«Wir haben Wertschriften von über zwei Millionen Franken»
Bernhard Moser arbeitet als Kommunikationsstratege, seine Frau ist Briefträgerin bei der Post. Geldsorgen haben die beiden keine, denn Vermögen ist reichlich da. Für die Beobachter-Serie legt das Ehepaar sein Budget offen.

Veröffentlicht am 22. Juli 2026 - 09:09 Uhr

Bernhard Moser (Name geändert) und seine Frau kochen fast jeden Abend. Die Zutaten dafür kaufen sie in der Regel bei Aldi ein (Symbolbild).
Bernhard Moser ist 52 Jahre alt und heisst in Wirklichkeit anders. Zusammen mit seiner 51-jährigen Frau, einer Katze und einem Hasen wohnt er in einem Haus am rechten Zürichseeufer. Kennengelernt hatten sich die beiden vor 15 Jahren, woraufhin sie aus Deutschland zu ihm in die Schweiz zog.
Sein beruflicher Weg verlief über Umwege. Nach der Wirtschaftsmatura in Zürich und einem Sprachaufenthalt in den USA begann er erst ein Wirtschafts- und dann ein Jus-Studium. Da sich beide Studiengänge nicht als das Richtige für ihn erwiesen, brach er sie ab. Die Wende brachte ein Nebenjob als Promoter, der ihm zeigte, dass seine Zukunft in der Kommunikation liegt. Nach dem eidgenössischen Diplom als Planer Marketingkommunikation folgte eine rasante Agenturkarriere, die ihn bis in die Geschäftsleitung führte. Vor sechs Jahren verliess er das Management und arbeitet seither ohne Führungsaufgaben als Kommunikationsstratege.
Seine Frau ist gelernte Bankkauffrau. Nach der Lehre hat sie eine Ausbildung als Zustellerin bei der Deutschen Post gemacht. Heute arbeitet sie in einem 70-Prozent-Pensum als Briefträgerin bei der Post und managt den gemeinsamen Haushalt.
Die Abrechnung
In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigen Menschen ihren Kontoauszug und erzählen, wie sie mit ihrem Budget leben. Wie viel Geld steht ihnen zur Verfügung? Wofür geben sie es aus?
«Die Abrechnung» wird präsentiert von smzh, dem unabhängigen Finanzdienstleister in den Themenfeldern Finanzen & Anlagen, Vorsorge & Versicherungen, Hypotheken & Immobilien sowie Steuern & Recht.

Um ihren Einsatz zu Hause fair auszugleichen, hat das Paar eine strikte Finanzaufteilung gewählt: Beide führen getrennte Konten, aber Bernhard Moser übernimmt als Abgeltung für die Hausarbeit sämtliche Fixkosten wie Hypotheken, Steuern, Versicherungen sowie die Ausgaben für Ferien. Alltagskosten wie Einkäufe zahlen sie abwechselnd – ein System, mit dem beide seit Jahren glücklich sind.
In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigt Bernhard Moser seinen Kontoauszug und erzählt, wie seine Frau und er mit ihrem Budget leben. Wie viel Geld steht ihnen zur Verfügung? Wofür geben sie es aus?
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Einnahmen
Ich arbeite Vollzeit und verdiene monatlich 10’573 Franken netto. Zusätzlich doziere ich seit acht Jahren an einer Hochschule. Für diesen dreitägigen Lehrauftrag im Jahr erhalte ich ein Honorar von 4177 Franken netto. Hinzu kommen monatlich 3594 Franken netto aus dem 70-Prozent-Pensum meiner Frau.
Unsere Fotovoltaikanlage auf dem Dach habe ich schon 2008 installiert. Weil der Bund für 25 Jahre eine Einspeisevergütung von 90 Rappen pro Kilowattstunde garantiert, bringt sie uns jährlich rund 4000 Franken ein. Obwohl wir den Strom vertraglich nicht selbst nutzen dürfen, lohnt sich diese Einnahmequelle.
Weil mein Vater Finanz- und Steuerexperte war, habe ich schon mit 23 Jahren an der Börse investiert. Heute besitzen meine Frau und ich ein Wertschriftenvermögen von über zwei Millionen Franken. Die Dividendenerträge von zuletzt rund 21’000 Franken legen wir fast vollständig wieder an.
Die Strategie ist offensiv-ausgewogen: Drei Viertel sind in Schweizer Franken angelegt, der Rest in Euro und US-Dollar. Das Portfolio teilt sich hälftig in solide Dividendenwerte wie die Zurich Versicherung und in risikoreichere Anlagen auf. Ich informiere mich täglich via Cash.ch, kaufe aber aus ethischen Gründen keine Einzelaktien von Konzernen wie Nestlé.
