«Mein Mann fragt immer wieder, ob ich mir wirklich sicher bin»: So beginnt ein kurzes Video, das derzeit dutzendfach als Werbung auf Youtube ausgespielt wird. «Aber wir müssen unsere Boutique schon nächste Woche schliessen», fährt die Stimme fort. Im Bild sind dazu Ringe und Uhren zu sehen und schliesslich eine ältere Frau, die eine Kiste mit dem Aufdruck «Juwelier Keller» zum Versand bereit macht. 

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Doch die «Boutique» gibt es ebenso wenig wie einen Handelsregistereintrag für «Juwelier Keller». Das Video ist ebenso KI-generiert wie die Fotos des älteren Paars auf der Website und ein weiteres Werbevideo. «Juwelier Keller» ist nichts weiter als ein Dropshipping-Shop: eine Website, die mit einer CH-Adresse hochwertige Ware suggeriert, letztlich aber billigen Modeschmuck liefert.

Der Beobachter hat schon mehrfach darüber berichtet, wie über Websites mit seriös klingenden Schweizer Namen Ramschware aus China völlig überteuert angeboten wird. 

Mit Tränendrüse und Rabatten

Das Angebot bei «Juwelier Keller» ist denn auch nach allen Regeln der Online-Abzocke gestaltet: Die Werbevideos drücken auf die Tränendrüse («Wir müssen unsere Boutique schon nächste Woche schliessen») und suggerieren hohe Rabatte, und die angebotene Ware vermittelt den Eindruck von Luxus zu bezahlbaren Preisen. 

So gibt es etwa ein angeblich aus Gold gefertigtes, fünfteiliges Armbandset angeblich mit 80 Prozent Rabatt für Fr. 54.95 zu kaufen. Beim chinesischen Billigst-Versandhändler Shein ist das Set (mit dem Hinweis «vergoldet») für gerade einmal Fr. 7.82 zu haben. Den – laut Website – von Juwelier «Hans Keller» in «hochpräziser Handarbeit» gefertigten Ring «Titanfall» für Fr. 49.95 bietet Temu für Fr. 11.26 an. 

Bei allen angebotenen Stücken suggeriert die Website ein Trustpilot-Rating von 4,7 von 5 möglichen Punkten, «basierend auf 4315 Bewertungen». Tatsächlich gibt es auf der Bewertungsplattform gerade mal sechs Rückmeldungen zur Firma, und diese weisen alle die Note 1 auf. 

Chatbot mit Beratung

Aus «Keller» wird «Novak»

«Juwelier Keller» ist übrigens flexibel, was den Firmennamen und den Geschäftssitz betrifft. Mit einer einfachen Bildersuche auf Google findet man eine praktisch identische Website eines angeblichen Juweliergeschäfts namens «Zlatnina Novak» in Slowenien. 

Herr und Frau «Keller» heissen hier «Novak». Ihr Angebot: «einzigartiger und zeitloser Schmuck, inspiriert von internationaler Eleganz und Raffinesse». Oder wie es bei Juwelier Keller so schön heisst: «Mit Leidenschaft und Herzblut gefertigt» – einfach in einer chinesischen Fabrik statt von «Hans Keller» oder von Goldschmied Novak.

Eine Anfrage des Beobachters blieb unbeantwortet. Die Stiftung für Konsumentenschutz führt die Website Juwelierkeller.ch auf ihrer Warnliste für problematische Dropshipping-Shops. 

Quellen