Viele Schweizer bestellen illegal Medikamente aus dem Ausland. Sexuelle Potenzmittel führen seit Jahren die Liste der abgefangenen Lieferungen an. Doch für einen Mann aus Bern endete die Bestellung nicht mit Vergnügen im Schlafzimmer, sondern mit einem Strafverfahren.

Alvaro Moreno, der eigentlich anders heisst, bestellte im Juni 2025 grosse Mengen Potenzmittel aus Polen. Das zeigt ein Strafbescheid von Swissmedic, dem schweizerischen Heilmittelinstitut. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) beschlagnahmte zwei Bestellungen von Moreno mit insgesamt 270 Tabletten der Wirkstoffe Tadalafil oder Sildenafil – dem Wirkstoff in Viagra. 

Partnerinhalte
 
 
 
 

Grenzwerte deutlich überschritten

In der Schweiz dürfen Privatpersonen nicht zugelassene Medikamente lediglich zum Eigenbedarf legal importieren. Wer aber mehr als einen Monatsbedarf einführt, kann eine Busse von bis zu 50’000 Franken erhalten.

Moreno überschritt die erlaubten Mengen gemäss Swissmedic deutlich. Seine Behauptung, er habe die Arzneimittel gar nicht bestellt, hält Swissmedic für «nicht glaubhaft». Denn Moreno bestellte nicht zum ersten Mal. Er hatte bereits wenige Monate zuvor eine identische Lieferung erhalten.

Chatbot Rechtsberatung

Der Strafbefehl kommt ihn teuer zu stehen: 2800 Franken Busse plus 400 Franken Verfahrenskosten brummt Swissmedic ihm auf. Die beschlagnahmten Potenzmittel zog das BAZG ein und vernichtete sie. Da die Busse unter 5000 Franken liegt, gab es keinen Eintrag ins Strafregister.

Neue Eitelkeiten

Der Fall Moreno zeigt den Klassiker: Seine Pakete sind zwei von über 2700 Sendungen mit Erektionsförderern, die der Zoll 2025 beschlagnahmt hat. Das sind 41 Prozent aller abgefangenen Pakete, wie eine Statistik von Swissmedic zeigt. Das ist immer noch ein Spitzenwert, doch es werden stetig weniger: 2022 machten die Potenzmittel noch 79 Prozent aus.

Den Gegentrend bilden Mittel gegen Haarausfall: Von 2024 auf 2025 stieg deren Anteil bei den beschlagnahmten Paketen von 4 auf 19 Prozent. Thomas Kündig, Direktor der dermatologischen Klinik am Universitätsspital Zürich, berichtet der «Neuen Zürcher Zeitung»: «Der Bereich Lifestyle, Schönheit und Anti-Aging boomt, wohl auch wegen Social Media – und da ist volles Haar offensichtlich ein wichtiges Kriterium.»

Die Gefahr lauert im Klick

Swissmedic führt die steigenden Zahlen der illegalen Importe auch auf eine neue Betrugsmasche zurück: Kriminelle Netzwerke geben sich als Schweizer Onlineapotheken aus oder hacken immer häufiger echte Schweizer Websites, um dort Links zu fragwürdigen Angeboten zu platzieren. Allein im Jahr 2025 musste Swissmedic in 64 Fällen intervenieren, damit Domain-Inhaber den legalen Zustand ihrer gehackten Sites wiederherstellen konnten.

Das Problem: Viele Käufer halten Haarwuchsmittel für harmlose Kosmetik. Dabei können die Folgen fatal sein. Das Mittel Minoxidil führte in Spanien bei Babys zum sogenannten Werwolfsyndrom – einem extremen Haarwuchs am ganzen Körper. Für Katzen, die mit dem Wirkstoff über das Kopfkissen des Besitzers in Kontakt kommen können, sind bereits kleinste Mengen oft tödlich. 

Ob für die Performance im Schlafzimmer oder das volle Haar für Social Media: Illegal Medikamente zu importieren, bleibt ein riskantes Spiel mit hohen Bussen und unkalkulierbaren Gesundheitsrisiken.

Quellen