Transparenz gleich zu Beginn: Ohne Zweifel, «mein» Kanton ist und bleibt Solothurn. Aufgewachsen im Niederamt, in 4657 Dulliken, bin ich trotz Wegzugs ein Solothurner im Herzen geblieben. Umso mehr schmerzt es mich, auf einer persönlichen Ebene, feststellen zu müssen: Der Kanton Solothurn hat offensichtlich kein Herz für, sondern vielmehr ein Problem mit Tieren!

Zur Person

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Sogar im «klassischen Jägerland» England wurde die Treibjagd – verniedlichend als «Bewegungsjagd» bezeichnet – schon 2005 verboten. In der Schweiz gibt es kantonale Einschränkungen, etwa in Zürich. In Solothurn verlangte ein Volksauftrag ein Verbot der Treibjagd. Der Kantonsrat hat dies jedoch kürzlich abgelehnt, und zwar mit 83 Nein- zu 4 Ja-Stimmen. Als ehemaliger Kantonsrat (1993–1997) muss ich leider feststellen: Die Solothurner Politiker haben offensichtlich ein Problem mit Wildtieren!

In Solothurner Ställen und auf Höfen kommt es immer wieder zu Tierschutzskandalen. Medienbekannt wurden der «Fall Boningen» 2016 (auf einem Hof verenden 17 Kühe und Rinder) und der tragische «Fall Ramiswil» 2025 (120 verwahrloste Hunde müssen eingeschläfert werden). Das Solothurner Veterinäramt hat offensichtlich auch ein Problem mit Nutztieren! Der Schweizer Tierschutz (STS), als dessen Präsident ich amte, hatte die Solothurner Veterinärbehörde nämlich schon vor längerer Zeit auf diesen Hof in Ramiswil hingewiesen. Die vorübergehende behördliche Kontrolltätigkeit wurde indes bald wieder eingestellt – warum eigentlich?

Anfang November 2025 griff das Veterinäramt endlich ein – einerseits zu spät und andererseits falsch: Die «Problemlösung» der Behörde war drakonisch. Weniger die Tiere – Hunde und Pferde – standen im Vordergrund, sondern das Motto «Aus den Augen, aus dem Sinn».

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Tierhalterin ist das Hauptproblem, aber...

Über 120 Hunde wurden euthanasiert. Doch wurde die tierärztliche Notwendigkeit individuell abgeklärt? Innert Tagen hat das Veterinäramt ausserdem über 30 Pferde auf einer Auktion verscherbelt. Doch wie wurde die Eignung der Pferdehändler abgeklärt, und gibt es Nachkontrollen? Der Schweizer Tierschutz hätte innert Kürze alle Hunde bei seinen Sektionen platzieren können, um in Ruhe das weitere Vorgehen festzulegen. Die hektische Pferdeauktion wurde zudem durchgepeitscht, obwohl der STS, in Kenntnis des Veterinäramts, in einer Auffangstation entsprechende Pferdeplätze vorbereitet hatte.

Dass die Tierhalterin das Hauptproblem war, steht ausser Frage. Doch dies entschuldigt das behördliche Verhalten nicht. Als beschämend erachte ich es, dass die Schweizerische Kynologische Gesellschaft (SKG) dem Veterinäramt behördendevot einen «Persilschein» ausstellte, was sich nur aufgrund eines Interessenkonflikts erklären lässt.

Um medialen, politischen und zivilgesellschaftlichen Druck abzubauen, gibts in der Schweiz ein bewährtes Mittel: eine Untersuchungskommission, die auch Solothurn einsetzte. Der STS bot Solothurn eine (kritische) Kommissionsmitarbeit mehrmals an, ohne Rückmeldung – honi soit qui mal y pense. Der Kanton Solothurn hat offenbar auch kein Problem mit dem Verschleiern und Verschweigen von behördlichem Tierschutzversagen!

Stellungnahme

Aufgrund der laufenden Verfahren will der Veterinärdienst des Kantons Solothurn keine Stellung nehmen. Dies gilt auch für die Schweizerische Kynologische Gesellschaft, die alle Vorwürfe zurückweist und vor einer Vorverurteilung der zuständigen Behördenmitglieder warnt. Beide Parteien verweisen auf ihre Medienmitteilungen zum Tierschutzfall Ramiswil.

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