Kantone wollen Beizen zwingen, Bargeld anzunehmen
Restaurants sollen Cash akzeptieren: Gegen diese Forderung mancher Kantone wehrt sich die Gastrobranche. Das verstosse gegen die Wirtschaftsfreiheit.

Veröffentlicht am 17. März 2026 - 10:14 Uhr

Im Restaurant wird immer öfter mit Karte bezahlt. Trotzdem wollen viele an Bargeld festhalten.
Es ist paradox: Bargeld verschwindet immer mehr. Und gleichzeitig halten Schweizerinnen und Schweizer daran fest. Während die Abstimmung auf Bundesebene eher symbolischen Wert hatte, geht es kantonal wesentlich konkreter und hitziger zu.
Im Kanton Genf hat das Kantonsparlament im vergangenen Herbst beschlossen, Gastrobetriebe zur Annahme von Bargeld zu verpflichten. Der Vorstoss kam von der SVP-Politikerin Virna Conti. Sie störte sich daran, dass man an gewissen Orten nur noch mit Karte oder Handy bezahlen könne. Auch SP und Grüne stellten sich hinter die Idee.
«Es gehört zur unternehmerischen Freiheit, zu entscheiden, welche Zahlungsmittel der Betrieb akzeptiert.»
Gastrosuisse
Ähnliche Vorstösse gibt es in den Kantonen Aargau und Bern. Auch Richard Koller, der Kopf hinter der Bargeld-Initiative, wollte eine weitere entsprechende Initiative an die Urne bringen. Es gelang jedoch nicht, genügend Unterschriften zu sammeln.
95 Prozent der Beizen akzeptieren Bargeld
Kundinnen und Kunden dürften eine Bargeldpflicht in Restaurants befürworten. Doch das Gastgewerbe sträubt sich. Gastrosuisse lehnt eine solche Pflicht klar ab. «Es gehört zur unternehmerischen Freiheit, zu entscheiden, welche Zahlungsmittel der Betrieb akzeptiert. Die Zahlungsmittel sind schliesslich mit individuellen Transaktionskosten und Gebühren verbunden», sagt ein Sprecher.
Sowohl die Regelung in Genf als auch die Vorstösse in Bern und Aargau beschränkten die Annahmepflicht auf das Gastgewerbe. Eine solche Ungleichbehandlung einer Branche sei unverständlich, so der Gastrosuisse-Sprecher. Wenn die Kantone eine Annahmepflicht beschliessen würden, müssten sie auch sicherstellen, dass Bargeld verfügbar sei. «Andernfalls könnte die Annahmepflicht früher oder später mit unverhältnismässigen Kosten verbunden sein.»
Ohnehin ist das Problem, dass man nicht mehr bar zahlen könnte, laut Gastrosuisse nicht gross. Über 95 Prozent der Unternehmen würden Bargeld akzeptieren.
Hotel reicht Klage ein
Dennoch haben bereits grössere Betriebe wie die Wiesner Gastronomie das Bargeld komplett abgeschafft. In ihren 30 Restaurants wie Nooch oder Negishi kann man seit Ende 2023 nur noch digital zahlen. Zu diesem Zeitpunkt hätten nur noch rund 5 Prozent der Gäste bar bezahlt, hiess es zur Begründung
Auch das Kunsthaus Zürich und der Weihnachtsmarkt im Zürcher Hauptbahnhof schafften Bargeldzahlungen ab, mussten aber nach heftiger Kritik zurückrudern.
In Genf hat wiederum ein «Cashless only»-Hotel beim Genfer Verfassungsgericht Klage gegen die neue Bargeldpflicht eingereicht.
- 20min.ch: La loi obligeant cafés et hôtels à accepter le cash est attaquée
- Swiss Payment Monitor: Aktuelle Ergebnisse Swiss Payment Monitor 1/2026




