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KopfschmerzenKurieren mit Köpfchen

Bei häufig wiederkehrenden, starken und länger als zwei Tage andauernden Kopfschmerzen sollten Sie einen Arzt aufzusuchen. Bild: Getty Images

Stress, Lärm, Föhnwetter – und schon hat man Kopfschmerzen. In vielen Fällen kann die Komplementärmedizin helfen.

von Rita Kempteraktualisiert am 2017 M07 27

Fast jeder hat mal Kopfweh. Trotzdem geht nur etwa einer von hundert deswegen zum Arzt. Kein Wunder: Die Schulmedizin kann die beiden Hauptformen, Spannungskopfschmerzen und Migräne, nicht heilen. Dennoch ist es sinnvoll, bei häufig wiederkehrenden, starken und länger als zwei Tage andauernden Kopfschmerzen den Arzt aufzusuchen.

Manche Kopfschmerzen sind nämlich durch Krankheiten bedingt, wie etwa zu hoher oder zu tiefer Blutdruck, Grippe, Hirnhautentzündung, Stirnhöhlenentzündung oder Gehirntumor. Auch nach einem Unfall kann es zu Kopfschmerzen kommen, zum Beispiel bei einem Schleudertrauma oder einer Gehirnerschütterung. In diesen Fällen gilt es die eigentliche Krankheit zu behandeln.

Nicht nur krankheitsbedingt

Solche Kopfschmerzen nennt man sekundäre Kopfschmerzen – im Unterschied zu primären, die nicht krankheitsbedingt sind. Zu den primären Kopfschmerzen gehören Spannungskopfschmerzen und Migräne. Unter Migräne versteht man starke, anfallartig auftretende, gewöhnlich halbseitige Kopfschmerzen, die häufig von Übelkeit und Erbrechen begleitet sind. Manchmal geht eine sogenannte Aura wie Sehstörungen, Lichtempfindlichkeit oder Kribbeln voran. Bei der Migräne verändern sich die Blutgefässe im Gehirn: Zuerst verengen sie sich und danach erweitern sie sich stark. Neben diesen Gefässveränderungen spielen wahrscheinlich auch entzündliche Prozesse und Störungen bei den chemischen Botenstoffen im Gehirn eine Rolle.

Von Spannungskopfschmerzen ist rund die Hälfte der Bevölkerung betroffen. Sie gehen oft vom Nacken aus und verbreiten sich dann meist über den ganzen Kopf. Sie können aber auch auf die Stirn beschränkt sein. Wie schon der Name sagt, geht man davon aus, dass Verspannungen zu dieser Art von Kopfweh führen.

Verschiedenste Ursachen von Alkohol bis Zugluft

Für diese Arten von Kopfschmerzen gibt es viele Auslöser: psychische Gründe (Stress, Überforderung), hormonelle Veränderung etwa im Zyklusverlauf oder in den Wechseljahren, Ernährung, Wetterlage, ungünstige Haltung, Zugluft, Fehlsichtigkeit, muskuläre Veränderungen, Umweltgifte, Lärm, Alkohol, Nikotin, Schlafmangel oder veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus. Es können auch verschiedene Faktoren zusammenspielen.

Am besten führen Sie eine Zeit lang ein Kopfwehtagebuch. Tragen Sie ein, wann und wie stark welche Art von Kopfschmerzen auftritt. Diese Angaben können eine wichtige Hilfe bei der Behandlung sein.

Viele Therapievarianten

Bei primären Kopfschmerzen lohnt es sich, komplementärmedizinische Heilmethoden auszuprobieren, die das Problem ursächlich angehen. Geeignet sind auf jeden Fall ganzheitliche Methoden wie die von den Krankenkassen anerkannte traditionelle chinesische Medizin (TCM) und die klassische Homöopathie (Konstitutionsmittel).

Weiter zu empfehlen bei Kopfweh ist das aus Japan stammende Shiatsu. Es vereint die ganzheitliche Methode der fernöstlichen Medizin mit entspannender Massage.

