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TeenagerVom Handy um den Schlaf gebracht

Wer schlafen will, muss abends abschalten. Was aber, wenn ­Kinder und Jugendliche dann erst loslegen?

Jugendliche schlafen nachts besser, wenn Eltern ihnen vorleben, dass Handys & Co. nicht ins Bett gehören.
von aktualisiert am 14. Juli 2017

Telefonieren ist Nebensache: Heute checkt man mit dem Smartphone Mails, schreibt SMS im Eiltempo, surft querbeet durchs Internet. Zwischendurch die neusten Apps laden, gamen, ­Videos schauen, Musik hören. Und weil die kleinen Dinger so viel können, werden sie immer länger benutzt. Laut Studien hängen 11- bis 17-Jährige täglich bis zu drei Stunden an ihren Apparaten.

Teenager schlafen wegen Handys weniger durch

Und manchmal laufen diese auch nachts noch heiss: Gemäss Umfragen benutzen Jugendliche ihr Handy schon mal bis drei Uhr morgens. Andere legen es ­neben das Kopfkissen – es könnte ja noch eine Nachricht kommen. Wenn dann eine kommt, werden sie aus dem Schlaf gerissen – und das mehrmals pro Woche.

Die Folgen liegen auf der Hand: Jugendliche schlafen später ein und wachen in der Nacht öfter auf. Und kommen so zu wenig Schlaf. Wer jedoch wenig und schlecht schläft, kann sich tagsüber nicht gut konzentrieren, hat Mühe im Unterricht oder macht am Ausbildungsplatz Fehler. Zudem ist die Unfallgefahr grösser.

Medienkonsum peitscht Kinder vor dem Schlafengehen auf

Das Smartphone kommt zwar an erster Stelle – doch zusätzlich sitzen die Jugend­lichen auch noch am Computer und vor dem Fernseher. Und oft switchen sie hin und her oder machen gleich alles mit­einander. Auch dieses Multitasking kann den Nachtschlaf empfindlich beeinträchtigen. Zusätzliches Gift für einen friedlichen Schlummer sind Aufregung und Aktivität zu später Stunde. Actionspiele etwa oder die komplizierte Hausarbeit.

Nicht zu unterschätzen sind auch die Lichtemissionen der Geräte. Diese können die innere Uhr stören. Zudem sorgen die bläulichen Lichtwellen dafür, dass weniger Melatonin ausgeschüttet und das ­Müdigkeitsgefühl unterdrückt wird. Das peitscht Kinder und Jugendliche vor dem Zubettgehen auf und versetzt sie in einen geistig erregten Zustand. Nachtruhe, ade.

Eltern können fürs Schlafzimmer Regeln aufstellen

Die Lösung ist simpel: abschalten, vor allem abends. Doch das bedingt oft ­zähe Diskussionen und konsequentes Durchgreifen. Was hilft, sind klare Abmachungen, wann was wie lange benutzt werden darf. Und: im Schlafzimmer keinen Fern­seher und keinen Computer aufstellen.

Beim Smartphone jedoch ist Kontrolle schwieriger. Die Eltern können aber zumindest für daheim Regeln festlegen: Beim Abendessen ist das Gerät tabu, und über Nacht hat es im Schlafzimmer nichts ver­loren. Es lässt sich zum Beispiel auf dem Wohnzimmertisch platzieren. Hier können Erwachsene mit gutem Beispiel voran­gehen und den eigenen Umgang mit Medien vorleben.

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Für Eltern ist es in der Erziehung wichtig, konsequent zu bleiben und ihren Kindern auch die Konsequenzen zu zeigen, wenn diese nicht gehorchen wollen. Wie Sie das am besten tun, erfahren Sie als Mitglied von Guider in der Checkliste «So gelingt konsequentes Erziehen» mit praktischen Beispielen aus dem Alltag.

Nicht immer sind die Geräte schuld an der Müdigkeit der Jugendlichen

Schlafmediziner plädieren dafür, die Dinge differenziert zu betrachten. Nicht ­alle Müdigkeitserscheinungen bei Jugendlichen sind auf übermässiges Surfen oder Simsen zurückzuführen. Dass deren Augen im Unterricht auf halbmast stehen oder dass sie tagsüber in der Bahn «wegpennen», kann mit der Pubertät zusammenhängen.

