Albin Reichmuth ist neun Jahre alt, als sich der Pfarrer der katholischen Kirche Trimbach SO, Alfred Otto Amiet, zum ersten Mal an ihm vergeht. Das Martyrium des Knaben dauert sechs Jahre, von 1956 bis 1962.

Die Geschichte seines Leidens trägt Albin Reichmuth jahrzehntelang mit sich herum. Erst als er 2010 ein Burn-out erleidet, spricht er in einer Psychotherapie zum ersten Mal darüber. «Das fühlte sich an, als ob sich ein gewaltiger, unter Druck stehender Dampfkessel entleeren würde», sagt der 74-Jährige im Rückblick.

2018 wagt Reichmuth den nächsten Schritt. Er gelangt an den Präsidenten des Kirchgemeinderats, John Steggerda. Dieser schaltet im August 2019 im Pfarrblatt eine Anzeige und ruft Opfer von Pfarrer Amiet auf, sich zu melden. Tatsächlich melden sich in den folgenden Monaten acht Personen, die vom Pfarrer ebenfalls sexuell missbraucht wurden oder Angehörige hatten, denen dieses Schicksal widerfahren war.

Albin Reichmuth fasst nun Mut und geht mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit. Zuerst anonym, im Frühling 2021 im Beobachter Zögerliche Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe Die Kirche spielt auf Zeit – zulasten der Opfer zum ersten Mal mit vollem Namen.

Dabei beliess er es nicht. Seither setzt sich Albin Reichmuth aktiv für die Opfer von Übergriffen durch katholische Würdenträger ein. 2019 hat er eine Selbsthilfegruppe für Betroffene ins Leben gerufen. 2021 folgte die Gründung des Fördervereins «IG für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld».

Prix Courage 2021 – Die Nominierten im Porträt

 

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Der oder die Gewinnerin des diesjährigen Prix Courage wird am Freitag, 29. Oktober 2021 bekanntgegeben.

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