Auch gezielte komplementärmedizinische Massnahmen bieten sich an: Ernährungs-, Entspannungs- und Klangtherapie, Kneipp-Kur, Wasseranwendungen, klassische Massage, Triggerpunktbehandlung, Kolonmassage, Neuraltherapie. Vielleicht sollten Sie auch lernen, anders mit Konflikten umzugehen. Hier kann eine Psychotherapie helfen.

Für all diese Therapien sollten Sie sich nur an ausgewiesene Fachpersonen wenden.

Kopfweh: Das können Sie selber tun

Seien Sie vorsichtig mit Schmerzmitteln. Wenn man sie über längere Zeit einnimmt, können sie ihrerseits Kopfweh auslösen. In hohen Dosen oder über längere Zeit eingenommen, können sie auch Nieren und Magen schaden. Wenn Sie ein Schmerzmittel nehmen, dann immer nur eines mit einem einzigen Wirkstoff. Lassen Sie sich bei Migräne wenn nötig vom Arzt geeignete Medikamente verschreiben.

Versuchen Sie es statt mit Schmerzmitteln einmal mit folgenden Methoden:

  • Akupressur
    Sie drücken bestimmte Punkte auf Energieleitbahnen. Am besten lassen Sie sich von einer Fachperson zeigen, wie Sie drücken sollen und welche Punkte für Ihr Kopfweh geeignet sind. Regelmässig angewendet, kann Akupressur auch helfen, die Häufigkeit zu verringern.
  • Pflanzliche Mittel
    Zehnprozentiges Pfefferminzöl auf Stirn oder Schläfe geben; verspannte Muskeln mit ätherischem Öl (zum Beispiel Fichtennadel) einreiben; bei Migräne Capsaicintropfen (Wirkstoff aus Paprika) in das Nasenloch auf der Seite des Kopfschmerzes geben.
  • Umschläge
    Kalte oder warme Umschläge im Nacken und kalte Umschläge auf der Stirn.
  • Nackenmassage
  • Warmes Entspannungsbad
    Bei Wetterfühligkeit ist ein Badezusatz aus Rosmarin, Lavendel und Kamille günstig (nicht am Abend – Rosmarin regt an!).
  • Starker Kaffee mit Zitrone
    ... wenn Sie es im Magen vertragen.
  • Tee
    ... aus Melisse, Johanniskraut, Hopfen, Baldrian, Lavendel oder Pfefferminze.

Was ist Migräne?

  • Häufigkeit
    Zirka fünf bis zehn Prozent der Menschen leiden unter Migräne (familiäre Häufung). Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
  • Erkrankungsalter
    Die Migräne tritt meist zwischen der Pubertät und dem dreissigsten Lebensjahr auf.
  • Typische Symptome
    Heftige Kopfschmerzen, meist auf einer Seite des Kopfes; Übelkeit und Erbrechen, Lichtempfindlichkeit. Bei manchen Patienten kommt es vor dem Auftreten der Kopfschmerzen zu «Aura»-Symptomen: Flimmern vor den Augen, Ameisenlaufen in Händen oder im Gesicht, kurzzeitige Lähmungen, Sprachstörungen und Schwindel.
  • Ursache
    Verengung der Kopfarterien, anschliessend eine reaktive Erweiterung der Gefässe.
  • Behandlung
    Während des Anfalls helfen Kopfschmerzmittel und Medikamente gegen die Übelkeit, bei starken Beschwerden auch rezeptpflichtige Mittel wie etwa Ergotaminderivate oder Serotoninagonisten (Sumatriptan). Zur Vorbeugung gibt es rezeptpflichtige Medikamente (Betablocker, Calcium-Antagonisten). Vielen Patienten helfen auch Entspannungsmethoden oder komplementärmedizinische Verfahren (Akupunktur, Hypnose).
  • Vorbeugen
    Verzicht auf auslösende Nahrungsmittel wie etwa Schokolade, Käse oder bestimmte Obstsorten, regelmässiger Schlaf, Vermeidung von Stress, Medikamente.

Weitere Informationen zur Migräne

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