Ausgaben
Wohnen: Mit 32 Jahren konnte ich das Haus meiner Grosseltern am unteren rechten Zürichseeufer übernehmen. Es ist ein Sechszimmerhaus aus dem Jahr 1948. Uns ist die Biodiversität sehr wichtig, weshalb wir einen grossen Naturgarten mit einer Blumenwiese, mehreren Staudenbeeten und Asthaufen für Igel sowie diversen Brutkästen für Vögel pflegen.
Dank einer Festhypothek zahle ich monatlich sehr moderate 806 Franken Hypothekarzins. Die jährlichen Nebenkosten belaufen sich auf 1000 Franken für Strom, 600 Franken für Wasser und 4150 Franken für Gas, wobei die Hälfte davon aus Biogas besteht.
Ich baue im und ums Haus immer mal wieder etwas um: Vor drei Jahren haben wir Dach und Fassade für 180’000 Franken erneuert, und im letzten Jahr kam eine Pergola im Garten für 70’000 Franken hinzu. Als nächstes Projekt ist ein Teich für Amphibien geplant. Für solche Aus- und Umbauten lege ich jeden Monat vorsorglich 2500 Franken auf die Seite.
Telefon, Internet und Abos: Für unsere Kommunikationsmittel und diverse Abonnements zahlen wir monatlich insgesamt 183 Franken. Darin enthalten sind unsere Handyabos bei Spusu von je knapp 20 Franken sowie Festnetz, Internet und TV über Green.ch für 65 Franken pro Monat. Der Rest fliesst in Abos von Youtube, Gemini Pro, Cloudservices und ein Anti-Virus-Abo für unseren Familienlaptop.
Versicherungen: Unsere jährlichen Prämien für Versicherungen betragen 637 Franken für die Gebäudeversicherung, 780 Franken für den Hausrat und 189 Franken für die Reiseversicherung.
Zudem habe ich für 158 Franken im Jahr eine Wertsachenversicherung, die ein wertvolles Bild, das ich von meinen Grosseltern geerbt habe, gegen Beschädigung absichert.
Gesundheit: Die Krankenkassenprämien einschliesslich meiner Zusatzversicherung kostet uns zusammen monatlich 690 Franken. Die Zusatzversicherung haben damals meine Eltern für mich abgeschlossen, und ich habe sie seither einfach mitgeschleppt. Sie deckt Spitalaufenthalte in der ganzen Schweiz sowie Komplementärmedizin ab, obwohl ich sie noch nie beanspruchen musste – in den letzten sechs Jahren war ich nicht ein einziges Mal krank. Auch meine Frau erwischt es selten, vielleicht zweimal im Jahr, und dann noch die jährliche Kontrolle bei der Gynäkologin. Für diese Gesundheitskosten kalkuliere ich jährlich vorsorglich 1000 Franken ein.
Für die Dentalhygiene rechnen wir mit viermal 200 Franken und für den Zahnarzt mit weiteren 1000 Franken im Jahr, da mir kürzlich ein Stück von einem Zahn abgebrochen ist und geflickt werden musste.
Ich selbst benötige eine Lesebrille, meine Frau trägt Kontaktlinsen. Inklusive des Kaufs einer neuen Brille alle fünf Jahre kalkulieren wir für Sehhilfen und Zubehör mit 1100 Franken pro Jahr.
Mobilität: Wir besitzen einen Renault Kadjar SUV, den wir vor acht Jahren als Vorführmodell erworben und für den wir – nach Eintausch unseres alten Autos – 18’000 Franken bezahlt haben. Das Auto nutzen wir unter anderem zum Einkaufen, für Ausflüge und um die Familie zu besuchen, die teilweise in Süddeutschland lebt.
Die Autoversicherung kostet 1302 Franken im Jahr. Die Benzinkosten für unsere rund 10’000 Kilometer pro Jahr belaufen sich auf 1500 Franken. Der jährliche Autoservice kommt auf 400 Franken zu stehen, und anfallende Reparaturen kosten im Schnitt 1200 Franken pro Jahr. Eine Abschreibung berechnen wir für den Wagen nicht mehr.
Zur Arbeit nehme ich den Zug, das geht etwa 45 Minuten. Mein ZVV-Netzpass kostet jährlich 2308 Franken, der Zonenpass meiner Frau schlägt mit 1200 Franken zu Buche. Zusätzlich besitzen wir zwei Halbtax-Abos für je 170 Franken. Für sonstige Fahrten fallen ungefähr 800 Franken pro Jahr an.