Sprich: Sie können nichts dafür, wenn sie abends nicht ins Bett und morgens kaum aus den Federn kommen, heisst es im Beo­bachter-Ratgeberbuch «Schluss mit Schlafproblemen» (siehe Buchtipp unten). Die innere Uhr ­diktiere es ihnen so.

Sie verschiebe sich im Alter zwischen 12 und 20 jedes Jahr um ­eine Viertelstunde nach hinten. Folge: chronisches Schlafdefizit, Sekundenschlaf auf der Schulbank. Denn Schule und Lehre beginnen in Herrgottsfrühe, was der Natur der Jugendlichen zuwiderläuft. Deshalb sind Abmachungen für daheim sinnvoll. Sie verhelfen Teenagern zu mehr Nacht­ruhe.

Eltern tragen zum gesunden Schlaf der Jungen bei

Um festzustellen, wie viel Schlaf für das Kind optimal ist, können Eltern zwei Wochen lang Protokoll führen. Denn der Bedarf ist höchst unterschiedlich, sogar unter Gleichaltrigen. Acht bis elf Stunden sind völlig normal. Auch bei Kindern lässt sich bereits der Chronotyp unterscheiden: Eule oder Lerche.

Wichtig ist, das Kind immer zur gleichen Zeit ins Bett zu bringen und zur gleichen Zeit zu wecken, auch an den Wochen­enden. Dies im Unterschied zu Teenagern. Bei ihnen ist es legitim, sie am Sonntag bis mittags liegen zu lassen.

Tipps für Eltern von Kindern

  • Achten Sie auf einen geregelten ­Tagesablauf mit gemeinsamen Essens­zeiten. Das unterstützt den Schlaf-wach-Rhythmus des Kindes.
  • Nicht zu spät essen, aber das Kind auch nicht mit knurrendem Magen zu Bett schicken.
  • Lassen Sie den Tag ruhig ausklingen. Krimis oder Streitgespräche sind ­schlechte Einschlafhilfen.
  • Nicht bis kurz vor dem Zubettgehen ­herumtoben.
  • Das Kind sollte nachmittags keine ­koffein- oder teinhaltigen Getränke zu sich nehmen.
  • Ob Kuscheln oder Vorlesen: Ein ­Gute-Nacht-Ritual hilft Schulkindern. Das Ritual aus der Kleinkinderzeit können Sie in verkürzter Form beibehalten.
  • Das Schlafzimmer sollte gut gelüftet sein und die Temperatur nicht zu warm.
  • Hat das Kind Angst im Dunkeln, lassen Sie ein schwaches Nachtlicht brennen. Viele Kinder können besser einschlafen, wenn sie vertraute Geräusche wie ­Geschirrklappern oder Stimmen hören.
  • Bewegung, Sport und frische Luft ­fördern einen erholsamen Schlaf.

Tipps für Eltern von Jugendlichen

  • Legen Sie mit dem Sohn oder der ­Tochter gemeinsam die Bettzeit so fest, dass er oder sie zu genügend Schlaf kommt. Beachten Sie, dass Jugendliche tendenziell Abendmenschen sind: Es funktioniert meist nicht, wenn sie einfach früher zu Bett gehen.
  • Ideal ist ein regelmässiger Schlaf-wach-Rhythmus. Aber: Lassen Sie Teenager am Wochenende ausschlafen, damit sie das Manko der Woche aufholen können. Es lässt sich auch ein Schlafreservoir ­aufbauen. Deshalb am Sonntag lieber ­gemeinsam brunchen als frühstücken.
  • Wenn der Nachwuchs unter der Woche nur schwer aus dem Bett zu kriegen ist: Ziehen Sie gleich nach dem Klingeln des Weckers die Vorhänge auf und lassen Sie Licht herein. Mit dem Aufstehen hats dann noch etwas Zeit.
  • Wenn möglich zu Fuss oder mit dem Velo zur Schule.

Und wenn das Handy doch mit ins Bett geht...

...dann gibt es für die neue iPhone- und iPad-Generation nun die Einstellung «Night Shift», bei der das Display nachts in einem wärmeren, gelben Licht leuchtet.

Für Android-Nutzer gibt es diverse Apps im Angebot, so zum Beispiel «Twilight» oder «Blaulichtfilter - Augenpflege».

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