige Voraussetzung bei der Planung von Wander- und Bergtouren. Das erhöht das Unfallrisiko.
Der «Ruf der Leere»
Wer unter Höhenangst leidet, kann das bestätigen. Anzeichen von akuter Höhenangst sind Atemnot, Knieschlottern, Engegefühle in der Brust und Schwindel. Dieser Kontrollverlust ist nicht nur überaus unangenehm, er kann je nach Situation lebensgefährlich sein.
Manche Betroffene fühlen sich von der Tiefe angezogen – ohne auch nur die geringste suizidale Absicht. Das paradoxe Phänomen nennt sich «Ruf der Leere» – nicht gerade ein Drang, den man am Berg verspüren möchte.
Nimmt auch nur eine einzige Person mit Höhenangst an einer Wanderung teil, muss die Route dahingehend genau unter die Lupe genommen werden. Gibt es exponierte Stellen? Steilhänge? Ungesicherte Passagen am Abgrund? Eine gute Orientierung bieten die gelb markierten Wanderwege, die in der Regel weniger anspruchsvolle Touren ausschildern. Allerdings sollte man sich auch hier erst versichern, dass die Route keine Schwindelfreiheit voraussetzt. Rot-weiss oder gar blau-weiss markierte Wege sollten ganz gemieden werden.
- Beratungsstelle für Unfallverhütung: Höhenangst beim Bergwandern
- Beratungsstelle für Unfallverhütung: Dossier Wandern und Bergsport