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Haushalt: Wir kochen praktisch jeden Abend. Unter der Woche erledigt meistens meine Frau die Einkäufe, während wir den Wochenendeinkauf am Samstag zusammen machen. Wir steuern meistens Aldi und Denner an. Bei Migros und Coop empfinde ich die Preise für gewisse Produkte als Abriss. Zudem überfordert mich dort oft die riesige Auswahl. Beim Discounter ist das Sortiment überschaubarer, das schätze ich sehr. Uns geht es dabei nicht darum, geizig zu sein, aber wir wollen kein Geld zum Fenster rausschmeissen. Wenn die Bio-Bananen bei Aldi Fr. 2.99 kosten, sehe ich einfach keinen Sinn darin, bei Coop Fr. 5.99 für dasselbe Zertifikat zu bezahlen.
Delikatessenläden wie Globus Delicatessa sind mir zu elitär, das entspricht mir nicht. Was immer möglich ist, kaufen wir in Bio-Qualität und achten auf eine gesunde Ernährung. Für uns bedeutet das, nicht jeden Tag Fleisch zu essen.
Für Lebensmittel und Haushaltsartikel geben wir monatlich etwa 1000 Franken aus. Für unsere Tiere – eine Katze und einen Hasen – benötigen wir für Futter, Heu, Einstreu und Spielzeug jährlich rund 1000 Franken. In den Garten investieren wir für Pflanzen und Geräte weitere 1500 Franken im Jahr.
Der Coiffeur kostet mich jährlich 640 Franken für acht Besuche, meine Frau bezahlt für zehn Termine 1200 Franken. Für sonstige Körperpflege und Kosmetik geben wir 500 Franken pro Jahr aus.
Verpflegung ausser Haus: Im Schnitt geben wir hierfür monatlich 500 Franken aus. Ungefähr zehnmal im Jahr gehen wir am Wochenende in der Nähe gemütlich essen – meistens für eine Pizza oder ein Cordon bleu, was rund 100 Franken pro Abend ausmacht. Bei Ausflügen kehren wir etwa zwanzigmal im Jahr für durchschnittlich 60 Franken ein. Da ich im Büro arbeite, kochen wir dort gemeinschaftlich nach einem festen Wochenplan. Das kostet mich lediglich 7 Franken am Tag. Einmal in der Woche stehe ich während 45 Minuten meiner regulären Arbeitszeit selbst am Herd und bereite Flammkuchen, Grilladen oder Salat für das Team zu. Für Snacks zwischendurch zahle ich etwa 3 Franken am Tag, der Kaffee und weitere Getränke im Büro sind für uns gratis. Meine Frau gibt für ihre Verpflegung an drei Tagen pro Woche jeweils 10 Franken aus.
Kleidung und Schuhe: Bekannte Modemarken sagen uns nichts, wir identifizieren uns nicht darüber. Durch meine frühere Arbeit für einen Textilkonzern weiss ich, dass Qualität, Nachhaltigkeit und faire Löhne bei teuren Brands meistens auch nicht besser sind als bei No-Name-Marken oder Ketten wie H&M und C&A.
Vieles kaufen wir aber gar nicht erst neu. Meine Winterjacke ist aus der Brockenstube, meine Frau kauft ihre Jeans oft Secondhand. Ausserdem tragen wir unsere Sachen sehr lange. Meine Laufschuhe nutze ich nach 800 Kilometern noch ein Jahr im normalen Alltag weiter. Unsere Wander- und Winterschuhe halten bei guter Pflege locker drei bis fünf Jahre. Uns geht es dabei gar nicht primär ums Geldsparen, sondern um den Planeten. Kleider haben es einfach verdient, möglichst lange getragen zu werden.
Für neue Kleider und Schuhe rechnen wir im Jahr mit insgesamt 2000 Franken.
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Freizeit: Ich bin ein Läufer, trainiere dreimal die Woche über 10 bis 12 Kilometer und absolviere samstags meinen langen Lauf von 14 bis 25 Kilometern. Dieses Jahr habe ich den Zürcher Halbmarathon bestritten, und im Herbst steht der Hallwilerseelauf an, wo mein Ziel bei 1 Stunde und 45 Minuten für die 21 Kilometer liegt. Für Laufschuhe und Startgebühren gebe ich jährlich 800 Franken aus.
