«Wenn ich über meine Vergewaltigung spreche, fühlt es sich jedes Mal an, als würde ich mich nackt ausziehen», sagt Cindy Kronenberg. Jedes Wort, jede Erinnerung daran schmerzt. «Es ist, als würde ich der ganzen Öffentlichkeit einen Blick in mein Innerstes gewähren.»

Trotzdem tut sie es immer und immer wieder. In Gesprächen mit Betroffenen, mit Journalisten und mit Parlamentarierinnen. Sie tut es für die rund 430'000 Frauen in der Schweiz, die laut Amnesty International schon Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen gehabt haben. «Eine riesige Zahl. Aber niemand spricht darüber. Und alle Betroffenen haben das Gefühl, sie seien mit ihrer Geschichte allein.»

In ihrem Kampf gegen das Tabu gründete die 29-jährige Luzernerin die Plattform Vergewaltigt.ch. Dort tauscht sie sich mit anderen Betroffenen aus. Vielen Opfern von sexueller Gewalt fehlt es an Unterstützung und an wichtigen Informationen.

Immer wieder wird Cindy Kronenberg mit dem Vorwurf einer Mitschuld konfrontiert. Von Betroffenen, von ihrem Umfeld, von der Polizistin, die ihre Anzeige aufnahm. «Wieso hast du dich nicht stärker gewehrt?» Deshalb setzt sich die Jugendarbeiterin auch für die laufende Revision des Sexualstrafrechts ein. «Egal, ob man getrunken oder geflirtet hat, egal, ob es ein Fremder oder ein Ehemann war, egal, ob man sich gewehrt hat oder in Schockstarre verfallen ist – es ist nie okay, wenn die sexuelle Selbstbestimmung missachtet wird.»

Prix Courage 2021 – Die Nominierten im Porträt

 

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Die Stimmen der Beobachter-Leserinnen und -Leser sowie jene der Prix-Courage-Jury werden zu je 50 Prozent gewichtet. Bis Sonntag, 17. Oktober 2021, können Sie über das untenstehende Formular für Ihre Favoritin oder Ihren Favoriten abstimmen.

Der oder die Gewinnerin des diesjährigen Prix Courage wird am Freitag, 29. Oktober 2021 bekanntgegeben.

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