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HypochondrieWenn die Angst vor Krankheiten krank macht

Hypochonder.
«Immer diese quälende Angst vor schlimmen Krankheiten...» – Was hilft gegen die sogenannte Hypochondrie? Bild: Getty Images

Hypochondrie ist eine Angsterkrankung. Betroffene empfinden Schmerzen, obwohl die Ärzte keine medizinischen Ursachen finden.

von Christine Harzheimaktualisiert am 2017 M10 26

Frage von Raul C.: «Bei einem Leberfleck befürchte ich Hautkrebs. Wenn mir schwindlig ist, denke ich an einen Hirntumor. Ich habe immer wieder quälende Angst vor Krankheiten. Was kann ich tun?»

Antwort von Christine Harzheim, Psychologin FSP und systemische Familientherapeutin:

Das ständige ängstliche Beobachten des Körpers und seiner Befindlichkeit hat es schon immer gegeben. Und schon immer hat es den Menschen Lebensfreude und Unbefangenheit geraubt und sie – paradoxerweise – krank gemacht. Der griechische Philosoph Platon (427 bis 347 vor Christus) hat das so ausgedrückt: «Die grösste Behinderung des Lebens liegt darin, ständig auf seine Gesundheit zu achten.»

Manche Menschen sind anfällig dafür, bestimmte Empfindungen oder Veränderungen ihres Körpers aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz als Anzeichen einer gefährlichen Erkrankung zu interpretieren. Eine schlecht heilende Wunde, eine Sehstörung, ein diffuses Unbehagen – solche Symptome führen bei sogenannten Hypochondern automatisch zu einer bedrohlichen Selbstdiagnose.

«Für Betroffene sind die Symptome Realität. Sie empfinden Schmerz und Schwindel deutlich.»


Christine Harzheim, Psychologin

Hypochondrie ist eine Angsterkrankung und zählt zu den psychosomatischen Störungen. Die Betroffenen erleben dabei körperliche Symptome, ohne dass organische Ursachen nachzuweisen sind. Meist befürchten sie Krankheiten wie Krebs, multiple Sklerose, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Ihre ganze Aufmerksamkeit richtet sich auf den vermeintlich kranken Körper. Anspannung und Stress sind die Folge, die wahrgenommenen Symptome verstärken sich.

Für Betroffene sind die Symptome Realität. Sie empfinden die Schmerzen, den Schwindel deutlich. Doch die Ärzte finden keine medizinische Ursache. Und wenn selbst der Spezialist Entwarnung gibt, hält die Erleichterung oft nur kurz an. Ob er sich vielleicht geirrt hat? Das Messgerät nicht richtig funktioniert hat? Er mich nicht ernst genommen hat?

Hypochondrie ist eine Angststörung

Ein wichtiger erster Schritt ist es, grundsätzlich zu akzeptieren, dass dem Leid keine körperliche Krankheit zugrunde liegt, sondern eine Angststörung. Nun braucht man einen Hausarzt, dem man vertraut und mit dem man über diese Ängste reden kann. Diese Ängste sollten Thema des Gesprächs sein und nicht nur die körperliche Abklärung, wenn man den Arzt das nächste Mal wegen eines Symptoms aufsucht.

Bitten Sie Ihren Arzt auch um geeignete Adressen zur Behandlung der Hypochondrie. Das kann zum Beispiel eine Psychotherapie sein, aber auch eine gute Atemtherapeutin, eine Yogaschule, eine Selbsthilfegruppe oder ein Achtsamkeitskurs. Je nachdem, ob Sie der Ursache Ihrer Ängste auf den Grund gehen wollen oder ob Sie Strategien erlernen wollen, um Gedankenkreisen und Panikgefühle zu kontrollieren.

 

  • Buchtipp: Hans Morschitzky, Thomas Hartl: «Die Angst vor Krankheit verstehen und überwinden»; Verlag Patmos, 2017, 192 Seiten, CHF 23.90.

Haben Sie psychische oder soziale Probleme?

Schreiben Sie an: Christine Harzheim, Beobachter, Postfach, 8021 Zürich, christine.harzheim@beobachter.ch.

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Reto Stauffacher, Online-Redaktor

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