Jahrelang herrschte Friede im reformierten Pfarrhaus in Thusis GR. Man grüsste sich, war per du, besprach auch Persönliches. Waren die Kinder zu laut, sagte man das, und es war gut. Dann wurde der Pfarrer pensioniert und durch Roland Hadorn ersetzt. Mit Hadorn – in seiner früheren Pfarrei Rotkreuz ZG nach nur drei Jahren abgewählt – zog Zwietracht ins Haus.

Drei Parteien wohnen im Pfarrhaus. Unten der Pfarrer, in der Mitte Musiklehrerin Gaby Oehler mit zwei Teenagern, oben eine Familie mit kleinen Kindern. An ihnen stört sich Hadorn nicht. Offiziell auch nicht am Musikunterricht, für den Gaby Oehler eine Bewilligung der Vermieterin hat, der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Thusis. Ihn nervt der Musikkonsum von Oehlers Söhnen.

Lärmbeschwerde auf 22 A4-Seiten

Im August 2017 flattert die erste Androhung einer fristlosen Kündigung ins Haus, unterschrieben von Hannes Peier, dem Präsidenten des Kirchenvorstands. Die Familie Oehler nähme auf die Ruhebedürfnisse und die Privatsphäre der Nachbarn keine Rücksicht. «Wir haben noch nicht einmal eine Stereoanlage, nur kleine Böxchen, am Handy oder am PC angeschlossen. Und damals hörten meine Söhne ihre Musik meist nur mit Kopfhörer», sagt Gaby Oehler.

Zuvor hatte sie versucht, die Vibrationen nach unten zu begrenzen, mit Schallschutzmatten und Küchenbrettchen dazwischen. Mit Watte, die sie in die Boxen stopfte. Umsonst. Auf 22 A4-Seiten notierte Pfarrer Hadorn Daten, an denen er unter dem Lärm gelitten habe. Nicht aber die Familie über Oehlers, wie sie schriftlich bestätigte.

«Der Pfarrer rennt die Treppe runter»

Auch Gaby Oehler fühlt sich belästigt. Wenn einer der Söhne trotz allem mal in Zimmerlautstärke Musik höre, dauere es keine drei Minuten, bis es an der Tür klingle. «Aber nur wenn ich nicht zu Hause bin. Und wenn sie dann aufmachen, sehen sie den Pfarrer schnell die Treppe runterrennen.» Immer wieder habe sie das Gespräch gesucht – doch Hadorn verweigere sich.

Auch mit dem Beobachter will Pfarrer Roland Hadorn nicht reden. Und Kirchenvorstand Peier erklärt lediglich, die «Sache mit der Wohnung» sei seine «letzte Amtshandlung».

Per 31. März 2018 kam die Kündigung. Der Gang zur Schlichtungsstelle brachte nichts. «Zum Glück habe ich etwas Passendes gefunden», sagt Gaby Oehler. «Aber das Gefühl der Ohnmacht bleibt – und dass wir ungerecht behandelt wurden.»

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