«Mir fehlen jeden Monat ungefähr 1500 Franken»
Margrit Kuhn ist seit drei Jahren pensioniert. Ihre Rente reicht nicht, weil sie im Berufsleben oft wenig verdiente. Monat für Monat greift sie auf ihre Ersparnisse zurück. Für die Beobachter-Serie legt sie ihr Budget offen.

Veröffentlicht am 24. Juni 2026 - 13:16 Uhr

Die Seniorin reist und wandert gern (Symbolbild)
Die 67-jährige Margrit Kuhn stammt ursprünglich aus Süddeutschland und lebt seit über 40 Jahren in der Schweiz. Nach dem Abitur in Deutschland machte sie eine Lehre als Floristin. Bei einem Besuch bei einer Freundin in der Schweiz lernte sie ihren Ex-Mann kennen.
Sie war Anfang 20, als sie in die Schweiz zog und heiratete. Am Anfang arbeitete sie im Tourismus, später bildete sie sich zur Fachfrau für Tourismusmanagement weiter.
Nach der Scheidung vor 20 Jahren arbeitete Kuhn, die in Wirklichkeit anders heisst, zunächst drei Jahre in Liechtenstein, bevor sie nach Graubünden zurückkehrte. Dort arbeitete sie 15 Jahre in einem regionalen Unternehmen als Projektleiterin im Marketing.
Die Abrechnung
In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigen Menschen ihren Kontoauszug und erzählen, wie sie mit ihrem Budget leben. Wie viel Geld steht ihnen zur Verfügung? Wofür geben sie es aus?
«Die Abrechnung» wird präsentiert von smzh, dem unabhängigen Finanzdienstleister in den Themenfeldern Finanzen & Anlagen, Vorsorge & Versicherungen, Hypotheken & Immobilien sowie Steuern & Recht.

Mit ihrem lange sehr tiefen Lohn war Margrit Kuhn die meiste Zeit nicht in der 2. Säule versichert und lebt heute grösstenteils von ihrer AHV-Rente.
In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigt sie ihren Kontoauszug und erzählt, wie sie mit ihrem Budget lebt. Wie viel Geld steht ihr zur Verfügung? Wofür gibt sie es aus?
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Einnahmen
Ich habe eine monatliche AHV-Rente von 1780 Franken und eine Rente aus der Pensionskasse von 700 Franken. Aus Deutschland bekomme ich umgerechnet 30 Franken Rente und nochmals 50 Franken aus Liechtenstein.
Vor 20 Jahren habe ich 10’000 Franken in diverse Schweizer Aktien investiert. Heute haben sie lediglich einen Wert von 14’000 Franken. Das investierte Geld lasse ich nun einfach liegen, bis ich es brauche. Zudem habe ich mir einmal einen Fonds bei der Post aufschwatzen lassen. Investiert habe ich 16’000 Franken, heute ist er nur noch 8000 Franken wert. Letztes Jahr haben mir diese Anlagen Wertschriftenerträge von knapp 1000 Franken eingebracht.
Gelegentlich helfe ich bei meinem früheren Arbeitgeber aus. Mit einem Stundenlohn von 35 Franken verdiene ich im Schnitt 100 Franken pro Monat dazu.
Insgesamt habe ich jeden Monat ein Nettoeinkommen von 2740 Franken.
Ausgaben
Wohnen: Ich wohne seit zehn Jahren in einer 3,5-Zimmer-Wohnung. Sie ist nicht sehr modern, hat aber einen schönen Balkon und einen Geschirrspüler. Für Miete, Nebenkosten und den Garagenplatz zahle ich jeden Monat 1490 Franken. Dieses Jahr musste ich 450 Franken für die Nebenkosten nachzahlen, letztes Jahr war es noch mehr.
Für Chur ist das ein guter Mietpreis. Nach meiner Pensionierung wollte ich eine günstigere und kleinere Wohnung suchen, aber jede 2-Zimmer-Wohnung ist teuer.
Die Rechnung für den Strom kommt alle drei Monate. Ich zahle jeweils 30 Franken. Ende Jahr muss ich dann nochmals rund 150 Franken nachzahlen.
Telefon und Internet: Für das Internet zahle ich 43 Franken jeden Monat. Mein Handyabo kostet 32 Franken. Weil ich aber viel im Ausland unterwegs bin, muss ich oft ein Datenpaket dazukaufen, weshalb meine Handyrechnung meistens bei über 40 Franken liegt.
Ich hätte gern ein Netflix-Abo, um Reise- oder andere Dokus zu schauen und mitreden zu können, wenn meine Freunde über eine neue Serie sprechen. Aber ohne Abos kann ich etwas Geld sparen.
