Geht es um die energetische Sanierung, denken viele Hausbesitzer zuerst an eine neue Heizung. Doch es ist oft nicht sinnvoll, die Heizung zu tauschen, ohne vorher die Gebäudehülle geprüft und allenfalls verbessert zu haben. «Das ist, als ob man in einen betagten VW Käfer einen topmodernen ­Motor einbauen würde», sagt Christian Zeyer, Ener­gieberater bei E plus U in Bern. Im Klartext: In der Regel sollte das Haus zunächst isoliert und erst dann eine neue Heizung eingebaut werden. So kann man diese meist kleiner dimensio­nieren, da dank der guten Dämmung weniger Heizleistung benötigt wird.

Gebäudeenergieausweis schafft Klarheit

Die wichtigsten Grundregeln für Besitzer älterer Liegenschaften sind deshalb: vorausschauen, sich Zeit nehmen und die Sanierung umfassend planen. Vorausschauen heisst: die Planung in die Hand nehmen, bevor der Austausch der Heizung drängt. Umfassend planen bedeutet: das ganze Haus mit seinem Grundriss, den Bedürfnissen seiner Bewohner und seinen energetischen Mängeln ins Projekt einbeziehen. «Am Anfang einer energetischen Sanierung steht die Analyse des Ist-Zustandes», sagt Energiefachmann Zeyer.

Ob das eigene Haus eine Energieschleuder ist, kann man in einem ersten Schritt selber prüfen: Auf der Website www.energiekennzahl.ch lässt sich errechnen, wie hoch der Energieverbrauch pro Quadratmeter beheizter Wohnfläche ist. Liegt er deutlich über 90 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr, ist eine energetische Sanierung angebracht.

In einem zweiten Schritt zieht man eine Fachperson bei, die einem die energetischen Schwachstellen aufzeigt. Dazu reichen in der ­Regel ein Rundgang durchs Haus, ein Blick in die Pläne und Modellrechnungen am Computer. Meistens geht es darum, Dach, Wände und Kellerdecke zu dämmen und neue Fenster einzubauen.

Kombination mit Umbauarbeiten

Fachpersonen für eine erste Prüfung des Hauses findet man auf der Internetseite des Gebäudeenergieausweises (www.geak.ch). Eine Basisberatung ist für wenige hundert Franken zu haben, einige Gemeinden oder Elektrizitätswerke leisten sogar einen finanziellen Beitrag (siehe Artikel zum Thema «Zustupf für Sanierungen»). Besteht der Wunsch, nicht nur den Energiehaushalt zu verbessern, sondern das Gebäude auch umzubauen oder gar zu erweitern, sollte von Beginn an ein Architekt mit Erfahrung in der energetischen Sanierung beigezogen werden. «Die Kombination von ohnehin geplanten Umbauarbeiten mit einer energetischen Sanierung ist der sinnvollste Weg», sagt Alfred Rüegg, Architekt im Büro Arba-Bioplan in Winterthur.

Liegen die Fakten auf dem Tisch, wird die Sanierung geplant und wenn nötig in einzelne Schritte aufgeteilt (siehe unten: «Sanierung in Etappen»). Grundsätzlich ist es sinnvoll, die Sanierung in einem Zug durchzuführen. So sind die Einschränkungen durch Bauarbeiten nur auf kurze Zeit beschränkt, keine Provisorien nötig, die Gesamtkosten tiefer, und man profitiert sofort von einem rundum erneuerten Haus.

Stehen die Planung und die Kosten fest, muss die Finanzierung geklärt werden. Danach folgen die Detailplanung, das Einholen von Offerten und die Vergabe der Arbeiten. Je nach Umfang der Sanierung benötigt man zudem ­eine Baubewilligung, beispielsweise, wenn der Estrich zu Wohnraum ausgebaut wird.

Liegt die Bewilligung vor, können die Arbeiten beginnen. Wer handwerklich begabt ist, kann selber mithelfen und so Kosten sparen. Sinnvoll ist dies etwa bei der Isolation der Kellerdecke oder des Estrichbodens. Die Montage neuer Fenster oder die Fassadenisolierung sollte man aber Fachleuten überlassen – damit am Ende die Freude über die tieferen Energiekos­ten nicht durch Bauschäden getrübt wird.

Sanierung in Etappen

Es muss nicht immer alles auf einmal sein. Die energetische Sanierung eines Hauses in Etappen ist grundsätzlich kein Problem, aber mit einigen Nachteilen verbunden: Das Haus ist über lange Zeit eine Baustelle, man profitiert erst längerfristig von der Verbesserung, und in der Regel liegen die Gesamtkosten etwas höher. Eine Etappierung wird aber oft gewählt, wenn das Geld nicht ausreicht, um ­alle Arbeiten in einem Zug durchzuziehen. Oder man möchte einen Teil der Arbeiten selber ausführen, hat aber nur wenig Zeit dafür.

Wird die Sanierung etappiert, ist es unabdingbar, vorgängig eine Fachperson – idealerweise einen Architekten mit Erfahrung in energetischer Sanierung – beizuziehen. Dieser plant die gesamte Sanierung, legt sinnvolle Teilprojekte fest und zeigt, wie Probleme an den Übergängen von dem einen zum anderen Teilprojekt gelöst werden. Ein Beispiel: Werden die Fenster ausgetauscht und ist die Isolation der Fassade erst für eine spätere Etappe geplant, muss die Breite der Fensterrahmen auf die künftige Isolation abgestimmt werden. Ähnlich heikel ist der Übergang zwischen Dach und Wand. Hier ist es wichtig, dass keine Unterbrüche in der Isolationsschicht entstehen, die zu Feuchteschäden führen können. Vergisst man ­solche Details, sind später teure Nachbesserungen nötig, und das Gesamtergebnis befriedigt nicht.

Soll das Haus nach Abschluss aller Sanierungsarbeiten dem Minergiestandard genügen, ist eine Etappierung ebenfalls möglich. Die sogenannten Minergie-Module sind explizit auf eine Realisation in Etappen ausgerichtet. Sie legen für einzelne Bauteile wie Dach, Wand oder Fenster fest, welche energetischen Eckwerte eingehalten werden müssen. Werden alle Arbeiten mit Minergie-Modulen ausgeführt, kann das Haus am Schluss problemlos zertifiziert werden.

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