Müdigkeitsattacken - auch Sekundenschlaf genannt - stellen eine ernstzunehmende Gefahr im Strassenverkehr dar. Wer für drei Sekunden einen Aussetzer hat und mit seinem Fahrzeug 60 km/h fährt, legt gleichsam im «Blindflug» 50 Meter zurück, mit 120 km/h sind es bereits 100 Meter - die Folgen sind leicht auszumalen. Und entsprechende Unfälle passieren öfter, als man denkt: Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) sind 10 bis 20 Prozent aller Unfälle auf Schweizer Strassen eine Folge von plötzlicher Müdigkeit.

Sekunden mit Langzeitwirkung
Wer ein Fahrzeug führt, muss fahrfähig sein, so verlangt es das Gesetz. Jeder Verkehrsteilnehmer muss demnach während der Fahrt geistig und körperlich im Stande sein, sein Gefährt sicher zu lenken. Wer bei sich deutliche Anzeichen von Ermüdung feststellt, erfüllt diese Voraussetzungen nicht - er muss jederzeit damit rechnen, dass er für einen kurzen Moment einnickt, die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert und durch eine Kollision erheblichen Schaden anrichtet. Setzt er seine Fahrt trotzdem fort, handelt er laut Gesetz «grob fahrlässig». Es drohen ein mehrmonatiger Fahrausweisentzug und eine saftige Busse.

Doch nicht genug: Da die meisten Kaskoversicherungen die Haftung bei Grobfahrlässigkeit ablehnen, kann ein Unfall mit Sach- und Personenschaden für den Verursacher nicht nur körperliche, sondern auch verheerende finanzielle Folgen nach sich ziehen.

Der Sekundenschlaf tritt vorwiegend wegen starker Übermüdung auf, aber auch aufgrund krankhafter Schlafstörungen, verursacht durch kurze Atemstillstände (Schlaf-Apnoe-Syndrom). Ungefähr neun Prozent der Männer und vier Prozent der Frauen leiden an dieser Krankheit. Die meisten Unfälle verursachen gemäss BfU jedoch gesunde und vorwiegend männliche Junglenker zwischen 18 und 24 Jahren, die nach dem Ausgang zwischen zwei und fünf Uhr morgens übermüdet auf einer eintönigen Strasse nach Hause fahren.

Aber auch Urlauber, die nach Mitternacht ihren Weg in weit entfernte Ferienziele antreten, sind besonders gefährdet. Ebenso die oft unter enormem Zeitdruck stehenden Lkw-Fahrer.

Die Schlafforschung zeigt, dass sich Müdigkeit immer durch spezifische Vorzeichen ankündigt (siehe unten: «Sekundenschlaf»). Nimmt ein übermüdeter Lenker diese Vorboten ernst, lässt sich der fatale Sekundenschlaf durch entsprechendes Verhalten verhindern.

Sekundenschlaf

Achten Sie auf die Vorboten:

  • schwere Lider
  • Trübung des Blicks
  • Schielen, Doppelbilder
  • «schwimmende Strasse»
  • Abschweifen in Gedanken
  • kurze Absenz mit offenen Augen
  • Aufschrecken
  • Gähnen
  • verzögerte Reaktionen, brüskes Bremsen
  • verlorenes Geschwindigkeitsgefühl
  • Abweichen von der Fahrspur


Fahren Sie vorausschauend:

  • Bei Anzeichen von Müdigkeit eine Rast von 15 bis 30 Minuten einlegen.
  • Dabei einen doppelten Espresso trinken - Koffein wirkt nach zirka 15 Minuten für drei bis vier Stunden.
  • Bei sehr langen Ferienfahrten jede Stunde eine kurze Pause einlegen; sich wenn möglich in regelmässigen Abständen mit einem anderen Auto­fahrer abwechseln.
  • Schon geringe Mengen Alkohol (unter 0,5 Promille) verstärken die Müdigkeit - verzichten Sie deshalb ganz auf Alkohol am Steuer.
  • Nachtfahrten zwischen zwei und fünf Uhr möglichst vermeiden; der Körper ist in dieser Zeit besonders auf Schlaf eingestellt.
  • Befinden sich mehrere Personen im Fahrzeug, sollte mindestens eine von ihnen wach bleiben und sich mit dem Fahrzeuglenker unterhalten.
  • Das Öffnen der Fenster oder das Lauterstellen des Radios wirken nur kurzfristig.
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