Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko für erhöhten Blutdruck Bluthochdruck Lautlose Gefahr . Darum sollte man ihn regelmässig kontrollieren. Das gilt ebenfalls für Leute, die blutdrucksenkende Medikamente einnehmen. Aber auch Patienten mit Herzschwäche, koronarer Herzkrankheit oder Diabetes Typ 2 sollten regelmässig ihren Blutdruck kontrollieren; denn sie nehmen Medikamente, die den Blutdruck beeinflussen können.

Je nach Erkrankung sollte man mehrmals täglich oder wöchentlich den Blutdruck messen. Messgeräte erledigen das bequem und zuverlässig zu Hause. «Ungeeignet sind sie nur für Patienten mit Herzrhythmusstörungen oder Vorhofflimmern. Da gibt es falsche Ergebnisse», sagt Isabella Sudano, die am Herzzentrum des Unispitals Zürich die Bluthochdruck-Sprechstunde leitet. Betroffene müssen beim Arzt oder Apotheker messen gehen.

Mehr für Sie
Geprüftes Messgerät verwenden

Wenn man selber misst, rät Isabella Sudano unbedingt zu einem klinisch geprüften Gerät mit dem Prüfsiegel DHL der Deutschen Hochdruckliga oder dem ESH-Siegel der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie. Auch der ISO-Standard 81060-2 garantiert exakte Messung.

Falls Älteren die Kraft in den Händen für die Manschette am Oberarm fehlt, ist ein Gerät mit Handgelenkmanschette eine gute Alternative (siehe 4 Messmethoden unten). Auch hier speichern moderne Geräte die Daten nicht nur, sondern übertragen sie direkt auf das Smartphone. Noch sehr überschaubar ist das Angebot an Smartwatches Smartwatch Das Kleinhirn am Handgelenk , die den Blutdruck am Handgelenk ohne weiteres Zutun messen. Das bislang einzige, nach ISO validierte Gerät ist die rund 550 Franken teure Smartwatch Omron Heartguide. Die Messung erfolgt über eine aufblasbare Manschette, die ins Armband integriert ist.

«Messen Sie immer im Sitzen und zur selben Tageszeit.»

Isabella Sudano, Fachspezialistin Hypertonie, Herzzentrum Unispital Zürich

Ebenso validiert ist das Blutdruckarmband des Schweizer Start-ups Aktiia. Es enthält Sensoren wie eine Smartwatch, errechnet darüber kontinuierlich den Blutdruck und sendet die Werte an eine App auf dem Smartphone. Einmal im Monat muss das Armband mit der mitgelieferten Oberarmmanschette kalibriert werden.

Ärztlich demonstrieren lassen

Auf der Website der Schweizerischen Gesellschaft für Hypertonie und derjenigen der Deutschen Hochdruckliga ist eine Liste mit validierten Geräten abrufbar (siehe Box unten). Sudano rät, das neue Blutdruckmessgerät zur Ärztin oder zum Arzt mitzunehmen und sich zeigen zu lassen, wie man richtig misst – und wie man ein Blutdrucktagebuch korrekt führt.

Falls der Hersteller keine App mitliefert: Die gemessenen Daten lassen sich auf dem Smartphone auch manuell in kostenlosen Apps von Drittanbietern wie «Blutdruckdaten» (iOS / Android) oder «Cora Health» (zurzeit nur auf iOS) verwalten.

Unklar bleibt allerdings oft, was mit den Messdaten passiert, die auf die App übertragen werden. Werden sie in eine Cloud geladen? Und wenn ja, steht der Server zumindest in Europa, wo strenger Datenschutz gesetzlich verordnet ist? Nur wenige Anbieter wie Beurer, Medisana oder Withings legen auf den Datenschutz Wert und geben darüber auf ihrer Website bereitwillig Auskunft. Im Zweifel sollte man diese Information vom Anbieter einholen oder ganz auf die Übertragung per Smartphone verzichten.