Ansonsten verbringen meine Frau und ich unsere Zeit beim Wandern oder im eigenen Garten. Für Letzteren lassen wir uns gern von Büchern über Naturgärten inspirieren. Wenn es um meine eigene Lektüre geht, bevorzuge ich jedoch Sachbücher, insbesondere aus dem Bereich der Verhaltensökonomie wie «Nudge» von Richard H. Thaler. Für unseren Lesestoff geben wir jährlich 500 Franken aus.
Ferien und Ausflüge: Fast jedes Wochenende unternehmen wir etwas, gehen wandern oder entspannen in einem Thermalbad. Im Jahr machen wir etwa 40 solcher Ausflüge zu je 60 Franken.
Für unsere Ferien budgetieren wir pro Woche Ferien 2000 Franken. Einmal im Jahr verreisen wir für zwei Wochen und einmal für eine Woche.
Wir lieben Erlebnis- und Entdeckungsferien und reisen je nach Destination mit dem Auto oder dem Flugzeug. Unsere vorletzten Ferien verbrachten wir auf Sizilien und nahmen uns vor Ort ein Mietauto.
Im Mai waren wir zwei Wochen in Frankreich. Wir übernachteten an fünf verschiedenen Orten in Airbnb-Unterkünften oder Drei- bis Vier-Sterne-Hotels für 100 bis 140 Euro pro Nacht. Dabei meiden wir die teure Hochsaison, auch weil wir keine Kinder haben.
Wir reisen meistens innerhalb Europas. Die restliche Ferienzeit verbringen wir für verlängerte Wochenenden oder die Gartenarbeit zu Hause. Fernreisen ausserhalb Europas reizen mich überhaupt nicht mehr; ich sehe keinen Grund, nach Vietnam zu fliegen, da ich nach der langen Anreise im Grunde schon urlaubsreif wäre.
Geschenke: Wir schenken einander nichts. Für Geschenke an Dritte, wie unsere Nichten, Neffen und Göttikinder, rechnen wir jährlich ungefähr mit 1000 Franken.
Spenden: Wir spenden pro Jahr insgesamt 2500 Franken. Ich führe dazu eine genaue Excel-Liste mit zwölf unterschiedlichen Organisationen. Das Geld geht unter anderem an das Tierheim, aus dem wir unser Büsi haben, an die Stiftung Katzenheim Schnurrli, an Ocean Care oder an die Schweizer Wanderwege.
Uns ist wichtig, dass die Beiträge entweder Tieren oder Menschen in der Schweiz zugutekommen.
Altersvorsorge: Wir sorgen konsequent vor und füllen unsere dritte Säule jedes Jahr maximal auf. Zusammen macht das 14’516 Franken.
Steuern: Unsere Steuerrechnung belief sich im letzten Jahr auf gut 33’800 Franken. Ich überweise jeden Monat einen festen Betrag von meinem Lohn auf ein separates Steuerkonto und begleiche die Summe dann plangemäss verteilt auf vier Tranchen.
Sparen und Vermögen: Das Ziel ist, Ende Dezember jeweils 20’000 Franken auf dem Bankkonto zu haben. Alles, was darüber ist, wird fortlaufend investiert. Dieser Betrag fällt praktisch nie unter 15’000 Franken.
Unser Geld steckt in den Wertschriften und im Haus. Wir besitzen also sehr viel «Betongold».
Unser grösster Luxus
Das ist das Haus und der Garten. Denn niemand braucht eine Pergola für 70’000 Franken, aber wir investieren einfach extrem gern in unser Zuhause.
Ein weiterer grosser Luxus ist meine heutige berufliche Freiheit. Ich wollte nicht mehr in einer Managementposition mit Personal-, Finanz- und Budgetverantwortung feststecken. Stattdessen kann ich mich jetzt wieder ganz auf die Kunden und ihre Kommunikationsstrategie konzentrieren – ohne mühsame Grundsatzdiskussionen oder geschäftliche Apéros. Auch eine klare Abgrenzung ist mir wichtig: In der Regel arbeite ich von 9 bis 17.30 Uhr.
So fühlen wir uns
Total sicher. Wir können das Geld schliesslich nicht ins Grab mitnehmen. Wir werden es auch nicht weiter horten, aber auch nicht für Sinnloses ausgeben. Selbst wenn ich morgen nicht mehr arbeiten könnte, müssten wir uns keinerlei finanzielle Sorgen machen – dieses Wissen gibt mir logischerweise ein gutes Gefühl. Wir sind mit Anfang 50 bestens abgesichert.
Aufgezeichnet von Katrin Reichmuth.
Hier finden Sie die bisherigen Folgen der Rubrik «Die Abrechnung».