Versicherungen: Ich habe eine Privathaftpflichtversicherung, bei der ich nur das Minimum versichert habe. Dafür zahle ich 120 Franken im Jahr.
Seit Jahren habe ich zudem eine Rechtsschutzversicherung, um mich gegen Miet- und Strassenverkehrsstreitigkeiten abzusichern. Die Prämie beträgt jährlich 260 Franken. Beim letzten Fall ging es um eine Flugverspätung, die Beschwerde ist aber noch hängig.
Eine Hausratversicherung habe ich nicht, weil ich nichts Wertvolles besitze. Viele Möbel habe ich von Freunden geschenkt bekommen, ich habe nicht viel Schmuck oder Bilder. Auch mein Laptop, das iPad und mein Handy sind älteren Datums und nicht viel wert.
Gesundheit: In den letzten acht Jahren hatte ich dreimal eine gravierende Erkrankung. Heute bin ich zum Glück wieder gesund. Aufgrund meiner Krankheitsgeschichte bleibe ich bei der gleichen Krankenkasse, bin halbprivat versichert und habe die tiefstmögliche Franchise. Früher habe ich oft die Grundversicherung gewechselt, aber das mache ich nicht mehr, weil es mit dem Abrechnen zu kompliziert wird.
Die Krankenkassenprämien für die Grund- und Zusatzversicherung kosten mich monatlich 820 Franken. Für Franchise und Selbstbehalt gehen pro Jahr nochmals 1000 Franken weg.
Zudem habe ich eine Brille zum Lesen und eine für die Ferne. Ich gehe jährlich zum Augenarzt und kaufe mir alle zwei Jahre eine neue Brille. Meine Zusatzversicherung zahlt mir 200 Franken an neue Gläser und den Augenarzt, die restlichen Kosten übernehme ich. Das macht pro Jahr 350 Franken, die ich aus der eigenen Tasche zahlen muss.
Mobilität: Vor einigen Jahren habe ich von Bekannten ein Occasions-E-Bike für 800 Franken gekauft. Leider ging die Batterie kürzlich kaputt. Eine neue kostet 900 Franken, das lohnt sich nicht. Bis ich mir ein neues kaufe, fahre ich mit dem kaputten herum. In der Stadt kann ich auch gut ohne Motor Velo fahren. Bei schlechtem Wetter nehme ich aber lieber den Bus.
Für Ausflüge wechsle ich zwischen dem öffentlichen Verkehr und dem Auto ab. Ich habe ein Halbtax-Abo für 170 Franken pro Jahr. Dazu kommen nochmals 20 Franken pro Monat für Billettkosten.
Seit ich 18 war, habe ich ein eigenes Auto. Das gehört irgendwie zu mir. Im Moment fahre ich einen Skoda Fabia, er ist 13 Jahre alt. Je nachdem, wie oft ich nach Deutschland zu meiner Familie fahre, fallen die Benzinkosten unterschiedlich aus. Im Schnitt fülle ich meinen Tank zweimal pro Monat. Die Motorfahrzeugsteuer macht jährlich 300 Franken aus, die Autoversicherung 476 Franken. Ich schätze, dass ich monatlich insgesamt etwa 100 Franken für mein Auto ausgebe.
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Haushalt: Ich kaufe in dem Laden ein, an dem ich gerade vorbeilaufe. Am liebsten gehe ich in den Lidl, dort bekomme ich am meisten für mein Geld. Ich esse kein Fleisch, sondern lieber viele Hülsenfrüchte und Gemüse.
Mit drei allein lebenden Freunden habe ich einen Gruppenchat. Wenn jemand Lust hat, zu kochen, fragt er, wer kommen möchte. Das mache ich etwa zweimal pro Monat.
Für Lebensmittel sowie Putz- und Waschmittel gebe ich monatlich ungefähr 300 Franken aus.
Ausserdem färbe ich mir die Haare, weil es mir nicht gefällt, dass sie grau werden. Meine Coiffeuse ist sehr günstig, weil ihr Salon bei ihr zu Hause ist. Ich gehe alle fünf bis sechs Wochen hin und bezahle für das Färben und Schneiden jeweils 100 Franken.
Verpflegung ausser Haus: Ich esse gern auswärts, versuche es aber im Rahmen zu halten. Meistens treffe ich mich mit ehemaligen Arbeitskollegen zum Mittag- oder Abendessen, manchmal werde ich auch eingeladen. Wir suchen uns meistens etwas Günstiges, zum Beispiel eine Pizzeria, die ein Mittagsmenü mit Salat und Getränk für 20 Franken anbietet. Wie viel ich genau dafür ausgebe, ist schwierig zu sagen, aber ich schätze zirka 100 Franken pro Monat.
