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KrankenkassenVorsicht vor unseriösen Maklern!

Unterschreiben Sie beim ersten Gespräch mit dem Makler nichts. GAR nichts. Bild: Thinkstock Kollektion

Sie sind wieder auf Kundenfang: die Makler für Krankenkassen. Lassen Sie sich am besten gar nicht darauf ein, einen Termin zu vereinbaren. Falls Sie es doch tun, beachten Sie folgende Tipps.

von Jeannine Burriaktualisiert am 2017 M04 04

Nur mal kurz unverbindlich vorbeischauen wollen sie - und ganz neutral und selbstverständlich unabhängig beraten. Doch aufgepasst: Die vielen Rückmeldungen im Beobachter-Beratungszentrum über schlechte Erfahrungen mit Maklern lassen aufhorchen. Falls auch Sie von einem Versicherungsmakler angerufen werden, sollten Sie Folgendes wissen:

  • Lassen Sie sich am besten gar nicht darauf ein, einen Termin zu vereinbaren. Die Erfahrung zeigt, dass viele Leute dem Druck und dem Verhandlungsgeschick der Makler nicht gewachsen sind. Regelmässig berichten Kunden beim Beobachter-Beratungszentrum, wie sie tags zuvor etwas unter Druck unterschrieben haben, was sie gar nicht wollten. Machen Sie sich lieber selber kundig (siehe unten: «Weitere Infos»).

Aktuell: Beschwerde gegen Optima-Gruppe

Der Anrufer nennt sich Osman Deniz und hört nicht auf zu sprechen. Er vertrete die Optima-Gruppe, die mit 82 Krankenkassen zusammenarbeite. «Wir sind eine neutrale Firma. Wir schauen, wie viel Sie sparen können mit der Krankenkasse.» Und dann etwas aggressiver: «Wann kann der Berater zu Ihnen nach Hause kommen?»

Seit März haben unzählige Leute Anrufe der Optima erhalten. Angefragte Krankenkassen sagen, sie kennten die Firma nicht. Dem Staatssekretariat für Wirtschaft ist die Optima-Gruppe dagegen aufgefallen. Dort kann man sich bei unerwünschten Werbeanrufen melden (siehe auch Musterbrief «Beschwerde ans Seco wegen Werbeanruf», exklusiv für Mitglieder von Guider). Bereits sind rund 3500 solche Beschwerden eingegangen.

Die Masche solcher Telefonagenten ist stets dieselbe. Das Callcenter ruft mit einer Schweizer Nummer an, sitzt aber oft im Ausland. Das ist technisch möglich. Der Agent will einem einen Beratungstermin aufschwatzen. Diesen Termin versucht das Callcenter über eine Internetbörse einem Versicherungsmakler zu verkaufen – für bis zu 100 Franken. Falls das klappt, erscheint ein Berater beim Kunden und bietet im Regelfall diejenige Krankenkasse an, die ihm eine hohe Provision überweist. Die Krankenkassen bezahlen Maklern bis zu 930 Franken für Neukunden, deckte die «Nordwestschweiz» auf.

Yves Demuth (11.04.2017)

Auf diese Informationen haben Sie Anrecht

Wer von einem Vermittler kontaktiert wird, sollte von ihm folgende Informa­tionen schriftlich verlangen:

  • wie er heisst und wo er wohnt
  • für welches Versicherungsunternehmen er arbeitet
  • ob die angebotene Versicherungs­deckung durch eines oder mehrere Unternehmen gewährleistet ist
  • wer bei Nachlässigkeit, Fehlern oder unrichtigen Auskünften haftbar gemacht werden kann
  • wie die erhobenen Personendaten bearbeitet werden (Ziel, Umfang, Empfänger und Aufbewahrung der Daten)

Sollten Sie mit einem Makler sprechen wollen, beachten Sie Folgendes:

  • Führen Sie das Gespräch nicht alleine mit dem Makler. Ziehen Sie eine Person Ihres Vertrauens bei.
  • Lesen Sie vorher alle schon bestehenden Versicherungsunterlagen in Ruhe durch und verschaffen Sie sich einen Überblick. Achten Sie insbesondere auf die Laufzeiten der Zusatzversicherungen: Diese lassen sich nicht ohne weiteres kündigen - so sind Sie am Ende womöglich doppelt versichert. Legen Sie die Unterlagen für das Gespräch bereit.
  • Überlegen Sie sich vorher, welche Bedürfnisse Sie wirklich haben - und wo es allenfalls Lücken gibt. Nicht alles, was man versichern kann, braucht man jedoch auch. Notieren Sie Ihre Fragen.
  • Unterschreiben Sie beim ersten Gespräch nichts. GAR nichts. Weder eine Kündigung noch eine Vollmacht noch einen Antrag. Will der Makler für Sie eine Offerte einholen, kann er das auch ohne Ihre Unterschrift tun. Vergleichen Sie verschiedene Offerten. Diese können Sie übrigens auch selber ganz einfach bei der Versicherung einholen.
  • Bitten Sie den Makler, Ihnen alle Unterlagen zu überlassen, damit Sie diese in Ruhe studieren können. Es macht immer Sinn, darüber zu schlafen, und es gibt keinen Grund unter Druck zu unterschreiben.
  • Einen «unverbindlichen» Antrag gibt es nicht! Wenn Sie einen Antrag auf Aufnahme stellen und Sie werden von der Kasse aufgenommen, dann ist das verbindlich. Nur eine Offerte ist unverbindlich.
  • Lesen Sie die allgemeinen und besonderen Geschäftsbedingungen, bevor Sie unterschreiben. Lesen Sie auch immer die hintere Seite. Kontrollieren Sie die Laufzeiten der Zusatzversicherungen. Teilweise werden 5-Jahresverträge gemacht. Verlangen Sie kurze Laufzeiten von einem Jahr.
  • Füllen Sie einen Gesundheitsfragebogen immer selbst, vollständig und wahrheitsgetreu aus. Auch wenn der Makler meint, ein bestimmtes Leiden sei nicht relvant: Geben Sie es an. Oft fällt einem jedoch nicht alles sofort ein. Haben Sie Zweifel, ob Sie an alles gedacht haben, fragen Sie bei Ihrem Arzt nach.
  • Machen Sie von allem eine Kopie.

Weitere Infos

  • VZonline: Prämien und Leistungen im Vergleich
  • Comparis: Prämien vergleichen
  • Swupp: Die Krankenkassen-App

Werbeanrufe blockieren: So gehen Sie vor

  • Wer seine Nummer im Telefonbuch registriert hat und Werbeanrufe erhält, kann im Internet gratis einen Sterneintrag einrichten: www.local.ch
  • Haben Sie Ihre Nummer (Handy oder Festnetz) nicht im Telefonbuch registriert, haben Sie über die Telefonsperrliste des Schweizer Dialogmarketing Verbandes (SDV) die Möglichkeit, Werbeanrufe zu blockieren: www.sdv-konsumenteninfo.ch


Achtung: Beide Einträge sind keine Garantie dafür, dass Sie keine Werbeanrufe mehr erhalten. Erfahren Sie im Merkblatt «Unerwünschte Werbeanrufe» (siehe unten), wie Sie sich dagegen wehren können.

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Merkblatt «Unerwünschte Werbeanrufe» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Werden auch Sie regelmässig von Werbeanrufen belästigt? Mitglieder von Guider erhalten im Merkblatt «Unerwünschte Werbeanrufe» Tipps, wie sie präventiv vorgehen, um solche Telefonate zu verhindern und wie sie sich beschweren können, wenn sie weiterhin Werbeanrufe bekommen.