SBB blocken Entschädigung für Reisende ab – mit einer Ausnahme
Wenn die SBB keine Extrazüge für Fussballfans anbieten, kommt es in den regulären Zügen häufig zu Verspätungen und Störungen. Passagiere erhalten aber nur in seltenen Fällen eine Entschädigung.

Veröffentlicht am 22. September 2026 - 14:53 Uhr

Fussballfans sorgen immer wieder für Verspätungen – entschädigt wird kaum jemand dafür.
Gezündete Petarden, ausgelöste Brandalarme und gestrandete Passagiere: Am vergangenen Samstagnachmittag sorgten Anhänger des FC Zürich auf der Reise zum Auswärtsmatch nach Sitten für Verspätungen und Zugausfälle.
Weil die SBB wegen Baustellen keinen Extra-Fanzug angeboten hatten, reisten rund 800 FCZ-Fans mit den regulären Zugverbindungen von Zürich via Bern nach Sitten. Auf der Anreise hätten Fans des FC Zürich in zwei Zügen wiederholt Brandalarme ausgelöst, schreiben die SBB. Beide Züge fielen in der Folge ab Bern aus. Drei nachfolgende Züge hätten Verspätungen von bis zu 25 Minuten gehabt. Zudem hätten Fans alle benutzten Züge und die Bahnhofhalle Bern stark verschmutzt.
Hunderte Passagiere von Verspätungen betroffen
Einige Fans störten den Reiseverkehr am Samstagnachmittag also massiv, Hunderte Passagiere dürften betroffen gewesen sein.
Das scheint von einzelnen FCZ-Fans durchaus so gewollt zu sein. So verteilten einige Fans Flyer an die Passagiere mit dem Aufruf, sich beim SBB-Kundendienst zu beschweren. Der Wortlaut gemäss «Tages-Anzeiger»: «Sie wurden durch Fussballfans gestört und möchten Ihr Billett rückerstatten lassen oder haben eine Frage zu einem Thema rund um die SBB?»
Das Verhältnis zwischen Fussballfans und den SBB ist angespannt. Die Fans würden lieber im Extrazug reisen. Die SBB beziffern die ungedeckten Kosten allerdings auf rund vier Millionen Franken pro Fussballsaison aufgrund von Sicherheitsmassnahmen, Vandalismus und Reisen ohne Billettkauf.
SBB bedauern, erstatten aber nichts zurück
Zwar beschwerten sich etliche Passagiere bei den SBB wegen der Fanstörungen, wie diese dem Beobachter bestätigen. Doch haben die Passagiere in diesem Fall kaum Rechte. Bei einer Verspätung von bis zu 59 Minuten gibts keine Billettrückerstattung. Erst ab 60 Minuten erhalten Passagiere 25 Prozent des Billettpreises zurück, ab 120 Minuten ist es die Hälfte des Billettpreises. Wenn die Entschädigung unter 5 Franken liegt, erhalten die Passagiere nichts.
Die Folge: Entschädigt wird nur, wer in Bern beispielsweise den Anschluss nach Lausanne oder Genf verpasst hat und mindestens 60 Minuten zu spät dort ankam.
Wer hingegen wegen der Fans schlicht keinen Sitzplatz fand oder sich gestört fühlte, hat kein Recht auf Entschädigung. «Die SBB haben Verständnis dafür, dass das Verhalten der Fans für andere Reisende störend war, und bedauern dies», schreibt ein Sprecher.
Unklare Warnung im Onlinefahrplan
Die SBB warnen ihre Kundinnen und Kunden lediglich mit einem Hinweis im Onlinefahrplan, dass es wegen eines Sportanlasses zu grossem Passagieraufkommen kommen könne. Was das bedeutet, bleibt unklar. Es könnte sich beispielsweise auch um einen Breitensport-Laufanlass wie den Grand Prix Bern handeln.
Im Februar erneut Fans und Reisende gemeinsam im Zug
Die SBB betonen, dass sie sehr wohl weiterhin Extra-Fanzüge einsetzen würden, sofern es die Baustellensituation erlaube. Allerdings nur wenn diese Züge zu normalen Fahrplanzeiten fahren könnten. Endet der Match zu spät, fährt kein Extrazug mehr. Die Schweizer Fussballliga musste deshalb bereits Spiele vorverschieben.
Es sei erst im Februar wieder so, dass ein Extra-Fanzug wegfalle und alle Fans mit den regulären Zugverbindungen anreisen müssten, schreiben die SBB. Wer sich die Fans nicht antun will, muss vor der Abreise die Medienmitteilungen der SBB lesen.
- SBB: Entschädigung bei Verspätung
- SBB: Wegen Baustellen kein Fanzug FC Sion – FC Zürich möglich
- «Tages-Anzeiger»: Das Protokoll einer turbulenten Fanreise
- Stellungnahme SBB




