Die E-Mail von Sunrise an Bernhard Sommer klang, als hätte er ein neues Abo abgeschlossen: «Vielen Dank, dass Sie sich für Sunrise entschieden haben. Wir bestätigen Ihre Produktänderung.» Bernhard Sommer, der in Wirklichkeit anders heisst, stutzt: «Ich bin schon länger Kunde bei Sunrise, und ich habe gar keine neue Dienstleistung bestellt.» 

Als er reklamiert, erklärt ihm Sunrise, die Swisscom schalte die alten Kupferleitungen ab, er werde künftig über 5G-Mobilfunk ans Internet angeschlossen werden. Das Paket mit dem Empfangsgerät sei schon unterwegs. Auf den Hinweis des Kunden, sein Wohnort im toggenburgischen Hemberg liege in einem Funkloch, geht der Anbieter nicht ein. Ohne weitere Ankündigung kappt Sunrise darauf seinen Internetzugang.

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Spezialantenne hilft nichts

Für Bernhard Sommer beginnt eine Odyssee: Das Gerät mit einer Spezialantenne kann er zwar installieren. Doch die Empfangssignale sind derart schwach, dass die Geschwindigkeit des Datenflusses (Download-Rate) nur einen Bruchteil des heutigen Kupferkabels erreicht. Sprich: Für den gewöhnlichen Gebrauch des Internets ungenügend.

Mit einer Speed-Test-App misst er die Übertragungsrate und schickt die Ergebnisse seinem Anbieter. «Sunrise wollte das Resultat nicht wahrhaben und schickte einen Techniker vorbei», sagt Sommer. Dieser kam zum selben Resultat, das Ergebnis liegt dem Beobachter vor. Der Fachmann bestätigte, was Sunrise ebenfalls nicht glauben wollte: Sommers Haus liegt in einem Funkloch. 

Darauf entstand zwischen ihm und Sunrise eine teils absurde Korrespondenz, oft mit automatisch generierten Nachrichten. «In den letzten drei Wochen erhielt ich etwa 30 Mails, ich wurde sogar auf Verschiebungen von Terminen hingewiesen, die es gar nicht gab.» Es kam vor, da erhielt er von Sunrise an einem Tag ein halbes Dutzend SMS. 

Kupferkabel oder Freileitung?

Sommer kann nicht glauben, dass die Kupferleitung zu seinem Haus abgestellt werden soll. Weil an seinem Wohnort die Umstellung auf Glasfaser in Verzug ist und etliche Bewohner wohl noch länger auf eine effiziente Glasfaserleitung warten müssen, macht er sich schliesslich selbst kundig. Von der Swisscom erfährt er: Das alte Netz wird in der Schweiz überhaupt nicht auf einen Schlag stillgelegt. Denn der Übergang zu Glasfaser ist ein mehrjähriges Programm. Je nach Region bleiben Kupferleitungen noch Jahre in Betrieb. 

Als sich der Beobachter einschaltet, heisst es bei Sunrise plötzlich, es gehe nicht um ein Kupferkabel, sondern um eine alte Freileitung, die abgebrochen werde. Tatsächlich bestätigt die Swisscom, dass eine Freileitung in Hemberg abgebrochen werden soll. Ausgerechnet von dort führt ein Kupferkabel zum Haus von Sommer. In einigen Monaten soll Schluss sein. Auch für die vier Nachbarhäuser, die an der gleichen Leitung angeschlossen sind.

Damit ist er wieder gleich weit, wie einen Monat zuvor. Sunrise schickt ihm erneut eine E-Mail, in der ihm zur «Produktänderung» gratuliert wird. Dazu ein neues Empfangsgerät und die Empfehlung, im Haus eine Stelle mit Empfang zu suchen. Dem Beobachter teilt das Unternehmen mit: «Wir haben dem Kunden zusätzlich eine Aussenantenne zugeschickt.» Ein Technikmitarbeiter werde bei ihm eine «optimale Installation vor Ort» vornehmen. «Die Übertragungsraten sollten damit höher liegen.»

Kunde darf gehen

Gleichzeitig lässt Sunrise durchblicken, dass man den Kunden ziehen lassen würde: «Sollten sich jedoch auch mit dieser Lösung keine vergleichbaren Leistungen erzielen lassen, kann der Kunde sein Abo jederzeit und kostenlos kündigen.»

Für seinen Ärger schreibt ihm Sunrise nun sogar 33 Franken gut – und die bisherige Leitung ist wieder aktiviert. Jedenfalls für den Moment.

Quellen
  • Korrespondenz zwischen Sunrise und Kunde
  • Sunrise: Stellungnahmen vom 6. Juli 2026 und 9. Juli 2026
  • Swisscom: Hintergrund zum Thema Abschaltung Kupfernetz