So wollen die Kantone die Prämienzahler entlasten
Wer profitiert von höheren Steuerabzügen für Krankenkassenprämien? Der Mittelstand oder Gutverdienende? In mehreren Kantonen laufen Initiativen. Ein Überblick.

Veröffentlicht am 14. April 2026 - 15:40 Uhr
![[Symbolbild / Gestellte Szene] Eine Visana Krankenversicherungskarte aufgenommen in einer Apotheke in Ostermundigen, fotografiert am Mittwoch, 24. Mai 2023. (KEYSTONE/Christian Beutler)](/fp/540/304/960/540/sites/default/files/web_hero_pramienrezepte_schweiz_krankenkasse_versicherungskarte_0.jpg)
Massnahmen gegen Prämienschock: Die Linke setzt auf einkommensabhängige Prämien, die Bürgerlichen auf Steuerabzüge.
4,4 Prozent sind die Krankenkassenprämien für das Jahr 2026 durchschnittlich gestiegen. Der Trend kennt seit Jahren nur eine Richtung. Steil nach oben. Sowohl Linke als auch Bürgerliche liefern deshalb Vorschläge, um die Prämienzahlerinnen und Prämienzahler zu entlasten.
Die SP fordert einkommensabhängige Prämien auf Bundesebene. Sie hat damit im Parlament aber einen schweren Stand. Die bürgerlichen Parteien hingegen setzen auf höhere Steuerabzüge – und hier scheint sich etwas zu bewegen. Allerdings bleibt die Frage: Wer profitiert wirklich von solchen Abzügen? Der Beobachter zeigt, was die Pläne in den verschiedenen Kantonen sind.
Zürich: Harte Fronten
In Zürich stimmt die Bevölkerung am 14. Juni über die SVP-Initiative «Stopp Prämien-Schock» ab. Sie verlangt, den Steuerabzug für Versicherungsprämien automatisch an die Entwicklung der Durchschnittsprämien anzupassen. Der Kantonsrat hat die Vorlage zur Ablehnung empfohlen. Auch ein Gegenvorschlag der SP mit einkommensunabhängigen Steuergutschriften scheiterte.
Die SVP argumentiert, die automatische Anpassung verhindere eine schleichende Steuererhöhung und entlaste den Mittelstand. Kritiker halten dagegen, dass der Abzug vor allem Gutverdienern nütze und den Kanton sowie die Gemeinden jährlich 160 Millionen Franken koste, ohne jedoch das Kostenwachstum zu bremsen. SP-Kantonsrat Rafael Mörgeli rechnete in der Ratsdebatte vor: Eine vierköpfige Familie mit 60’000 Franken steuerbarem Einkommen würde 1200 Franken an Steuern sparen, während eine Familie mit 150’000 Franken Einkommen bei gleichen Prämienkosten um 1640 Franken entlastet würde.
Schaffhausen und Luzern: Neue Vorstösse
In Schaffhausen schlägt die Regierung vor, die Versicherungsabzüge auf 9500 Franken für Verheiratete und 4750 Franken für Alleinstehende zu erhöhen. Ziel sei es, Familien zu entlasten und den Standort für den Mittelstand attraktiver zu machen. Die Regierung rechnet mit Steuerausfällen von 6 Millionen Franken im Jahr – bei einem Budget von 1,16 Milliarden Franken.
In Luzern prüft der Regierungsrat auf Basis eines Postulats verschiedene Modelle zur Anpassung des Prämienabzugs. Die Befürworter kritisieren, der aktuelle Abzug bilde die Kostenentwicklung nicht mehr ab.
Jura und Neuenburg: Unterschriftensammlungen
Im Jura sammelt die FDP bis August 2026 Unterschriften für eine Initiative, die die steuerlichen Abzüge für Krankenkassenprämien um 10 Prozent erhöhen soll. Die Partei verspricht damit eine schnelle Entlastung für untere und mittlere Einkommen. Die Initianten räumen ein, dass die Massnahme Einnahmeverluste in Millionenhöhe verursachen könnte. Weil aber weniger Prämienverbilligungen nötig wären, würden die Ausfälle teilweise kompensiert. Eine ähnliche Initiative der FDP läuft in Neuenburg. Dort wurden Ende 2023 bereits 5000 Unterschriften für höhere Pauschalabzüge eingereicht.
Tessin und Baselbiet: Klare Entscheide
Im Tessin stimmte die Bevölkerung im September 2025 sowohl einer SP-Initiative zur Begrenzung der Prämienlast auf 10 Prozent des Einkommens als auch einer Vorlage der Lega dei Ticinesi für die fast vollständige steuerliche Abzugsfähigkeit der Prämien zu. Das heisst: Niemand muss mehr als 10 Prozent seines Einkommens für die Prämien aufwenden, und diese können ausserdem fast gänzlich von den Steuern abgezogen werden. Die Initiative erhöht die maximalen Steuerabzüge für Versicherungsprämien massiv: für Alleinstehende von 5500 auf 9000 Franken und für Verheiratete von 10’900 auf 18’000 Franken. Die Befürworter betonten, obligatorische Kosten müssten voll abziehbar sein, um den Mittelstand zu schützen. Gegner warnten vor Steuerausfällen von 100 Millionen Franken und einer Bevorzugung von Topverdienern – vergeblich.
Im Baselbiet scheiterte eine ähnliche SVP-Initiative knapp mit 53 Prozent Nein-Stimmen. Die Warnung der Regierung vor Steuerausfällen von 145 Millionen Franken dürfte zur Ablehnung beigetragen haben. Die Gegner hatten argumentiert, dass die Politik bei den eigentlichen Ursachen, dem Kostenwachstum im Gesundheitswesen, ansetzen müsse.
- Protokoll Kantonsrat Zürich: Debatte zur Initiative «Stopp Prämien-Schock»
- Schaffhausen: Vernehmlassung zur Teilrevision des Steuergesetzes
- FDP Jura: Medienmitteilung zur Initiative für Steuerabzüge
- FDP Neuenburg: Medienmitteilung zur Initiative für Steuerabzüge
- Kanton Tessin: Abstimmungsbüchlein




