Bündner bei den Bleichländern
In Zürich soll eine Wohnüberbauung mit einem Inländervorrang für Rätoromanen entstehen. Quai n’è betg ina buna idea.

Veröffentlicht am 14. August 2026 - 14:45 Uhr

Gian und Giachen sind das offizielle Aushängeschild der Marke Graubünden.
«Genossenschaft plant Bündner Siedlung in Zürich.»
Tagesanzeiger.ch, 24. Juni 2026
Gian und Giachen, die Kult-Steinböcke aus der TV-Werbung von Graubünden Tourismus, nennen sie süffisant «Bleichländer». Der Spott dürfte primär auf Zürich zielen, die Zentrale des oft vernebelten Flachlands. Früher trieben es die Bündner mit diesem Anti-Reflex ja noch viel bunter und klebten stolz «Juhui, i bi kai Zürcher»-Sticker auf ihre Autos.
In der Gegenrichtung sind die Sympathien komplett anders gelagert. Die Zürcher Liebe für alles von «döta oba» erreicht nun gar einen neuen Höhepunkt: Eine Baugenossenschaft plant in Schwamendingen 154 neue Wohnungen – bevorzugt für Rätoromanisch sprechende Menschen. Über 3000 von ihnen würden in der Stadt leben, aber sie hätten keinen Ort, um sich zu treffen: So begründen die Verantwortlichen in den Medien diese Form des Inländervorrangs. Sozusagen ein Staat im Staat im Quartier Saatlen. Juhui!
Was passiert mit Baslern, Bernerinnen und Aargauern?
Ausserhalb der rhätischen Gemeinschaft sind nicht alle begeistert. Ein solcher Eingriff in den überhitzten Wohnungsmarkt könnte ein problematisches Zeichen setzen, sagte etwa ein Vertreter des Mieterinnen- und Mieterverbands. Da hat er vermutlich nicht unrecht. Denn man male sich aus, was passiert, sollten andere Bevölkerungsgruppen gleiches Recht einfordern und das Beispiel Schule machen. Gut, die 687 Personen mit Heimatkanton Jura, die gemäss einer (nicht mehr ganz taufrischen) Statistik in Zürich leben, liessen sich wohl noch irgendwo gebündelt versorgen. Aber schon bei den 5274 aus Basel-Stadt würde das bedeutend schwieriger. Und erst die 24’385 Bernerinnen und Berner. Oder die 16’625 Leute aus dem Aargau. Allein schon – Achtung, Ironie! – die Dimension der zentralen Autogarage: nicht vorstellbar.
Die Idee mit dem rätoromanischen Inländervorrang sei erst «angedacht», sagen die Promotoren. Denkt man sie nach obigem Muster zu Ende, kann es nur einen Schluss geben: Es ist, bei allem Wohlwollen, nicht wirklich eine gute Idee. Damit das auch Gian und Giachen und der Rest der Zielgruppe verstehen: Quai n’è betg ina buna idea.


