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KrankenkassenVorsicht vor unseriösen Maklern!

Krankenkassenmakler
Unterschreiben Sie beim ersten Gespräch mit dem Makler nichts. GAR nichts. Bild: Thinkstock Kollektion

Sie sind wieder auf Kundenfang: die Makler für Krankenkassen. Lassen Sie sich am besten gar nicht darauf ein, einen Termin zu vereinbaren. Falls Sie es doch tun, beachten Sie folgende Tipps.

von Jeannine Burriaktualisiert am 2017 M09 27

Nur mal kurz unverbindlich vorbeischauen wollen sie - und ganz neutral und selbstverständlich unabhängig beraten. Doch aufgepasst: Die vielen Rückmeldungen im Beobachter-Beratungszentrum über schlechte Erfahrungen mit Maklern lassen aufhorchen. Falls auch Sie von einem Versicherungsmakler angerufen werden, sollten Sie Folgendes wissen:

  • Lassen Sie sich am besten gar nicht darauf ein, einen Termin zu vereinbaren. Die Erfahrung zeigt, dass viele Leute dem Druck und dem Verhandlungsgeschick der Makler nicht gewachsen sind. Regelmässig berichten Kunden beim Beobachter-Beratungszentrum, wie sie tags zuvor etwas unter Druck unterschrieben haben, was sie gar nicht wollten. Machen Sie sich lieber selber kundig (siehe unten: «Weitere Infos»).

Aktuell: Makler erhalten zu hohe Provisionen

Anfang 2016 haben sich die Krankenversicherer in einer Branchenvereinbarung dazu entschlossen, nur mit Maklern und Vermittlern zusammenzuarbeiten, die gewisse Qualitätsstandards erfüllen. So müssen die Konsumenten zum Beispiel bei einem Anruf informiert werden, in welchem Auftrag der Vermittler handelt (siehe «Auf diese Informationen haben Sie Anrecht»). Ebenso einigten sich die Kassen darauf, dass Makler den Sterneintrag im Telefonbuch beachten müssen und dass pro Versicherungsabschluss in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung nicht mehr als 50 Franken als Provision ausbezahlt werden.

Dass diese Vereinbarung zur Vermittlungsentschädigung nicht eingehalten wird, zeigen Recherchen des Konsumentenmagazins «Kassensturz». So soll etwa die Visana für einen Abschluss in der Grundversicherung bis zu 1500 Franken zahlen. Als Bedingung muss der Makler über 4000 solcher Grundversicherungen mit hoher Franchise abschliessen und darüber hinaus je eine Zusatzversicherung verkaufen. Visana, welche die Branchenvereinbarung des Krankenkassenverbands Santésuisse als einziges Mitglied nicht unterschrieben hat, finanziert die hohen Provisionen aus den Prämien der Zusatzversicherungen und vermischt so die beiden Versicherungssysteme. Dies wird als problematisch angesehen, weil zum einen für die Vermittler ein falscher Anreiz geschaffen wird, Zusatzversicherungen aufzudrücken, um an die Provision zu kommen, zum anderen weil privatwirtschaftlich erzielte Prämiengelder für den gesetzlichen Versicherungsteil eingesetzt werden.

Santésuisse-Direktorin Verena Nold sieht die Verantwortung für die Überprüfung einer sauberen Trennung der beiden Versicherungssysteme eher bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma als bei ihrem Verband. Im Interview mit dem «Kassensturz» sagt sie, dass die Finma jährlich kontrolliere, wie die Prämien der Zusatzversicherungen eingesetzt werden. Finma-Sprecher Tobias Lux möchte gegenüber dem Beobachter zwar nicht auf die Aussagen Nolds eingehen, hält jedoch prinzipiell fest, dass die Aufgabe der Finma darin liege, zu prüfen, ob die Versicherer die gesetzlichen Bestimmungen einhalten. Dazu gehört, dass die Institute Grund- und Zusatzversicherung sauber trennen. Sollten Provisionen der Zusatz- für die Grundversicherung genutzt werden, laufe das einer sauberen Trennung zuwider. Die Höhe der Provisionen sei hingegen Sache des freien Wettbewerbs, solange diese «im Rahmen der ordentlichen Geschäftsführung liegen und diese nicht die Zahlungsfähigkeit des Versicherers gefährden.» In diesem Fall, wie auch im Fall einer unsauberen Trennung von Zusatz- und Grundversicherung, schreite die Finma wo nötig ein, so Tobias Lux.

So oder so: Wer von einem Makler ein Kombi-Angebot aus Grund- und Zusatzversicherung angeboten bekommt, sollte sich lieber selber informieren und vor einer mündlichen Zusage prüfen, ob ein Versicherungsbedarf besteht. Verstösst ein Makler gegen die Vereinbarung der Krankenversicherer, können sich Konsumenten zudem über ein Formular von Santésuisse beschweren.

