Mit 28 Jahren ist Sebastian Kneipp schwer geschwächt. Vermutlich eine Lungentuberkulose. Die Ärzte geben ihn auf. Durch Zufall entdeckt er das Büchlein «Unterricht von Krafft und Würkung des frischen Wassers in die Leiber der Menschen» und beginnt, zwei- bis dreimal pro Woche ein kurzes Tauchbad in der winterkalten Donau zu nehmen.

«Müde ging ich hinaus, neu aufgefrischt und gestärkt ging ich heim», schreibt der damalige Theologiestudent. Langsam bessert sich sein Gesundheitszustand, und bald therapiert er selbst Kranke mit kaltem Wasser. 

Schon 2500 Jahre zuvor behandelte der griechische Arzt Hippokrates Leiden mit Eiswasser. Und auch Goethe hackte jeweils im Winter ein Loch in die zugefrorene Ilm, um zu baden.
 

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Weniger oft krank

Wer nicht gleich mit der Axt dahinterwill, dem bleibt das heimische Badezimmer. Einfach nach dem Duschen den Wasserhahn einige Zeit auf kalt drehen. Bei welchen Beschwerden die Abkühlung tatsächlich hilft, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. 

Doch 2016 dokumentierten Forscher des Academic Medical Center in Amsterdam erstmals eine Wirkung im grösseren Rahmen. Sie liessen rund 3000 Personen drei Monate lang entweder nur mit warmem Wasser duschen oder 30 bis 90 Sekunden Kaltdusche anhängen.

Das Ergebnis: In dieser Zeit meldeten sich die Kaltduscher um fast einen Drittel weniger oft krank. Neun von zehn sagten, dass sie mit dem Kaltduschen unbedingt weitermachen wollten. Viele berichteten über zusätzliche Energie und Motivation Motivation Diese Rezepte bringen Bewegungsmuffel auf Trab nach dem Kaltduschen – ein Wachmacher wie nach einem Espresso Koffein 10 Fakten zu Kaffee .
 

Der zentrale Punkt: Aufwärmen

«Der Nutzen einer Kältetherapie liegt darin, dass der Organismus dazu aufgefordert wird, sich selbst wieder zu erwärmen», sagt der Internist Roland Gödl. Er behandelt an der Klinik Arlesheim bei Basel Patienten mit chronisch kalten Füssen oder häufigen Infekten der Atemwege – mit Kältetherapie. Übrigens lief auch Kneipp nach dem Eisbad im Fluss so schnell er konnte ins Kloster zurück, um wieder warm zu werden. 

Durch die Kälte ziehen sich die Blutgefässe zunächst zusammen, um sich danach stark zu erweitern. Dadurch strömt mehr Blut hindurch. «So werden Infekte besser abgewehrt», erklärt Gödl. Diese Wirkung dauert aber nicht sehr lange an. Gödl empfiehlt mindestens dreimal die Woche den kurzen Kältereiz. «Längeres Ab- oder Herunterkühlen ist gar nicht nötig. Denn das bewirkt das Gegenteil und macht eher wieder empfindlich für Infektionen Infektionen Natur pur gegen Viren und Bakterien .» 

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Kleinere Studien geben zudem Hinweise, dass der Kältereiz gegen Müdigkeit, Nervosität und niedrigen Blutdruck wirken kann. Auch Glückshormone Ernährung Futtern für die gute Laune sollen ausgeschüttet werden, die für gute Laune sorgen und depressive Verstimmungen vertreiben. Eher ein Mythos scheint hingegen, dass das Wiedererwärmen des Körpers nennenswerte Mengen an Kalorien verbrennt.
 

