Warum fährt dieses Motorrad auf dem Trottoir und zieht einen Slalom zwischen den Fussgängerinnen? Die Erklärung ist ganz einfach: Es hat kein Nummernschild.

20 Zentimeter breite Reifen, imposanter Harley-Look – die neuen «Fahrzeuge für den Stadtdschungel» sind definitiv angekommen. Die Verkaufszahlen für solche E-Scooter steigen schnell an. Und so ziehen sie überall ihre Linien – auf Velowegen, Busspuren oder eben Trottoirs –, mit 25 Kilometern pro Stunde und einem Gewicht von 200 Kilo, Lenker inklusive. Parkiert wird auch überall. Detaillierte Suva-Statistiken fehlen noch, aber eine Zunahme der Zahl und Schwere von Unfällen im Zusammenhang mit E-Zweirädern ist offenkundig.

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Auffällig ist die Ungleichbehandlung dieser E-Scooter im Vergleich mit Motorrädern. Ein Motorrad darf weder auf Trottoirs fahren noch parkieren. Von ihm verursachte Schäden sind durch die obligatorische Haftpflichtversicherung gedeckt. Die Halterin zahlt eine Fahrzeugsteuer und zahlt fürs Benzin, von dem mehr als die Hälfte des Preises eine indirekte Steuer ist. Ein «normales» Motorrad unterliegt regelmässigen Fahrzeugkontrollen und ist mit einem Nummernschild ausgestattet. Bei wildem Parkieren stellt die Polizei einen Strafzettel aus. All dem entgeht ein E-ScooterE-Scooter.

Politik und Gesellschaft scheinen geradezu geblendet

Ist das nur die frustrierte Feststellung eines neidischen Töfffahrers? Nein, denn Politik und Gesellschaft scheinen geradezu geblendet zu sein von der Elektrizität. Alles wird erlaubt, ja sogar unterstützt, solange das Ding nur elektrisch betrieben wird. Der Bundesrat hat zu Recht beschlossen, ab 2024 das Privileg der Elektrofahrzeuge, dass auf sie keine Einfuhrsteuer gezahlt werden muss, abzuschaffen.

Und die Kantone? In den meisten werden Elektroautos über die Fahrzeugsteuer subventioniert. Ist das richtig? Die Frage sei erlaubt, schliesslich ist ihre Belastung für die Umwelt nicht zu vernachlässigen. Die Statistiken zeigen, dass die Fahrzeugflotte in der Schweiz jedes Jahr nicht nur elektrischer, sondern auch immer schwerer und leistungsstärker wird. Wir verschliessen die Augen vor der grauen Energie, die für ihre Herstellung benötigt wird, und vor den Feinstaubpartikeln, die beim Beschleunigen mit Motoren von über 300 PS entstehen. Die Devise lautet: Ein Elektroauto ist per definitionem umweltfreundlich! Woher die Energie dafür kommt, aus Atomstrom oder von Wärmekraftwerken im Ausland, spielt keine Rolle.

Eine leise Hoffnung kommt aus dem Wallis, das den gesunden Menschenverstand noch bewahrt zu haben scheint. Studien haben gezeigt, dass Hybridfahrzeuge im Durchschnitt viel mehr Treibstoff verbrauchen, als die Werbung verspricht. Der Kanton reagierte schnell. Er beschloss, die Steuerermässigungen auf Hybridfahrzeuge abzuschaffen. Andere Kantone folgen. Bravo!

 

Zur Person
Michel Huissoud