Apokalyptischer Hopser im Mittelland
Was bleibt vom Hitzesommer? Vielleicht eine Tiergeschichte, die uns zu denken geben sollte: Kängurus im Mittelland!

Veröffentlicht am 18. September 2026 - 13:48 Uhr

Wenn die Nachrichten dünn werden, hüpfen die Exoten in die Schlagzeilen.
«Huch, da hüpft ein Känguru durchs Ferienlager!»
«Blick», 7. August 2026
Die Kinder des Sommerlagers in Dietwil AG hielten das Wesen am Waldrand für einen grossen Hasen. Bis eines schrie: «Känguru!» Um den Besucher zum Bleiben zu bewegen, wurden eilig Gurken und Salatblätter aus Sandwiches geklaubt. Doch das Tier zeigte keinerlei Interesse an den Leckerli und hüpfte von dannen.
Bald interessierte sich die halbe Schweiz für das Schicksal des Exoten: Wo mag er ausgebüxt sein? In den Medien hat das Tradition. Wenn Hitzetage nahtlos in Tropennächte übergehen und die Newslage so trocken ist wie die Felder der Bauern, füllen Zeitungsredaktionen die Sommerlöcher auf ihren Seiten gern mit Tiergeschichten.
Es ist dann die Rede von einem schwarzen Panther, der im Solothurnischen durchs Gehölz streifen soll, von einem Kapuzineräffchen, dem das Zürcher Zoogehege zu eng wurde, oder von einem Kaiman im Hallwilersee, der bei nüchterner Betrachtung schliesslich doch mehr Ähnlichkeit mit einem hundskommunen Wels aufwies als mit einem Krokodil.
Aber zurück zum Känguru. Handelte es sich um einen apokalyptischen Hopser, einen Vorboten des Klimawandels? Zwar herrschen in der Schweiz noch keine australischen Temperaturen. Doch das könnte sich ändern. Träfe nämlich das düsterste Szenario des Bundes ein, fänden Kängurus ab zirka 2065 im Mittelland fast perfekte Lebensbedingungen vor.
Entlarvt: Das Monster ist ein Wallaby
Entwarnung gab schon einen Tag nach der Sichtung der «Blick»: «Endlich», titelte die Zeitung – das Tier sei eingefangen und gesund zurück zu seinem Halter im Kanton Luzern gebracht worden. Laut Christian Rapp, dem stellvertretenden Leiter des Grosstier-Rettungsdienstes Schweiz und Liechtenstein, hatte es sich zuvor durch ein kleines Loch in seinem Gehege gezwängt und erholte sich gut von der Betäubung.
Alles halb so wild also. Und auch diese Tiergeschichte zeigt: Die Viecher sind meistens kleiner, als es die grossen Buchstaben vermuten lassen. Das Känguru aus dem Sommerlager war in Wahrheit bloss ein Wallaby.