Kleidung und Schuhe: Neulich habe ich festgestellt, dass ich so viele Kleider besitze, dass ich eigentlich gar keine mehr kaufen müsste. Aber ich bin eine Schnäppchenjägerin. Letzte Woche habe ich eine Übergangsjacke gesehen, die ich schon länger suchte. Sie war um 70 Prozent reduziert und kostete nur noch 50 Franken. Hin und wieder brauche ich auch neue Ausrüstung zum Wandern.
Ich habe immer wieder Probleme mit Blasen und Druckstellen an den Füssen. Deshalb kaufe ich nur noch Schuhe von bestimmten Marken wie Gabor oder Paul Green. Ein Paar kostet dann schnell 180 Franken.
Für Kleider und Schuhe gebe ich pro Jahr rund 1000 Franken aus.
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Freizeit: Einmal pro Woche gehe ich ins Hallenbad, der Eintritt kostet 8 Franken. Zwei Stunden Tanzunterricht pro Woche kosten nochmals 60 Franken. Früher ging ich ins Yoga, aber damit habe ich aus Budgetgründen wieder aufgehört. Zudem gehe ich viel wandern und nehme dafür manchmal die Seilbahn.
Seit diesem Jahr habe ich die Kulturlegi der Caritas. Dafür musste ich mein Einkommen offenlegen und habe sie dann gratis bekommen. Damit sind viele Kulturangebote für mich reduziert. Ich gehe gern in die Oper oder höre klassische Musik, besuche aber auch mal Rockkonzerte und Festivals wie das «Moon and Stars». Ich bin sehr vielseitig interessiert. Wenn ich mehr Geld hätte, würde ich öfter ins Theater oder ins Kino gehen. Für meine Freizeit gebe ich jeden Monat 300 Franken aus.
Ferien und Ausflüge: Ich bin ehrenamtliche Reisebegleiterin für Kulturanlässe. Deswegen komme ich viel herum, begleite die Gruppen und kann gratis mitreisen. Auch sonst liebe ich es, unterwegs zu sein.
Im Januar war ich drei Wochen in Asien, was mich 3000 Franken gekostet hat. Im Sommer mache ich einen Wochenendausflug ins Tessin mit ein paar Freunden. Wir übernachten in einer einfachen Pension. Im Herbst mache ich zwei Wochen Wanderferien in Spanien. Ich weiss noch nicht, wie teuer das wird, weil ein Freund von mir das plant und bucht.
Über den Daumen gepeilt gebe ich jedes Jahr 4000 Franken für Ferien aus.
Spenden: Ich spende jährlich 200 Franken für ein Waisenhaus in Honduras.
Steuern: Letztes Jahr habe ich 2100 Franken Steuern bezahlt.
Sparen und Vermögen: Nach der Scheidung habe ich angefangen, in die Säule 3a einzuzahlen. So konnte ich bis zu meiner Pensionierung etwa 140’000 Franken ansparen. Mein Notgroschen beläuft sich insgesamt auf 230’000 Franken.
Mir fehlen jeden Monat ungefähr 1500 Franken. Den Fehlbetrag decke ich über mein Erspartes. Wenn ich so weiterlebe, reicht mir mein Erspartes noch etwa zehn Jahre. Danach bin ich auf staatliche Hilfe angewiesen. Momentan habe ich noch keinen Anspruch auf Prämienverbilligung, weil mein Vermögen zu hoch ist.
Mein grösster Luxus
Reisen. Das ist seit meiner Jugend meine Leidenschaft und ein wichtiger Teil in meinem Leben.
Das Schönste, was ich je gemacht habe, war vor zwei Jahren: Ich war drei Wochen auf einem Expeditionsschiff in der Antarktis. Dafür habe ich 14’000 Franken ausgegeben.
So fühle ich mich
Ich lebe von meinen Ersparnissen, da Miete und Krankenkasse mein gesamtes Einkommen aufbrauchen. Das fühlt sich nicht gut an und belastet mich. Wenn etwas Grösseres ansteht, mache ich mir viele Gedanken, wie ich es finanzieren kann, und frage mich, ob es unbedingt notwendig ist. Ich weiss, dass ich mit meinen Ersparnissen eigentlich noch gut dastehe. Dennoch lebt man nicht unbeschwert, wenn man sich ständig Sorgen um die Zukunft danach macht.
Manchmal bin ich auch wütend auf mich selbst, weil ich AHV-Lücken hätte nachzahlen können, um mich fürs Alter besser abzusichern. Und ich hätte früher anfangen können zu sparen.
Aufgezeichnet von Katrin Reichmuth.
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