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BetriebsanlässeDarf ich an der Firmenfeier flirten?

Nun beginnt wieder die Zeit der Apéros, Weihnachtsessen und Betriebsfeiern – Anlässe, bei denen man viel falsch machen kann.

Gesellige Runden verleiten dazu, mehr ­Alkohol zu trinken, als man verträgt. Im Geschäftsumfeld kann das einen fatalen Eindruck hinterlassen.
von aktualisiert am 21. November 2017

Ich bin überhaupt nicht in ­Festtagslaune. Kann ich mich vor dem Apéro drücken?

Betriebsfeiern erwecken zwar den Anschein von Freiwilligkeit. Aber das ist trügerisch. Es sind Geschäftsanlässe, die Teilnahme somit Pflicht, zumindest moralisch. Weil es zur Tradition des Betriebs gehört und es dem Chef ein Anliegen ist. Oder weil sich die Geschäftsleitung zum Jahresende erkenntlich zeigen will für die gute Zusammenarbeit. Wer nicht kommt, sagt damit: «Ist mir doch egal.» Und: «Ich habe an der Firma, den Vorgesetzten und den Arbeitskollegen kein Interesse.» Das wirkt distanziert bis arrogant, drückt mangelnde Wertschätzung aus und kann sich schlecht aufs Betriebsklima auswirken.

Daher gilt auch für Weihnachts­feier-Muffel und/oder Schüchterne: sich aufraffen und möglichst aufgeräumt erscheinen. Auch falls es Unstimmigkeiten gibt am Arbeitsplatz. Das Weihnachtsessen ist der falsche Ort, um Probleme zu wälzen. Und wenn man denn mal dort ist: Lästereien und Schimpf­tiraden sollte man sich verkneifen.

Ich bin überzeugter Jeansträger und hasse Krawatten. Muss ich mich extra in Schale werfen?

Unter Umständen schon. Man sollte angemessen gekleidet erscheinen. Was heisst: passend zum Anlass. Ein feiner Anzug oder hochhackige Abendschühchen wirken bei der rustikalen Hüttenparty ebenso deplatziert wie ausgewaschene Jeans und derbe Motorradstiefel im Gourmetrestaurant.

Hilfreich ist, wenn auf der Einladung ein Dresscode angegeben ist, und zwar ­einer, mit dem etwas anzufangen ist. «Festliche Kleidung» ist zu schwammig, «fest­licher dunkler Anzug» hingegen konkreter. Damit weiss der Mitarbeiter: Man erwartet, dass er einen anthrazitfarbenen, dunkelblauen oder schwarzen Anzug trägt, ein weisses Hemd, eine dezent gemusterte Krawatte und schwarze Schuhe (mit schwarzen Socken!). Mitarbeiterinnen wählen bei diesem Dresscode ein dunkles Kostüm, einen eleganten Hosenanzug oder das kleine Schwarze. Zu tiefe Ausschnitte, zu kurze Röcke, zu viel Farbe im Gesicht – all das geht hingegen gar nicht.

Bis sich nur schon alle die Hand ­gegeben haben! Braucht es diese Begrüssungsrituale?

Ja, weil es zur geschäftsmässigen Höflichkeit gehört. Und weil man wissen will, wer das Gegenüber ist. Halb so wild ist es, wenn dabei ein paar Grundsätze beherzigt werden, beruhigt Christoph Stokar im ­Beobachter-Ratgeberbuch «Der Schweizer Knigge». Bei der Reihenfolge, mit der Leute vorgestellt werden, gilt immer: Rang vor Alter vor Geschlecht.

Bei ungefähr gleichem Rang und Alter ist das Geschlecht ausschlaggebend: «Frau Meier, ich möchte Sie mit Herrn Gerber bekannt machen. Herr Gerber, Frau Meier.» Bei höherem Rang: «Herr Regierungsrat, das ist Frau Dubach, unsere Finanzchefin.» Der oder die Ranghöhere kann dann entscheiden, ob er oder sie die vorgestellte Person per Handschlag begrüsst. Grund­regel: nicht selber unaufgefordert die – möglicherweise vor Nervosität feuchte – Hand hinstrecken.

Altbacken wirken Floskeln wie: «Es ist mir eine Ehre, Ihnen Herrn Gerber vor­zustellen.» Wer sich selbst vorstellt, sagt: «Grüezi, ich bin Hans Müller.» Und fügt am besten an, was er macht: «Ich bin hier im Haus für die Qualitätskontrolle zuständig.» Dabei nicht flapsig werden. «Mein Name ist Bürgi, Jo Bürgi» kann peinlich wirken.

Weihnachtsfeier Knigge - Das isch Strub

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Meine Chefin trinkt keinen Tropfen Alkohol. Muss ich deswegen auch beim Mineralwasser bleiben?

Keineswegs. Ein Gläschen Wein ist erlaubt. Oder auch zwei, sofern man es verträgt. Ist die Chefin umsichtig, gibt sie den Gästen einen Wink: «Ich bleibe heute beim Wasser. Wer Wein oder etwas anderes Alkoho­lisches trinken möchte, kann das selbst­verständlich gern tun.»

Das ist natürlich freiwillig. Der Abstinenzler muss nicht fürchten, als Spassbremse zu gelten und aus dem Kreis der Weinseligen ausgeschlossen zu werden. Üblich ist heute, Weingläser auch mit ­alkoholfreien Ge­tränken zu füllen, um das in der Schweiz beliebte, aber nicht un­umstrittene Anstossritual durchzuführen.

