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GeldanlagenSicher sind nur die Gebühren

Anlegermythen
Auch der beste Anlageberater kann die Zukunft nicht voraussagen. Und das angeblich todsichere Anlageprodukt hat sich hinterher schon oft als Risikopapier erwiesen. Bild: Thinkstock Kollektion

Banken preisen ihre Anlagen gern als supersicher an. Doch nicht einmal ein Sparkonto ist das. Sieben Mythen, auf die man nicht hereinfallen sollte.

von Pascal Rothaktualisiert am 2017 M08 23

Am Anfang vieler Fehlinvestitionen steht ein Gratiskaffee, den man von einem smarten Anlageberater serviert bekommt. Ist die Stimmung erst einmal etwas lockerer, schmeckt den meisten Kunden auch ein teurer Fonds oder ein unverständliches strukturiertes Produkt einfach etwas besser. Viele lassen sich dann Anlagen aufschwatzen, auf die sie eigentlich verzichten wollten – nach dem Motto: «Er ist der Profi, und ich habe keine Ahnung.»

Doch auch der beste Anlageberater kann die Zukunft nicht voraussagen. Und das angeblich todsichere Anlageprodukt hat sich hinterher schon zu oft als Risikopapier erwiesen.

Deshalb begegnen Sie dem Berater lieber mit einer gesunden Portion Skepsis. Glauben Sie ihm nicht alles, was er verspricht. Im Supermarkt vergleichen Sie ja auch die Waren in Bezug auf Qualität und Preis. Warum sollte das bei einer Hypothek oder einer Geldanlage anders sein?

Vergessen Sie nie: Sicher sind im Bankgeschäft nur die Gebühren, die Sie abliefern müssen. Und weil es keine absolute Sicherheit gibt, lohnt es sich, die Ersparnisse auf verschiedene Anlagen und Anlagekategorien zu verteilen, die sich möglichst unabhängig voneinander entwickeln.

Damit der Gratiskaffee nicht der teuerste Ihres Lebens wird, glauben Sie besser keinen der sieben Mythen der sicheren Geldanlage, die Berater gern auftischen.

Mythos 1: Obligationen sind unproblematisch

Anleihen unterliegen in der Regel geringeren Wertschwankungen als Aktien, doch man kann auch als Obligationär viel Geld verlieren. Selbst bei den als besonders ­sicher geltenden Staatsanleihen müssen Gläubiger nach einem Schuldenschnitt Verluste hinnehmen.

Ein Beispiel dafür ist Griechenland; das Land wird kaum das letzte sein, das seine Gläubiger nicht bedienen kann. Eine Anleihe der Eidgenossenschaft ist zwar deutlich sicherer, dafür wirft dieses Papier aber kaum Rendite ab.

Mythos 2: Fonds sind immer sicher

Sicher sind zunächst einmal die Kosten, die beim Verwalten eines Fonds anfallen. Aktiv verwaltete Fonds fressen in der Regel zwei bis fünf Prozentpunkte der Rendite weg.

Werden wie bei einem Fonds die ­Anlagen auf unterschiedliche Wertpapiere verteilt, bietet das zwar etwas mehr Schutz vor kurzfristigen Wertschwankungen. Wenn aber an der Börse Ausverkaufsstimmung herrscht, nützt auch das nicht viel. Dann stürzen selbst breit diversifizierte Fonds gleich tief wie der Rest des Markts.

Mythos 3: Pharma- und Nahrungsmittelaktien bieten mehr Sicherheit

Dividendenstarke Aktien von Grosskonzernen, die Güter des täglichen Bedarfs herstellen, sind weniger anfällig für ökono­mische Schocks als zum Beispiel Finanz- oder Technologieaktien.

Allerdings leiden alle Papiere, wenn in der Finanzwelt ein Stressszenario eintritt. Während der Ende 2007 ausgebrochenen Finanzkrise haben selbst die Ak­tien des grundsoliden Schweizer Konzerns Nestlé in nur 16 Monaten über einen Drittel an Wert eingebüsst. Das kann sich jederzeit wiederholen.

