Der Name Ignaz Semmelweis sagt heute kaum noch jemandem etwas, obwohl der Arzt im 19. Jahrhundert Grossartiges leistete. Er rettete vielen Müttern das Leben. Seine Erkenntnisse zur mangelnden Hygiene bei Geburten als Ursache für Kindbettfieber wurden allerdings erst nach seinem Tod honoriert.

Für Yasmine Motarjemi steht Semmelweis sinnbildlich für das, was sie in ihrem Kampf gegen Nestlé erlebt und erlitten hat. «Ich musste mir selbst beweisen, dass ich nicht verrückt bin. So wie Semmelweis für seine Überzeugung kämpfte.» Bei Motarjemi geht es um den Kampf für die Lebensmittelsicherheit.

Nestlé hatte die Lebensmitteltechnologin vor zwanzig Jahren von der WHO abgeworben, sie sollte die Produkte sicherer machen. Bald stellte sie fest, dass sie bei ihrem Job behindert wurde. Wer Missstände aufdeckte und rapportierte – etwa Biskuits, an denen Babys fast ersticken –, wurde weder angehört noch unterstützt.

Im Gegenteil: Motarjemi wurde systematisch gemobbt und durfte die Tätigkeit, für die man sie angestellt hatte, nicht mehr ausüben. Sie ging vor Gericht. «Als Wissenschaftlerin fühlte ich mich verpflichtet, auf die Missstände aufmerksam zu machen.» Nach langen zehn Jahren bekam sie im Januar recht: In zweiter Instanz hielt das Kantonsgericht Lausanne fest, dass «Motarjemi auf hinterhältige Art und Weise gemobbt wurde». Die Schikanen hätten sie beruflich und psychisch ruiniert.

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Zu viel sei inzwischen kaputtgegangen, sagt die schwer gezeichnete 65-Jährige. Aber das Urteil gebe ihr Hoffnung, auch für andere Whistleblowerinnen.

Prix Courage 2020 – Die Nominierten im Porträt

 

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Der oder die Gewinnerin des Prix Courage 2020 wird am Freitag, 30. Oktober bekanntgegeben.

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