Die meisten Frauen benutzen Menstruations-Apps, um zu wissen, wann die nächste Periode einsetzt. Einige versuchen, damit zyklusbedingte Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Stimmungsschwankungen besser zu verstehen. Und manche erinnert die App daran, die Pille zu nehmen Antibabypille Frauen verzichten immer häufiger darauf .

Digitale Zyklus-Tracker sind populär. Die boomende Femtech-Branche hat zahlreiche Produkte und Apps hervorgebracht, die bei Verhütung, Familienplanung und beim Stillen unterstützen sollen. Allein bei Google Play können über 100 Perioden-Tracker heruntergeladen werden.

Zur Familienplanung oder Verhütung taugen die wenigsten, da sie die fruchtbaren Tage meist rein mathematisch vorhersagen. Sie greifen anfangs auf Durchschnittswerte und mit der Zeit auf die Zyklusdaten der Nutzerin zurück. «Die Apps sind nicht sicher», sagt Gabrielle Müller, ärztin bei der Kinderwunsch- und Hormonsprechstunde der Zürcher Stadtspitäler Waid und Triemli. «Am genausten sind jene, die auch die symptothermale Methode einbeziehen.» Dazu müssen regelmässig Angaben zu Körpertemperatur und Zervixschleim eingegeben werden.
 

• Die App «Maya» teilte Facebook fast alles mit, was die Nutzerin eingab.
• Die App «Mia» liess Facebook wissen, wie oft die Nutzerin masturbiert.


Die Apps werden immer häufiger genutzt, sagt Müller. Gerade bei jüngeren Frauen mag es gut ankommen, dass viele fast wie eine Social-Media-Plattform funktionieren: Es gibt Foren, Umfragen, Artikel, Tagebücher, man kann gar den eigenen Zyklus mit anderen teilen. Dabei fällt auf, wie neugierig die Apps sind: Sie wollen nicht nur wissen, wann und wie stark Frauen bluten. Sie fragen auch nach Lebensgewohnheiten, vielfältigen Symptomen, der psychischen Verfassung und intimen Details des Sexlebens.

Facebook ist live dabei

Medizinische Daten Elektronisches Patientendossier Die Gier nach Gesundheitsdaten sind heikel. Man müsste also meinen, dass Menstruations-Apps besonders vorsichtig mit ihnen umgehen. Leider nein: Die Menschenrechtsorganisation Privacy International hat kürzlich nachgewiesen, dass mehrere Apps eine Menge solcher Daten an Facebook und andere Firmen weitergeben.

So informierten die Apps Maya, Mia, Ovulation Calculator und My Period Tracker beim Starten sogleich Facebook, bevor für irgendwas die Zustimmung gegeben wurde.

Die App Maya teilte Facebook so ziemlich alles mit, was die Nutzerin eingab: ob sie schwanger werden will, gerade den Eisprung oder Akne hat, ob sie sich ängstlich, glücklich oder aufgewühlt fühlt, wie sie verhütet. Ebenso, wann sie das letzte Mal Sex hatte und ob dieser geschützt war oder nicht. Facebook las auch Einträge in einem «Tagebuch» im Wortlaut mit. Die App Mia liess Facebook Facebook So deaktivieren oder löschen Sie Ihr Konto gar wissen, ob und wie oft die Nutzerin masturbiert.

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Ob es diese Daten braucht, um den Zyklus zu berechnen, wie die Apps suggerieren? Kaum. Die biologischen Vorgänge sind zwar komplex, und Stressfaktoren können den Zyklus beeinflussen. Die Algorithmen Big Data Die unheimliche Macht der Algorithmen der Apps dürften jedoch kaum in der Lage sein, diese Vorgänge vollständig zu erfassen und zu interpretieren. «Wenn eine Frau Symptome wie Stimmungsschwankungen in der App protokolliert, hilft ihr das höchstens, zyklusbedingte Symptome zu erkennen und vorherzusehen», sagt Gynäkologin Gabrielle Müller.

Gezielte Werbung

Mindestens so ergiebig sind diese Daten aber für Werber. Allein schon zu wissen, ob eine Frau schwanger werden will, ist für sie wertvoll. Denn zukünftige Eltern ändern ihre Einkaufsgewohnheiten und sind deshalb besonders empfänglich für Werbung.

Auch das Wissen, ob eine Nutzerin gerade prämenstruelle Beschwerden hat, ist nützlich. «Menschen in einem labilen psychischen Zustand können strategisch anvisiert werden», sagt Eva Blum-Dumontet von Privacy International. «Wenn man weiss, dass sich ein Teenager schwach fühlt, kann man versuchen, ihm ein Nahrungsergänzungsmittel zu verkaufen.»

Das ist gruselig, aber längst nicht alles. Gemäss einer Studie der US-Marketingprofessorin Kristina Durante beeinflussen biologische Vorgänge im Körper die Wahl potenzieller Partner- und das Konsumverhalten. So führe Sehnsucht nach Abwechslung an fruchtbaren Tagen dazu, dass Frauen versuchten, die Zahl ihrer Verehrer zu erhöhen. Doch sie werden auch häufiger ihren Lieblingsprodukten untreu. Besonders gefragt sind in dieser Phase Kosmetika und Kleider, die Frauen eine erhöhte Attraktivität versprechen.

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Man kann sich leicht vorstellen, welche Möglichkeiten sich für die Werbung eröffnen, wenn man diese Erkenntnisse mit den Daten abgleicht, die Zyklus-Apps so eifrig sammeln.

Diese Menstruations-Apps teilen keine Daten mit Facebook

Folgende Anwendungen teilen gemäss der Menschenrechtsorganisation Privacy International keine Daten mit Facebook: 

Mit dem negativen Testergebnis konfrontiert, haben die Hersteller von Maya versprochen, künftig keine medizinischen und persönlichen Daten mehr an Dritte weiterzuleiten.

Das Berliner Bloody Health Collective entwickelt eine datenschutzfreundliche App: Drip. Sie speichert die Daten nur lokal auf dem Handy. Derzeit kann die Betaversion via Google-Play-Store getestet werden.

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Chantal Hebeisen, Redaktorin

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