Gürtelrose-Impfung schützt auch vor Demenz und Herzinfarkt
20 bis 30 Prozent aller Menschen erkranken an Gürtelrose. Eine Impfung kann dies verhindern. Mehr noch: Sie senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schützt möglicherweise sogar vor Demenz.
Veröffentlicht am 6. September 2026 - 05:00 Uhr

Warum eine Immunisierung gegen Gürtelrose weit mehr leisten kann als nur den Hautausschlag zu verhindern, untersuchen Forschende derzeit in neuen Studien.
Die Gürtelrose – in der Fachsprache Herpes Zoster genannt – wird durch eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht. Nach einer Windpocken-Erkrankung, die oft im Kindes- und Jugendalter erfolgt, verbleiben die Viren im Körper und können Jahre oder sogar Jahrzehnte später wieder aktiv werden. Die Reaktivierung erfolgt vor allem dann, wenn die zelluläre Abwehr gegen VZV abnimmt, was mit zunehmendem Alter oder einer medikamentösen Unterdrückung des Immunsystems der Fall ist. 20 bis 30 Prozent der Menschen erkranken im Lauf ihres Lebens an Gürtelrose.
«Da im Alter die Immunabwehr oft nicht mehr optimal funktioniert, sind vorwiegend Menschen ab dem 50. Lebensjahr betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer», sagt Marisa Kälin, Oberärztin an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Unispital Zürich.
Symptome und Verlauf der Gürtelrose
Eine Gürtelrose-Erkrankung ist in der Regel sehr schmerzhaft. Zu den typischen Symptomen gehören nebst einem geröteten Hautausschlag mit Gruppen von flüssigkeitsgefüllten Bläschen auch brennende, ziehende oder stechende Schmerzen der Haut, Juckreiz und Kribbelgefühl.
Zudem können Müdigkeit, Kopfschmerzen und Fieber sowie Schmerzen oder Missempfindungen im betroffenen Hautareal auftreten, bevor sich der Ausschlag zeigt. «Dieser tritt meist an der Brust, am Rücken oder am Kopf auf und verläuft streifen- oder gürtelförmig entlang einer Nervenbahn, was als dermatomales Muster bezeichnet wird», erklärt Marisa Kälin. Typisch ist zudem, dass sie meist auf eine Körperhälfte beschränkt ist.
Die Erkrankung ist deutlich weniger ansteckend als Windpocken. Eine Übertragung kann durch Kontakt mit den Bläschen beziehungsweise deren Inhalt erfolgen. «Menschen, die noch keine Windpocken hatten, können sich anstecken. Sie entwickeln dann Windpocken und nicht Gürtelrose», sagt die Ärztin.
Eine Gürtelrose heilt innerhalb weniger Wochen ab. Im Vordergrund der Behandlung steht die Schmerzlinderung mit Medikamenten sowie die Hautpflege mit juckreizlindernden Mitteln. Antivirale Medikamente können den Verlauf günstig beeinflussen und mögliche Komplikationen vermeiden.
«Es ist wichtig, frühzeitig ärztliche Hilfe zu suchen.» Denn es gilt, eine postherpetische Neuralgie zu vermeiden. Dabei handelt es sich um zum Teil monate- oder jahrelange Nervenschmerzen im Bereich der betroffenen Stelle. Bei Befall des Auges können zudem Entzündungen von Hornhaut und Sehnerv auftreten, die unbehandelt sogar zur Erblindung führen. Auch das Gehör und das Gleichgewicht können – beim Befall der Ohren – beeinträchtigt werden. «Etwa drei Prozent der Betroffenen müssen wegen Komplikationen stationär behandelt werden», so Marisa Kälin weiter.
Impfung ist sinnvoll
Die rekombinante Zoster-Impfung (RZV, Shingrix), die seit Oktober 2021 in der Schweiz zugelassen ist, bietet einen Schutz von knapp 90 Prozent vor Gürtelrose und postherpetischer Neuralgie, unabhängig vom Alter. Kommt es trotzdem zu einer Erkrankung, verläuft sie milder als bei Ungeimpften. In mehreren Beobachtungsstudien wurde zudem festgestellt, dass die Impfung zu 20 Prozent vor einer Demenz-Erkrankung schützt.
«Aktuell ist es noch zu früh, um zu bestimmen, ob dieser Zusammenhang tatsächlich kausal ist», sagt Simon Ming, Mediensprecher des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Diese Frage soll nun durch noch laufende, randomisiert-kontrollierte Studien geklärt werden.
Die Impfung weist noch andere positive Zusatzeffekte auf. «Es wurde festgestellt, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach einer Herpes-Zoster-Impfung niedriger ist.» Das Gleiche gelte auch für die Grippeimpfung oder nach einer mRNA-Impfung gegen Covid-19. Simon Ming hält aber fest: «Für das BAG und die Eidgenössische Kommission für Impffragen ergeben sich aus dieser Sachlage aktuell keine Änderungen bei den bestehenden Schweizer Impfempfehlungen.»
Hinweis: Dies ist ein Artikel der «Schweizer Illustrierten».