Mythos 4: Kapitalschutzprodukte schützen vor Verlust

Auch das ist eine Fehlannahme.

Zunächst ist da das Emittenten­risiko: Geht der Produktanbieter pleite, sind auch seine Schuldverschreibungen wertlos, strukturierte Produkte inklusive. Das haben die Käufer solcher Produkte der 2008 untergegangenen Bank Lehman Brothers erfahren müssen.

Neben den versteckten Kosten unterschätzen viele Anleger auch den ­Steuereffekt solcher Produkte. Kapitalschutzprodukte bestehen immer aus einem Zins- und einem Optionsteil. Den Zinsertrag muss man auch dann als Einkommen versteuern, wenn man mit dem Papier Verluste einfährt.

Mythos 5: Das Sparkonto ist mündelsicher

Wer Geld einer Bank anvertraut, macht sich zum Gläubiger. Geht die Bank pleite, sind auch die Spareinlagen gefährdet. Die Schweizer Banken würden zwar im Rahmen des Einlegerschutzprogramms sechs Milliarden Franken in einem Fonds äufnen, um Kundenforderungen bis 100'000 Franken so rasch wie möglich zu bedienen.

Der Haken: Geht eine grössere Schweizer Bank in Konkurs, reicht das nicht. Selbst beim Kollaps einer kleineren Bank könnten die Mittel knapp werden, wenn es zu einem zweiten Konkursfall kommt.

Das Sparkonto hat ­einen weiteren Makel: Die Teuerung frisst die tiefen Zinsen weg, das Geld verliert an Kaufkraft. Hinzu kommen die Gebühren für die Kontoführung.

Mythos 6: Edelmetalle sind langfristig ein Gewinn

Zwar hat Gold über Jahrhunderte hinweg seine Kaufkraft erhalten, aber vor Verlusten ist es nicht gefeit. Das hat sich in der Vergangenheit immer wieder eindrücklich gezeigt. Besonders volatil, also im Wert schwankend, sind die Edelmetalle Silber, Platin und Palla­dium. Sie werden in hohem Mass in der Industrie verwendet und unter­liegen deshalb wie andere Handels­güter den Konjunkturzyklen.

Mythos 7: Immobilien sind eine sichere Sache

Seit Jahren befeuern niedrige Zinsen den Hypothekarmarkt. Und die Preise für Häuser steigen und steigen. In der heutigen Konstellation mag Wohn­eigentum günstiger sein, als zur Miete zu wohnen.

Aber Vorsicht: Das muss nicht so bleiben. Früher oder später werden die Zinsen wieder steigen, und die Hauspreise könnten unter Druck kommen. Eigenheimbesitzer, die viel Fremdkapital aufgenommen haben, könnte das hart treffen. Wenn der Wert des Hauses unter die Belehnungsgrenze sinkt, muss man ­kurzfristig neues Geld einschiessen. Bei Hypotheken besteht eine Nachschusspflicht.

Beim Anlegen kann es nicht darum gehen, alle Risiken vollständig zu vermeiden. Das ist schlicht unmöglich. Wichtig ist aber, dass man nur Risiken eingeht, die man verkraften kann.

Wenn Sie von der Bank in eine von fünf Risikokategorien eingeteilt werden, ist das bestimmt besser als nichts. Aber das befreit Sie nicht davon, sich vertieft Gedanken über die Anlagen zu machen. Wenn Sie nachts wegen der Anlagen nicht mehr ruhig schlafen können, sind Sie mit Sicherheit zu hohe Risiken eingegangen.

Anderseits kann es durchaus reizvoll sein, mit einem kleinen Teil des Vermögens – auf den man notfalls verzichten kann – grössere Risiken einzugehen. Aber um spekulieren zu können, braucht man ein grosses Vermögen. Deshalb behält man lieber eine Weisheit der Börsenlegende André Kostolany im Hinterkopf: «Wer viel Geld hat, kann spekulieren. Wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren. Wer kein Geld hat, muss spekulieren.»