Begleitend zur Physiotherapie

Muskelverspannungen, Rücken- oder Kopfschmerzen sollen ebenfalls nachlassen – vermutlich weil der Kältereiz Schmerzsignale verlangsamt. «Wir empfehlen Wasser- und Eisbäder, Kältepackungen, kaltes Duschen oder Kneippen auch für zu Hause», sagte etwa Monika Conus von der Physiopraxis Wirbelteam in Solothurn. «Das ist hilfreich und schmerzlindernd.» Einige Untersuchungen liefern Hinweise, dass auch entzündliche Hauterkrankungen wie Neurodermitis Neurodermitis Kratzen bis es blutet oder Schuppenflechte von der Kältereiz-Therapie profitieren können. 

Auch bei der Kneipp-Wassertherapie sind kalte Güsse ein wesentlicher Bestandteil. Sie behandeln meist nur einzelne Körperregionen und lassen sich so einfach zu Hause durchführen. Forscher der Universität Jena fanden in kleinen Untersuchungen heraus, dass kaltes Abspülen von Armen und Oberkörper den Kreislauf stabilisiert, schnellem Frieren vorbeugt und allgemein anregend wirkt.

Mediziner der Universität Essen stellten fest, dass dreimal pro Woche ein kalter, dicker Wasserstrahl an Stirn und Wangen bereits nach einer Woche 25 Prozent mehr Abwehrkörper in der Schleimhaut von Mund, Nase und Rachen entstehen lässt. Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität in München zeigten, dass ein kalter Guss beim Einschlafen hilft und Schlafstörungen um fast einen Drittel verringert. 

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Nebenwirkungen haben solche Kältetherapien bei Gesunden nicht. Aufpassen sollten Leute mit hohem Blutdruck, Gefässkrämpfen oder Asthma. «Auch Ältere oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen sollten erst den Hausarzt fragen», rät Internist Roland Gödl.
 

Tipps: So hilft Kälte

Kaltes Duschen

Nach der normalen warmen Dusche die letzten 30 bis 90 Sekunden den Wasserhahn in die kälteste Einstellung bringen (entspricht etwa 15 Grad). Am besten mit den Beinen und Händen beginnen. Nach der Kaltdusche nur leicht abtrocknen und dem Körper beim Aufwärmen helfen, etwa durch Bewegung, wärmende Kleidung oder das vorgewärmte Bett. 
 

Kneipp-Güsse

Nach der Kneipp-Theorie am besten mit leicht vorgewärmtem Körper (etwa aus dem Bett kommend) Körperstellen so lange mit kaltem Wasser begiessen, bis sich die Haut leicht rötet und ein erster Kälteschmerz auftritt. Den Guss an Fuss oder Hand beginnen – damit nicht gleich die Herzregion geschockt wird. Danach das Wasser nur leicht abstreifen, die Haut trocknen lassen. Dabei sofort die Wiedererwärmung unterstützen durch Gymnastik, leichtes Umherlaufen, rasches Ankleiden oder im vorgewärmten Bett. Ausführliche Infos finden Sie hier.

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Umstrittene Therapie in der Kältekammer 

Seit einiger Zeit werden Therapien in der Kältesauna oder Kältekammer angeboten. Sie versprechen Linderung von Arthrose und Rheuma oder glattere Haut. Dabei wird der ganze Körper extrem kalter Luft ausgesetzt. In der Regel betreten Kunden in Unterwäsche, mit Mundschutz und Schutzschuhen für rund 20 Sekunden eine Vorkammer mit etwa –60 Grad. Dann wird für etwa 3 Minuten in die Hauptkammer mit bis zu –110 Grad gewechselt. Danach gibt es heissen Tee Medizin Besser Tee trinken statt abwarten und eine Liege mit Decke, damit sich der Körper aufwärmen kann.

Gute Studien zur Wirksamkeit dieser Kältetherapien fehlen allerdings. Ebenso ungeklärt ist, ob die Kältekammer besser wirkt als einfache Anwendungen mit kaltem Wasser. Sicher ist, dass ein Besuch in der Kältekammer mit 40 bis 50 Franken deutlich mehr kostet als der kühle Wasserstrahl zu Hause.

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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