«Die Lieferung verschwand auf dem Transport­weg von ­Bayern nach Frankreich.»

Srf.ch, 14. Juli 2026

Gesucht wird: Emmentaler, Jahrgang 2026, Lebendgewicht 20 Tonnen. Herr Emmentaler ist Auslandschweizer und wurde zuletzt an seinem Wohnort im oberfränkischen Bayreuth in Bayern gesehen und gerochen. Er war auf dem Weg nach Frankreich. An seinem Bestimmungsort ist er nie angekommen.

Die Polizei geht von einer Entführung aus. Der Wert von Herrn Emmentaler beträgt rund 80’000 Euro. Eine Lösegeldforderung ist laut den Strafverfolgungsbehörden bislang nicht eingegangen. Die Angehörigen des Entführten machen sich grosse Sorgen, Herr Emmentaler sei zwingend auf Kühlung angewiesen. Die Familie hofft deshalb, dass die Kühlkette nicht so löchrig ist wie der sprichwörtliche Schweizer Käse.

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Obwohl ursprünglich aus dem Emmental im Berner Mittelland stammend, ist Herrn Emmentalers Familienzweig seit dem Jahr 1821 in Bayern ansässig. Seinen Nachnamen konnte der Clan behalten, da Emmentaler in der EU keine geschützte Ursprungsbezeichnung ist. Weitere Abkömmlinge der Berner Sippe finden sich etwa im sibirischen Altai-Gebirge, wo sie sich ihre Grosslöchrigkeit bis heute erhalten haben.

Auf dem Käse-Schwarzmarkt aufgetaucht?

Der entführte Herr Emmentaler ist kein Einzelfall. 2024 wurde in London Käse im Wert von über 330’000 Franken gestohlen. Auch in Lebensmittelläden ist Käse das Produkt, das am häufigsten geklaut wird. Vier Prozent der globalen Produktion landen laut dem britischen Centre for Retail Research via Schwarzmarkt illegal bei Käseliebhabern. Bei einer Produktion von rund 23 Millionen Tonnen pro Jahr sind das 920’000 Tonnen! Angesichts der enormen Menge Käse muss Meisterdieb Maus in diesem Entführungsfall wohl nicht zu den Tätern gerechnet werden.

Der Umzug nach Frankreich hätte mit einer Speditionsfirma aus dem allgäuischen Kempten erfolgen sollen. Sie vergab den Auftrag allerdings weiter an einen Transporteur aus Bulgarien. Sachdienliche Hinweise zum Aufenthalt von Herrn Emmentaler oder zur Täterschaft nimmt die Bayreuther Polizei entgegen.