In Laufen gibts Gewaltmonopoly statt Gewaltmonopol
Ein Polizist hat jahrelang Parkuhren geplündert und das Geld im Casino verzockt. Solche Fälle zeigen: Auch Polizisten sind Menschen.

Veröffentlicht am 26. März 2026 - 12:16 Uhr

Während 20 Jahren entwendete ein Polizist Münzen aus der städtischen Parkuhr (Symbolbild).
«Ein Stedtli-Sheriff ausser Rand und Band»
bzbasel.ch, 25. März 2026
Die gute Nachricht zuerst: Dank des Gegenvorschlags des Bundesrats zur Bargeld-Initiative bleibt dem Schweizer Volk der physische Batzen erhalten. Die Verfügbarkeit des Frankens kommt in die Bundesverfassung. Und jetzt zur schlechten Nachricht: Polizisten können somit weiterhin Parkuhren plündern und unser hart verdientes Geld anschliessend im Casino verzocken.
In Baselland stand Ende März ein ehemaliger Stadtpolizist vor Gericht. Er hat während 20 Jahren Münzen aus der städtischen Parkuhr am Amtshausplatz von Laufen entwendet und das Geld anschliessend mit einer Geliebten in Spielcasinos im Jura und in Basel verjubelt. Frei nach dem Motto: Gewaltmonopoly statt Gewaltmonopol.
Parkuhren als Zielscheiben
Die Deliktsumme beträgt laut Urteil des Strafgerichts 365’000 Franken und damit ein Vielfaches des Betrags, der einen Polizeichef von Richterswil ZH im Jahr 2019 vor Gericht brachte. Dieser hatte 144’000 Franken aus Parkuhren gestohlen und wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Wie Lausbuben stehen die Schweizer Polizisten allerdings im Schatten eines städtischen Mitarbeiters der deutschen Kleinstadt Kempten. Der soll, wie die «Basler Zeitung» berichtet, über eine Million Euro aus Parkuhren abgezweigt haben. Er wurde im November 2025 festgenommen, der Prozess steht noch aus.
War das mit dem Bargeld in der Verfassung vielleicht doch keine so gute Idee? Wer derartige Gedanken spinnt, hat noch nicht von den Parkuhren in Basel-Stadt gelesen, auf denen 2024 falsche QR-Codes angebracht wurden. Statt an den Staat gingen die Gebühren auf ein unbekanntes Konto.
Die Fälle zeigen: Auch Polizisten sind Menschen. Mit einem konfiszierten Ferrari ein paar Runden drehen? Nach Feierabend ein bisschen Haschisch aus der Asservatenkammer rauchen? Wer selbst noch nie von den naheliegenden Vorteilen seines Arbeitsplatzes profitierte, werfe den ersten Fünfliber. Wie «20 Minuten» berichtete, wurden im Hause Ringier kürzlich WC-Rollen, Milch und Kaffeebohnen geklaut. Quod erat demonstrandum.
Der Baselbieter Ex-Polizist kam einigermassen glimpflich davon. Er wurde vom Strafgericht zu zwei Jahren bedingter Haftstrafe verurteilt. Bei Redaktionsschluss war das Urteil noch nicht rechtskräftig.




