1. Home
  2. Wohnen
  3. Garten & Balkon
  4. Was gefällt, ist nicht immer erlaubt

Garten

Was gefällt, ist nicht immer erlaubt

Thinkstock Kollektion

Wenn es draussen blüht und spriesst, sind Hobbygärtner nicht mehr zu halten. Doch dem blinden Eifer im grünen Paradies kommen oft Recht und Ordnung in die Quere: Szenen eines Gärtnerlebens.

von Verena Waltheraktualisiert am 2016 M10 03

Die Freude war gross, als Daniel Bohnenblust und Familie in ein altes Haus mit Bauerngarten, Magerwiese und Pergola einziehen durften. Bohnenblust - den Kopf voller Ideen - freute sich auf handfeste Arbeiten im Aussenbereich. Er wollte sogleich Hand anlegen und Neuanpflanzungen, Um- und Neubauten in Angriff nehmen. Sogar Nutztiere wollte er anschaffen.

Aber halt: Die Freiheiten im eigenen Garten sind nicht grenzenlos - im Gegenteil. Höchste Zeit also, den Mann zu bremsen und seine wichtigsten Rechtsfragen zu beantworten:

Anzeige

Geräteschuppen: Baubewilligung?

«Ordnung ist das halbe Leben: Darf ich im Garten einen Geräteschuppen und einen Velounterstand aufbauen und unseren Wohnwagen auf dem Vorplatz stationieren?»

Grundsätzlich benötigen alle künstlich hergestellten und mit dem Boden nicht nur vorübergehend fest verbundenen Objekte eine Baubewilligung, und es müssen Grenzabstandsvorschriften eingehalten werden.

Nehmen Sie vor der Baugesucheingabe mit Ihrer Gemeinde Kontakt auf. In vielen Gemeinden sind Wohnwagen, die länger als zwei Monate auf dem gleichen Grund stehen, bewilligungspflichtig.

Streit wegen Gartenpflege

«Hilfe! Mein Nachbar pflegt seinen englischen Rasen mit reichlich Unkrautvertilger. Zugleich schaut er böse auf meine blühenden Gräser und Kräuter, nennt sie frech Unkräuter. Darf er mir da dreinreden? Der Anblick seines gepützelten grünen Teppichs ist für mich auch keine Augenweide.»

Beide Parteien dürfen ihre eigene Gartenkultur pflegen. Sie und Ihr Nachbar sollten sich in gegenseitiger Toleranz üben und die unterschiedlichen Auffassungen von einem schönen Garten respektieren.

Und denken Sie auch an Folgendes, Herr Bohnenblust: Abwertende Bemerkungen sind fehl am Platz, denn gute nachbarschaftliche Beziehungen tragen entscheidend zur Freude am Garten bei.

Früchte von Nachbars Baum

«Bald ist Himbeerzeit. Dürfen meine Kinder die süssen Beeren des Nachbarn pflücken? Seine Sträucher reichen weit in meinen Garten hinein.»

Das sogenannte Anriesrecht erlaubt Ihren Kindern, reife Früchte zu ernten, die an Ästen wachsen, die in Ihren Garten ragen.

loading...

Kunst im Garten

«Meine Frau ist Kunstschaffende. Sie möchte eine drei Meter hohe Skulptur im Garten aufstellen. Ist das möglich? Oder muss sie die Nachbarn fragen?»

Nachbarn fühlen sich geschätzt, wenn man ihnen von solchen Plänen erzählt und sie nicht gleich vor Tatsachen stellt. Ihre Frau sollte zudem einen Platz wählen, an dem das Kunstwerk den Nachbarn weder die Sonne auf dem Sitzplatz verdeckt noch die Aussicht auf die Berge verstellt.

Sicherheitshalber sollte sie auf der Bauverwaltung der Gemeinde nach Grenzabstandsvorschriften und einer allenfalls nötigen Baubewilligung fragen, denn jeder Kanton und jede Gemeinde hat eigene Vorschriften.

Guider Logo

Mehr zu Konflikten rund um Pflanzen bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Wirft Nachbars Eiche einen langen Schatten auf Ihr Rosenbeet? Oder verstopfen Laub, Nadeln oder dürre Äste Ihre Dachrinne? Guider-Mitglieder erhalten Antworten auf Fragen zu Nachbars lästigen Pflanzen.

