Frage von Raul C.: «Bei einem Leberfleck befürchte ich Hautkrebs. Wenn mir schwindlig ist, denke ich an einen Hirntumor. Ich habe immer wieder quälende Angst vor Krankheiten. Was kann ich tun?»

Das ständige ängstliche Beobachten des Körpers Angst vor Bluthochdruck «Viele Gesunde messen fanatisch» und seiner Befindlichkeit hat es schon immer gegeben. Und schon immer hat es den Menschen Lebensfreude und Unbefangenheit geraubt und sie – paradoxerweise – krank gemacht. Der griechische Philosoph Platon (427 bis 347 vor Christus) hat das so ausgedrückt: «Die grösste Behinderung des Lebens liegt darin, ständig auf seine Gesundheit zu achten.»

Manche Menschen sind anfällig dafür, bestimmte Empfindungen oder Veränderungen ihres Körpers aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz als Anzeichen einer gefährlichen Erkrankung zu interpretieren. Eine schlecht heilende Wunde, eine Sehstörung, ein diffuses Unbehagen – solche Symptome führen bei sogenannten Hypochondern automatisch zu einer bedrohlichen Selbstdiagnose.

Die Angst vor Krankheit verstärkt die Symptome

Hypochondrie ist eine Angsterkrankung und zählt zu den psychosomatischen Störungen. Die Betroffenen erleben dabei körperliche Symptome, ohne dass organische Ursachen nachzuweisen sind. Meist befürchten sie Krankheiten wie Krebs, multiple Sklerose, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Ihre ganze Aufmerksamkeit richtet sich auf den vermeintlich kranken Körper. Anspannung und Stress Stressbewältigung Guter Stress, schlechter Stress sind die Folge, die wahrgenommenen Symptome verstärken sich.

Für Betroffene sind die Symptome Realität. Sie empfinden die Schmerzen, den Schwindel deutlich. Doch die Ärzte finden keine medizinische Ursache. Und wenn selbst der Spezialist Entwarnung gibt, hält die Erleichterung oft nur kurz an. Ob er sich vielleicht geirrt hat? Das Messgerät nicht richtig funktioniert hat? Er mich nicht ernst genommen hat?

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Hypochondrie lässt sich behandeln

Ein wichtiger erster Schritt ist es, grundsätzlich zu akzeptieren, dass dem Leid keine körperliche Krankheit zugrunde liegt, sondern eine Angststörung. Nun braucht man einen Hausarzt, dem man vertraut und mit dem man über diese Ängste reden kann. Diese Ängste sollten Thema des Gesprächs sein und nicht nur die körperliche Abklärung, wenn man den Arzt das nächste Mal wegen eines Symptoms aufsucht.

Bitten Sie Ihren Arzt auch um geeignete Adressen zur Behandlung der Hypochondrie. Das kann zum Beispiel eine Psychotherapie sein, aber auch eine gute Atemtherapeutin, eine Yogaschule, eine Selbsthilfegruppe oder ein Achtsamkeitskurs. Je nachdem, ob Sie der Ursache Ihrer Ängste auf den Grund gehen wollen oder ob Sie Strategien erlernen wollen, um Gedankenkreisen und Panikgefühle zu kontrollieren.

Typische Verhaltensweisen und Denkmuster bei Hypochondrie

  • Sehr häufige Arztbesuche.
  • Unbeirrbare Überzeugung, an einer Krankheit zu leiden, auch wenn der Arzt das Gegenteil festgestellt hat. Die Versicherung des Arztes, alles sei in Ordnung, wird nicht akzeptiert.
  • Sogenanntes «doctor hopping», also ständiges Aufsuchen neuer Ärzte.
  • Eigenen Körper ständig auf Abnormalitäten hin untersuchen.
  • Gedanken kreisen um eine Krankheit, die vermehrt öffentlich, zum Beispiel in den Medien, diskutiert wird.
  • Ständiges Nachdenken über Krankheiten und Schmerzen.
  • Sehr häufige Gedanken über den Tod Psychologie «Ich habe Angst vor dem Tod»

 

Tipps, die bei übermässiger Angst vor Krankheit helfen

  • Vereinbaren Sie regelmässige Arzttermine in grösseren Abständen. Entkoppeln Sie diese von neu auftretenden beziehungsweise anhaltenden Beschwerden. Gehen Sie nach einem Zeitplan zum Arzt und nicht wegen ansteigender Krankheitsängste ohne tatsächliche körperliche Beschwerden.
  • Planen Sie regelmässige Untersuchungen in grösseren Abständen nach einem Zeitkriterium (zum Beispiel jedes Jahr einmal).
  • Vermindern Sie ständige Rückversicherungen im Medizinsystem und vergegenwärtigen Sie sich Ihre Befunde und die Worte des Arztes Ihres Vertrauens, ohne immer wieder dieselben Fragen zu stellen.
  • Lernen Sie, mit dem Risiko zu leben. Konzentrieren Sie sich darauf, was Sie hier und jetzt tun können, um gesund zu bleiben.
  • Befassen Sie sich mit der Möglichkeit eines frühen Todes. Handeln Sie so, dass Ihr Leben verläuft, wie Sie sich dies vorstellen, ohne vor lauter Krankheitsängsten am Leben vorbeizugehen. Denken Sie immer an die banale Wahrheit: Dieser Tag könnte Ihr letzter sein.

 

Textabschnitt: Edith Lier

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Buchtipp

Hans Morschitzky, Thomas Hartl: «Die Angst vor Krankheit verstehen und überwinden»; Verlag Patmos, 2017, 192 Seiten, CHF 23.90.

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Christine Harzheim
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