Für Bruno Bolliger war es ein riesiges Glück, dass Jelena Vorburger am 11. September 2020 im selben Zug sass. Der hagere 60-Jährige bricht in der S3 nach Basel zusammen. Mehrere Dutzend Menschen sind im Zug, doch nur eine hilft: Jelena Vorburger. Die 26-Jährige fühlt seinen Puls, kann aber nichts mehr spüren. Mit Hilfe zweier junger Männer legt sie Bruno Bolliger auf den Boden. «Ich hörte, wie er leise ein letztes Mal ausatmete – dann war er tot.»

Die Gastro-Fachfrau hat zwar Angst, etwas falsch zu machen, trotzdem handelt sie. «Dass ihn alle im Stich liessen, hat mir richtig Schub verliehen. Man lässt jemanden nicht einfach sterben.» Sie beginnt mit einer Herzdruckmassage. Da pöbelt sie jemand an, warum sie «diesem Junkie» – was er nicht ist – helfe; ein anderer giftelt, weil sie ihre Maske abgenommen hat.

Unbeirrt pumpt sie weiter, schweissgebadet. Der leblose Körper wippt auf und nieder. Plötzlich knackst es drei Mal nacheinander und fünf Rippen brechen. «Ich habe geschrien vor Entsetzen.» Eine andere Passagierin macht ihr Mut: Das sei ein Zeichen, dass der Druck stark genug sei, damit das Hirn mit Blut versorgt werde.

Nach 15 langen Minuten kommt der Zug in Basel an, endlich schnappt der Mann nach Luft. Die Sanität wartet schon.

Jährlich erleiden rund 6000 Personen einen Herz-Kreislauf-Stillstand ausserhalb eines Spitals. Nur etwa 50 überleben. Bruno Bolliger konnte das Spital nach zehn Tagen verlassen – kerngesund, ohne neurologische Schäden.

Prix Courage 2021 – Die Nominierten im Porträt

 

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Der oder die Gewinnerin des diesjährigen Prix Courage wird am Freitag, 29. Oktober 2021 bekanntgegeben.

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