Nutztiere im Garten

«Meine Kinder wünschen sich ein paar Hühner, am liebsten mit Hahn. Ich dagegen sähe gerne zwei bis drei Schafe auf der Wiese. Das leise Bimmeln der Glöckelein würde meiner Seele guttun. Wie steht es generell mit Tieren?»

In vielen Wohngebieten ist eine vorschriftsgemässe Nutztierhaltung erlaubt. Sie müssen jedoch eine Fülle von Vorschriften einhalten, und die Tiere dürfen die Wohnqualität der Nachbarn nicht übermässig beeinträchtigen. Beispielsweise müssen der Hahn und die Hühner in Wohnquartieren zwischen 20 und 7 Uhr eingesperrt sein.

Neben dem Lärm kann auch der von Tieren verursachte Geruch oder ihr Kot das nachbarschaftliche Zusammenleben strapazieren.

Schnaps aus eigenem Obst

«Auf meiner Pergola ranken Weintrauben. Schön wäre es, wenn ich im Herbst eigenen Schnaps brennen dürfte. Ist das okay?»

Sie dürfen die Früchte jederzeit selber einlegen beziehungsweise einmaischen. Es ist aber nicht erlaubt, diese Maische selber zu einer Spirituose zu brennen. Sie haben aber die Möglichkeit, sich an eine der konzessionierten Lohnbrennereien zu wenden:

 

Verwechslungsgefahr: Bärlauch und Herbstzeitlose!

«Wir sammeln im Frühling gerne selber Bärlauch. Nun habe ich gehört, dass es dabei zu gefährlichen Verwechslungen mit einer Giftpflanze kommen kann. Wie merkt man den Unterschied?»

Ja, hier besteht tatsächlich eine nicht unerhebliche Gefahr: Nicht alles, was wie Bärlauch aussieht, ist auch Bärlauch! In nächster Nähe echten Bärlauchs findet man oft eine Giftpflanze, die zu dieser Jahreszeit schwer zu erkennen ist, da sie nur Blätter, jedoch noch keine Blüten trägt. Es handelt sich um die Herbstzeitlose, die ein hochwirksames Zellgift, das Colchicin, enthält, von dem schon weniger als ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht lebensgefährlich ist. Dem Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum werden jährlich durchschnittlich 15 bis 16 Unfälle mit Herbstzeitlosen gemeldet.

Merkmale zur Unterscheidung:

  • Bärlauch: Die Blätter des Bärlauch sind gestielt, elliptisch; Bärlauch verströmt einen charakteristischen Knoblauchgeruch.
  • Herbstzeitlose: Die Blätter der Herbstzeitlosen sind ungestielt, lanzettenförmig; die Pflanze ist ohne Geruch.


Sollten Übelkeit, Erbrechen und heftige Durchfälle einige Stunden nach Genuss einer Bärlauchmahlzeit auftreten, rufen Sie sofort das Tox-Zentrum an (Notruf: Telefon 145) - bei einer allfälligen Colchicinvergiftung darf keine Zeit verloren werden.

 

  • Mehr Informationen finden Sie unter www.toxinfo.ch.
  • Bei Vergiftungsnotfällen: Telefon 145, rund um die Uhr, in vier Sprachen

Feuerbrand melden?

«Ich habe im Garten Feuerbrand entdeckt - glaube ich wenigstens. Muss ich das melden? Oder darf ich die kranke Pflanze einfach ausgraben und entsorgen?»

Feuerbrand ist eine gefährliche, meldepflichtige Krankheit, die neben Obstbäumen auch Wild- und Zierpflanzen befällt. Verdächtige Pflanzen dürfen nicht berührt werden, es besteht grosse Verschleppungsgefahr. Kantonale Fachstellen organisieren die Kontrollen. Fragen Sie bei Ihrer Gemeindeverwaltung nach - mehr Informationen finden Sie auch bei Agroscope.

Daniel Bohnenblust - erschlagen ob der vielen Vorgaben - liess sich ermattet in den Liegestuhl sinken. Und entdeckte nach einer Weile plötzlich ganz neue Qualitäten seines Gartens: Einfach so dasitzen und das Grün auf sich wirken lassen, das hat ja auch etwas für sich! Nächstes Jahr kann er sich ja immer noch dahintermachen.

Buchtipp

Mediation - Konflikte besser lösen

 

Mehr Infos

Mediation - Konflikte besser lösen
Mediation - Konflikte besser lösen