Blutdruck messen: 4 Messmethoden

Wie zuverlässig sind die folgenden Methoden?

#1: Manuelle (oszillometrische) Blutdruckmessung

manuelle Blutdruckmessung
Quelle: Andrea Klaiber
  • Zuverlässigkeit: maximal
  • Nachteil: benötigt Erfahrung, braucht eine zweite Person zum Messen, gutes Gehör nötig
  • Preis: ab 30 Franken
  • Klinisch geprüfte Geräte verfügbar: ja

#2: Messgerät mit Oberarmmanschette

Blutdruckmessung Oberarmmanschette
Quelle: Andrea Klaiber
  • Zuverlässigkeit: sehr hoch
  • Nachteil: Anlegen der Manschette braucht etwas Kraft; man muss die richtige Manschette verwenden für zuverlässige Messwerte
  • Preis: ab 50 Franken
  • Klinisch geprüfte Geräte verfügbar: ja

#3: Messgerät am Handgelenk

Blutdruckmessung Handgelenk
Quelle: Andrea Klaiber
  • Zuverlässigkeit: angemessen
  • Nachteil: oft etwas weniger genau als mit Oberarmmanschette, Gerät muss auf Herzhöhe gehalten werden
  • Preis: ab 40 Franken
  • Klinisch geprüfte Geräte verfügbar: ja

#4: Smartwatch/Armband

Blutdruckmessung Smartwatch
Quelle: Andrea Klaiber
  • Zuverlässigkeit: noch keine grosse Erfahrung, da erst neu auf dem Markt
  • Nachteil: muss monatlich kalibriert werden, Genauigkeit bislang nur selten klinisch validiert
  • Preis: Omron Heartguide 550 Franken, Aktiia-Armband 180 Franken
  • Klinisch geprüfte Geräte: Omron Heartguide, Aktiia-Armband
Tipps: So erhalten Sie genauere Messresultate

Vor dem Messen

  • Falls Sie ein Messgerät mit Oberarmmanschette verwenden: Stellen Sie sicher, dass die Grösse passt.
  • Messen Sie immer, bevor Sie Ihre Blutdruckmedikamente einnehmen.
  • Setzen Sie sich entspannt hin, lehnen Sie sich an, schlagen Sie die Beine nicht übereinander. Kommen Sie fünf Minuten lang körperlich und mental zur Ruhe, um den Blutdruck auf normales Niveau zu bringen.
  • In der Stunde vor dem Messen sollten Sie nicht rauchen, essen oder Kaffee Koffein 10 Fakten zu Kaffee , Tee, Energydrinks oder Alkohol trinken. Das verfälscht die Messwerte.
  • Messen Sie immer im Sitzen, zur selben Tageszeit (am besten direkt im Bett, vor dem Aufstehen) und am gleichen Arm.

Beim Messen

  • Die Manschette muss auf Höhe des Herzens liegen. Bei einer Oberarmmanschette reicht es, den Unterarm auf dem Tisch abzulegen. Bei der Handgelenkmanschette muss der Ellbogen auf dem Tisch aufliegen und der Unterarm nach oben zeigen, so dass das Gerät auf Herzhöhe ist.
  • Messen Sie zweimal im Abstand von etwa zwei bis drei Minuten. Falls die Differenz grösser als 5 mm HG ist: Messen Sie ein drittes Mal, tragen Sie den zweiten und den dritten Messwert in Ihr Blutdrucktagebuch ein.
  • Runden Sie die Messwerte nicht.

Fachliche Beratung: Isabella Sudano, Herzzentrum Unispital Zürich; Swiss Society of Hypertension

Buchtipp
Souverän durchs Leben mit Typ-2-Diabetes
Souverän durchs Leben mit Typ-2-Diabetes
Mehr Infos
«Wissen, was dem Körper gut tut.»
Chantal Hebeisen, Redaktorin
Wissen, was dem Körper gut tut.
Der Gesundheits-Newsletter