Leserfrage: «Ich trete eine neue Stelle an. Ich bin die einzige Frau neben fünf Männern. Wie kann ich mich behaupten?»

Vor zwei Wochen hat mich ein Mann in einer Beratung dasselbe gefragt: «Ich wechsle in ein reines Männerteam, wie kann ich dort bestehen?» Welche Bedeutung hat also die Frau-Mann-Thematik? Helfen uns die klischierten Bilder der Geschlechter Erziehung Typisch Bub, typisch Mädchen beim Umgang mit einer neuen Herausforderung?

Natürlich ist etwas dran am Klischee vom typischen Mann, von der typischen Frau. Irgendetwas liegt jedem Klischee zugrunde. Aber taugt das auch in einer konkreten Situation wie der Ihren? Gibt Ihnen das nützliche Hinweise darauf, was Ihnen am neuen Arbeitsplatz bevorsteht?

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«Wenn wir uns einer neuen Situation stellen, nehmen wir Klischees zu Hilfe. Hier Mann, da Frau.»

Christine Harzheim, Psychologin FSP und systemische Familientherapeutin

 

Schon im Kindergarten können wir beobachten, dass es «mädchenhafte» Jungen und «jungenhafte» Mädchen gibt. Die Grenze zwischen den Geschlechtern in Bezug auf Verhalten und Persönlichkeit verläuft also keineswegs so eindeutig, wie das Klischee glauben macht.

Wir können davon ausgehen, dass es in einem Frauenteam auch eine Menge sogenannt männliche Anteile wie Dominanz oder Durchsetzungskraft gibt und in einem Männerteam sogenannt weibliche Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen und Beziehungsfähigkeit Betriebsklima Wenns am Arbeitsplatz menschelt existieren. Individuelle Unterschiede setzen das Klischee in der realen Welt ausser Kraft. Warum orientieren wir uns trotzdem daran?

Geschlechterstereotype verzerren das Bild

Wenn wir uns einer neuen, verunsichernden Situation stellen, neigen wir zur Vereinfachung und nehmen Klischees zu Hilfe. Hier Mann, da Frau. Das erzeugt ein Gefühl der Überschaubarkeit. Aber Vorsicht! Durch diese Vereinfachung entfernen wir uns von der Realität. Die Bilder, die wir nun im Kopf haben, prägen unsere Erwartungen und unser Verhalten. Wir nehmen nicht den feinfühligen Kollegen Heinz wahr, sondern – ohne es zu merken – immer ein verzerrendes Gemisch, geprägt durch Vorurteile und innere Bilder.

Wenn ich als Frau zum Beispiel befürchte, dass mir die Männer nichts zutrauen und mich nicht ernst nehmen, hat das grossen Einfluss auf mein Verhalten. Ich fühle mich vielleicht genötigt, lauter und offensiver in Diskussionen einzusteigen, als mir zumute ist. Oder ich versuche, keine Angriffsfläche zu bieten, und bleibe dadurch weit unter meinen Möglichkeiten.

Auf diese Weise bin ich nicht einfach die, die ich bin, sondern jemand, der sich seinen Klischee-Erwartungen und -Befürchtungen entsprechend verhält. Unter Umständen hat das alles mit dem realen Heinz nichts zu tun. Dieser wiederum hat eventuell auch ein Klischee-Frauenbild im Kopf und wird entsprechend seinen Bildern auf mein Verhalten reagieren, mich also entweder als zickig oder als scheu erleben Netzwerke Frau Schüüch wird kühn .

Sich auf die eigene Person fokussieren

Tatsache ist, dass man vor dem Einstieg in ein neues (bis dato Männer-)Team schlicht nicht wissen kann, was konkret auf einen zukommt. Statt zu rätseln, wer die anderen sind, und dabei grobe und in die Irre führende Kategorien in den Vordergrund zu stellen, ergibt es mehr Sinn, sich noch einmal klarzumachen, wer man selber ist.

In Bezug auf den Beruf, aber auch als Persönlichkeit. Wie funktioniere ich? Was ist mir wichtig? Wo sind meine Grenzen Leistungssteigerung Was bringt Mentaltraining? ? Kann ich mich schützen? Womit möchte ich an der neuen Stelle antreten?

Und dann: Seien Sie sich selbst! Und seien Sie offen für den realen Arbeitskollegen.

Als Frau authentisch kommunizieren

Bringen Sie in der Arbeit Ihre eigene Position ruhig und deutlich ein und interessieren Sie sich für die Position des anderen. Machen Sie sich klar, was Sie wahrnehmen, und unterscheiden Sie das bewusst von Ihren Interpretationen und Erwartungen.

In einem funktionalen Team haben neben sachlichen Argumenten auch Empfindungen Platz. Kommunizieren Sie persönlich und authentisch, und werden Sie als reale Frau spür- und berechenbar. Das ermutigt Ihre Arbeitskollegen, sich auch unverstellt zu zeigen und so für Sie berechenbar zu werden.

Schliesslich werden Sie erleben, dass es nicht nur das Geschlecht als mögliche Kategorie in Ihrem Team Nervensägen So nicht, Herr Kollege gibt, sondern noch einige andere Polaritäten: die Raucherinnen und die Nichtraucher, die Schweizerinnen und die Deutschen, die Chaotinnen und die Strukturierten, die Veganer und die Grillitarierinnen, die Linken und die Rechten, die Macherinnen und die Denker, die Intro- und die Extrovertierten. All das macht eine Gruppe aus und hält sie im Miteinander im Arbeitsalltag lebendig.

Wissen, was dem Körper guttut.
«Wissen, was dem Körper guttut.»
Chantal Hebeisen, Redaktorin
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