Ich finde diese ewige Anstosserei doof. Soll ich da mitmachen?

Wenn Sie kein Spielverderber sein wollen: ja. Laut «Schweizer Knigge» ist gegen das Ritual des Rundherum-Anstossens nichts einzuwenden, sofern die Runde vier bis sechs Personen umfasst. Darüber hinaus aber kann es problematisch werden, weil das Sich-über-den-Tisch-Beugen, Ausweichen und Niemanden-Vergessen immer etwas Bemühtes haben. Heikel kann es zudem werden, wenn die Gäste auch noch aufstehen, um mit vollen Gläsern um Tische herumzutänzeln – man denke an Stolperfallen wie Stuhlbeine oder an Stuhllehnen hängende Taschen.

Unverfänglicher ist es, wenn der Gastgeber etwas Passendes sagt, in die Runde blickt, sein Glas erhebt und daran nippt. Dann können auch alle anderen einen ersten Schluck nehmen. Wer dabei Blickkontakt hält, zeigt seine Verbundenheit – auch ohne Gläserklirren. Angestossen wird übrigens nur mit Weiss- und Rotweingläsern. Bei Champagner, Bier oder Hochprozentigem soll man das Glas nur erheben.

Wenn schon Apéro, dann richtig: Es wird ja keinen stören, wenn ich ein paar Gläser mehr leere – oder doch?

Gesellige Runden verleiten dazu, mehr ­Alkohol zu trinken, als man verträgt. Im Geschäftsumfeld kann das einen fatalen Eindruck hinterlassen. Vor allem dann, wenn jemand die Hemmungen verliert, ausfällig und aufdringlich wird – bis hin zu Beleidigungen, Handgreiflichkeiten und sexueller Belästigung. Solche Fälle enden immer wieder mit Kündigungen.

Wer rechtzeitig aufhört, behält die Selbstkontrolle und verhindert, dass er Dinge sagt oder tut, die er am nächsten Tag bereut. Hat jemand über die Stränge geschlagen – ist beispielsweise am Tisch unflätig geworden –, bleibt nur eins: sich am nächsten Tag in aller Form entschuldigen. Und auf eine zweite Chance hoffen.

Der Chef hat mir das Du angeboten. Soll ich ihn daran erinnern, wenn er es tags darauf nicht mehr weiss?

Ein Du gilt lebenslang und kann nicht rückgängig gemacht werden – im Prinzip. Bei Vorgesetzten sollte man jedoch grosszügig darüber hinwegsehen, «im Sinne ­einer weiterhin guten Arbeitsatmosphäre», rät Business-Knigge-Trainer Peter Beutler. Wenn Sie der Chef am Morgen danach wieder siezt: Tun Sie es auch. Punkt. Bei gleichgestellten Arbeitskollegen ist ein Nachhaken erlaubt: «Wir waren gestern beim Du. Wollen wir das aufrechterhalten oder wählen wir wieder das Sie?»

Wichtig: Bieten nicht Sie dem Chef das Du an – das geht immer vom Ranghöheren aus. Bei Arbeitskollegen oder -kolleginnen dürfen Sie das Angebot wagen. Die Initia­tive ergreift in der Regel die ältere Person. Ein Du darf auch abgelehnt werden – im Prinzip. Das muss aber mit Fingerspitzengefühl geschehen. Etwa so: «Ihr Angebot freut mich. Ich empfinde den freundlichen Umgang mit Ihnen in dieser Form aber als sehr angenehm. Deshalb möchte ich lieber beim Sie bleiben.»

Ich gehe nur an die Betriebsfeier, weil unsere Controllerin auch geht. Die ist süss. Darf ich mit ihr flirten?

Eine grenzwertige Angelegenheit. Sie sollten sich auch hier immer vergegenwärtigen: Das Weihnachtsessen ist ein beruf­licher Anlass, es prägt den Ruf und das Image des Einzelnen. Wie man sich aufführt, kann im Betrieb noch lange für ­Gesprächsstoff sorgen. Jemanden gezielt «aufzureissen» geht zu weit. Ein diskreter Flirt ist hingegen erlaubt, aber nur wenn beide ungebunden sind.

Diskret heisst: Vermeiden Sie zu engen Körperkontakt. Also keine erotischen Tanz­einlagen. Und es wäre befremdlich, wenn die Controllerin plötzlich auf dem Schoss des Buchhalters sässe. Auch Liierte sollten auf zu viel Zärtlichkeit verzichten: Ständiges Zusammenkleben wirkt ausschliessend auf andere. Der Abend ist dazu da, um ihn mit Arbeitskollegen zu geniessen.

Ich bin Raucher. Darf ich zwischen den Gängen vom Tisch aufstehen und hinausgehen?

Besser nicht. Für den Gastgeber ist es mühsam und frustrierend, wenn er nach jedem Gang seine Leute wieder zusammentrommeln muss. Deshalb sollten sich Raucher beherrschen und erst nach dem Essen rauchen.

Dabei gilt: Die Rauchpause sollte so kurz sein wie eine Toilettenpause. Wer fertig ist, kommt an den Tisch zurück. Un­anständig ist, vor der Tür herumzutrödeln oder in der Raucherlounge abzuhängen. Denn das kann die ganze Feier sprengen: Am Tisch klaffen die Lücken, und es können keine Gespräche mehr stattfinden, während es die anderen in der Räucherkammer lustig haben.

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