Die Ölheizung ist nicht totzukriegen: Auch wenn ihre Zahl stetig abnimmt, wurden 2024 in der Schweiz immer noch rund 630’000 Gebäude mit Öl geheizt. Das sind 35 Prozent der Gebäude mit Wohnnutzung.

Eine Faustregel dazu besagt: Den fossilen Brennstoff kauft man am besten im Frühling oder Sommer, denn da sind die Preise am tiefsten. Dumm nur, dass Faustregeln weder die politische Lage noch den tiefen Wasserstand im Rhein beachten. Solange die Strasse von Hormus gesperrt ist und mit Heizöl beladene Rheinschiffe nur einen Bruchteil ihrer Ladekapazität ausnutzen können, spielen nicht nur Weltpolitik und Wetter verrückt, sondern auch die Heizölpreise.

Partnerinhalte
 
 
 
 

Wie kommt man am besten weg, wenn der Öltank für den kommenden Winter gefüllt werden muss?

Der Beobachter hat vier verschiedene Strategien durchgerechnet. Das Beispiel: In der Berner Agglogemeinde Belp braucht eine Familie 3000 Liter Heizöl, um gut durch den Winter zu kommen.

Neben dem – mengenabhängigen – aktuellen Tagespreis flossen der Höchstpreis der vergangenen sechs Monate (Fr. 162.51 pro 100 Liter am 27. März) und der tiefste in dieser Zeit bezahlte Preis (Fr. 107.59 pro 100 Liter am 18. Juni) in die Berechnungen ein. Wichtig zu wissen: Bei den angenommenen Höchst- und Tiefstpreisen handelt es sich um Werte aus den vergangenen sechs Monaten. Je nach geopolitischer Lage können diese auch noch höher steigen – oder stark fallen.

Strategie 1: Erst mal nur das Nötigste

Wer erst einmal bloss 500 Liter Heizöl in den Tank füllen lässt, bezahlt zwar mit rund 161 Franken pro 100 Liter ziemlich viel. Sinkt der Ölpreis aber wieder auf den Tiefstwert, und man kauft dann ein, kommt die gesamte Tankfüllung auf gerade einmal 3495 Franken zu stehen. Muss man hingegen im Winter kaufen, wenn der Preis wieder auf dem – angenommenen – Höchstwert liegt, muss man stolze 4868 Franken hinblättern.
Bewertung: Wärmegarantie für Risikofreudige

Strategie 2: Fifty-fifty

Den Tank in den kommenden Wochen zur Hälfte zu füllen und dann abzuwarten, heisst: Man kann auf einen etwas attraktiveren Ölpreis hoffen, ohne gleich das ganz grosse Risiko einzugehen. Die gesamte Tankfüllung kommt unter den hier gültigen Annahmen auf einen Preis zwischen 3760 und 4584 Franken zu stehen.
Bewertung: mehr Sicherheit, weniger Risiko

Strategie 3: Abwarten und Tee trinken

3000 Liter Heizöl für schlappe 3227 Stutz? Oder die gleiche Menge für 4875 Franken? Wer jetzt mit dem Kauf wartet und auf bessere Zeiten setzt, kann viel sparen – oder zahlt viel drauf.
Bewertung: volles Risiko

Strategie 4: Jetzt alles regeln

Wer im Winter sicher warm haben will, hat keine andere Wahl, als den aktuellen Tagespreis zu akzeptieren. Am 21. Juli hiess das in der Beispielgemeinde Belp: Fr. 140.99 pro 100 Liter oder 4229 Franken für die Füllung eines 3000-Liter-Tanks.
Bewertung: sorgenfrei in Richtung Winter

Fazit: Teuer wird es sowieso

Wärme ist ein kostbares Gut, im nächsten Winter noch kostbarer als in anderen Jahren. In einer Analyse rät das VZ Vermögenszentrum den Besitzerinnen und Besitzern von Ölheizungen, die Preise zu beobachten und Preisrückgänge für mögliche Einkäufe zu nutzen: «Wer hingegen bis in den Winter wartet, geht das Risiko zusätzlicher kurzfristiger Preisschwankungen und möglicher Lieferengpässe ein.»

Fossile Brennstoffe wie Öl und Gas werden auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten für Kriege sorgen. Wer bei der Ölheizung bleibt, wird den Irrungen und Wirrungen der Weltpolitik und des Klimas deshalb auch künftig ausgesetzt sein – und dies im Portemonnaie spüren. Längerfristig – und im Einklang mit der Schweizer Klimastrategie – gibt es nur ein Mittel dagegen: Öl- und Gasheizungen durch erneuerbare Heizsysteme ersetzen.