Als Manuel Köchli eine E-Mail von der Post bekam, freute er sich: Die Post kündigte an, sein bestelltes Paket werde bald eintreffen. Zur Freude kam aber Ärger hinzu, als sein Blick auf den letzten Abschnitt der Mail fiel. Dort sprang ihm in roter Farbe Werbung für die Ernährungsinitiative entgegen.

Köchli, der eigentlich anders heisst, dachte sofort: «Politische Werbung in einer Post-Mail geht gar nicht.» Die Post gehöre der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Bund sei zu politischer Neutralität verpflichtet. 

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Belegbild aus dem Mail - Ein Kunde ärgert sich über Werbung für die Ernährungsinitiative in einer Mail der Post. Diese sieht kein Problem: Die Werbeflächen stünden allen zur Verfügung

So sah das im Paket-Mail aus.

Quelle: Privat

Post: «Wir sind neutral»

Der Beobachter hat die Post mit der Kritik konfrontiert. «Als bundeseigenes Unternehmen verhält sich die Post politisch neutral», schreibt die Medienstelle in ihrer Antwort. Sie biete ihre physischen und digitalen Werbeflächen allen Geschäftskunden zu gleichen Bedingungen an. Parteien sowie Pro- und Kontra-Komitees würden dabei gleichbehandelt. «Die Werbung für die Ernährungsinitiative ist deshalb auch keine politische Kommunikation der Post, sondern eine gebuchte Werbefläche eines Kunden», so die Post weiter. Um Missverständnisse zu vermeiden, achte man auf eine klare optische Trennung vom eigenen Auftritt – etwa durch den Verzicht auf Post-Gelb sowie eine deutliche Kennzeichnung mit dem Hinweis «Werbung». 

Die Eidgenössische Postkommission (Postcom) erklärt sich auf Anfrage des Beobachters für nicht zuständig in dieser Angelegenheit. «Wir sind zuständig für die Qualität der postalischen Grundversorgung. Die Frage der Werbeflächen fällt nicht in diesen Bereich», schreibt die Postcom. 

Empfang von Werbung ist freiwillig

Wer nur werbefreie Mail-Benachrichtigungen von der Post erhalten möchte, kann dies im Kundenlogin «Meine Post» unter «Meine Einstellungen / Post- und Angebote» anpassen. In der Post-App sind die Einstellmöglichkeiten unter «Profil / Angebote & Werbung» zu finden. Eine selektive Auswahl ist aber nicht möglich. Kundinnen und Kunden können politische Werbeeinblendungen nicht isoliert abbestellen, sondern nur die Drittwerbung insgesamt verwalten.

Genau das hätte sich Köchli aber gewünscht. «Gegen Werbung von Migros, Zweifel-Chips oder Rivella habe ich nichts. Da erkennt man sofort, dass nicht die Post der Absender der Botschaft ist.» 

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