Auf diese Informationen haben Sie Anrecht

Wer von einem Vermittler kontaktiert wird, sollte von ihm folgende Informa­tionen schriftlich verlangen:

  • wie er heisst und wo er wohnt
  • für welches Versicherungsunternehmen er arbeitet
  • ob die angebotene Versicherungs­deckung durch eines oder mehrere Unternehmen gewährleistet ist
  • wer bei Nachlässigkeit, Fehlern oder unrichtigen Auskünften haftbar gemacht werden kann
  • wie die erhobenen Personendaten bearbeitet werden (Ziel, Umfang, Empfänger und Aufbewahrung der Daten)

Sollten Sie mit einem Makler sprechen wollen, beachten Sie Folgendes:

  • Führen Sie das Gespräch nicht alleine mit dem Makler. Ziehen Sie eine Person Ihres Vertrauens bei.
  • Lesen Sie vorher alle schon bestehenden Versicherungsunterlagen in Ruhe durch und verschaffen Sie sich einen Überblick. Achten Sie insbesondere auf die Laufzeiten der Zusatzversicherungen: Diese lassen sich nicht ohne weiteres kündigen - so sind Sie am Ende womöglich doppelt versichert. Legen Sie die Unterlagen für das Gespräch bereit.
  • Überlegen Sie sich vorher, welche Bedürfnisse Sie wirklich haben - und wo es allenfalls Lücken gibt. Nicht alles, was man versichern kann, braucht man jedoch auch. Notieren Sie Ihre Fragen.
  • Unterschreiben Sie beim ersten Gespräch nichts. GAR nichts. Weder eine Kündigung noch eine Vollmacht noch einen Antrag. Will der Makler für Sie eine Offerte einholen, kann er das auch ohne Ihre Unterschrift tun. Vergleichen Sie verschiedene Offerten. Diese können Sie übrigens auch selber ganz einfach bei der Versicherung einholen.
  • Bitten Sie den Makler, Ihnen alle Unterlagen zu überlassen, damit Sie diese in Ruhe studieren können. Es macht immer Sinn, darüber zu schlafen, und es gibt keinen Grund unter Druck zu unterschreiben.
  • Einen «unverbindlichen» Antrag gibt es nicht! Wenn Sie einen Antrag auf Aufnahme stellen und Sie werden von der Kasse aufgenommen, dann ist das verbindlich. Nur eine Offerte ist unverbindlich.
  • Lesen Sie die allgemeinen und besonderen Geschäftsbedingungen, bevor Sie unterschreiben. Lesen Sie auch immer die hintere Seite. Kontrollieren Sie die Laufzeiten der Zusatzversicherungen. Teilweise werden 5-Jahresverträge gemacht. Verlangen Sie kurze Laufzeiten von einem Jahr.
  • Füllen Sie einen Gesundheitsfragebogen immer selbst, vollständig und wahrheitsgetreu aus. Auch wenn der Makler meint, ein bestimmtes Leiden sei nicht relvant: Geben Sie es an. Oft fällt einem jedoch nicht alles sofort ein. Haben Sie Zweifel, ob Sie an alles gedacht haben, fragen Sie bei Ihrem Arzt nach.
  • Machen Sie von allem eine Kopie.

Beschwerde gegen Optima-Gruppe

Der Anrufer nennt sich Osman Deniz und hört nicht auf zu sprechen. Er vertrete die Optima-Gruppe, die mit 82 Krankenkassen zusammenarbeite. «Wir sind eine neutrale Firma. Wir schauen, wie viel Sie sparen können mit der Krankenkasse.» Und dann etwas aggressiver: «Wann kann der Berater zu Ihnen nach Hause kommen?»

Seit März haben unzählige Leute Anrufe der Optima erhalten. Angefragte Krankenkassen sagen, sie kennten die Firma nicht. Dem Staatssekretariat für Wirtschaft ist die Optima-Gruppe dagegen aufgefallen. Dort kann man sich bei unerwünschten Werbeanrufen melden (siehe auch Musterbrief «Beschwerde ans Seco wegen Werbeanruf», exklusiv für Mitglieder von Guider). Bereits sind rund 3500 solche Beschwerden eingegangen.

Die Masche solcher Telefonagenten ist stets dieselbe. Das Callcenter ruft mit einer Schweizer Nummer an, sitzt aber oft im Ausland. Das ist technisch möglich. Der Agent will einem einen Beratungstermin aufschwatzen. Diesen Termin versucht das Callcenter über eine Internetbörse einem Versicherungsmakler zu verkaufen – für bis zu 100 Franken. Falls das klappt, erscheint ein Berater beim Kunden und bietet im Regelfall diejenige Krankenkasse an, die ihm eine hohe Provision überweist. Die Krankenkassen bezahlen Maklern bis zu 930 Franken für Neukunden, deckte die «Nordwestschweiz» auf.

Yves Demuth (11.04.2017)

Weitere Infos

  • VZonline: Prämien und Leistungen im Vergleich
  • Comparis: Prämien vergleichen
  • Swupp: Die Krankenkassen-App

Werbeanrufe blockieren: So gehen Sie vor

  • Wer seine Nummer im Telefonbuch registriert hat und Werbeanrufe erhält, kann im Internet gratis einen Sterneintrag einrichten: www.local.ch
  • Haben Sie Ihre Nummer (Handy oder Festnetz) nicht im Telefonbuch registriert, haben Sie über die Telefonsperrliste des Schweizer Dialogmarketing Verbandes (SDV) die Möglichkeit, Werbeanrufe zu blockieren: www.sdv-konsumenteninfo.ch


Achtung: Beide Einträge sind keine Garantie dafür, dass Sie keine Werbeanrufe mehr erhalten. Erfahren Sie im Merkblatt «Unerwünschte Werbeanrufe» (siehe unten), wie Sie sich dagegen wehren können.

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Merkblatt «Unerwünschte Werbeanrufe» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Werden auch Sie regelmässig von Werbeanrufen belästigt? Mitglieder von Guider erhalten im Merkblatt «Unerwünschte Werbeanrufe» Tipps, wie sie präventiv vorgehen, um solche Telefonate zu verhindern und wie sie sich beschweren können, wenn sie weiterhin Werbeanrufe bekommen.