Wer morgens zur Arbeit geht, lässt die Müdigkeit hinter sich. Tätigt im Lift den letzten Gähner, hängt die Nacht an die Garderobe. Im Büro sind Effizienz und Produktivität gefragt. So zumindest scheint es die Wirtschaft zu sehen.

«Wir sind eine leistungssüchtige Gesellschaft», sagt Arbeitspsychologe Theo Wehner. Unternehmen tun zwar inzwischen viel für die Gesundheit ihrer Angestellten. Investiert wird aber vor allem in Ernährung und Bewegung Bewegung Sport ist eine Superpille . «Früchtekörbe zum Znüni und Yogalektionen zum Zmittag sind tolle Angebote – die Erholung Entspannung Entspannen Sie richtig? und insbesondere der Schlaf dürfen aber nicht zu kurz kommen», so Wehner.

Denn auch wer genügend schläft, fällt ins ­Mittagstief. Nach dem Essen sammelt sich in Magen und Darm Blut, das dem Gehirn kurzzeitig nicht zur Verfügung steht. Der Körper verlangt nach einer Ruhe­pause. Bereits 20 Minuten Erholung sorgen dafür, dass wir konzentrierter arbeiten, weniger Fehler machen und kreativer sind. Auch unserer Gesundheit kommt der sogenannte Powernap zugute: Wer ein- bis zweimal pro Woche einen Mittagsschlaf macht, senkt das Risiko für einen Herzinfarkt oder Hirnschlag deutlich, wie eine Studie des Universitätsspitals Lausanne kürzlich zeigte.

Ein Powernap braucht Mut

Einige Schweizer Arbeitgeber haben das Potenzial von Powernaps Erholung Der Büroschlaf ist der gesündeste mittlerweile erkannt. Bei Google liegen müde Angestellte vor einem Aquarium, bei der ABB besuchen sie Meditationskurse, bei PWC schlummern sie zu klassischer Musik.

Solche Angebote sind vorbildlich. Sie allein lösen das Problem aber nicht. «Vielerorts sind zehn Zigarettenpausen Rauchen Streitfall Zigarettenpause angesehener als 20 Minuten Erholung. Raucher entspannen schliesslich ­aktiv und tauschen sich im besten Fall mit Kollegen aus», erklärt Theo Wehner. Wer schläft, ist hingegen allein und passiv. Sich abzusondern, braucht Mut. «Bis anhin scheinen unsere Ruheräume nicht sehr gefragt zu sein», heisst es etwa bei Siemens.

20 Minuten Erholung sorgen dafür, dass wir konzentrierter sind.


Anders bei Novartis: 700 bis 800 Angestellte im Monat würden die Entspannungsangebote Achtsamkeit Wie Sie die innere Ruhe finden können nutzen. Auch die Ruheräume der AXA sind ­beliebt. «Wie gut das Angebot genutzt wird, hängt grundsätzlich davon ab, wie ein Unternehmen dafür einsteht», weiss Esther Graf vom Betrieblichen Gesundheitsmanagement – einer Abteilung, die eigens dafür geschaffen wurde, das gesundheitliche Wohl der Angestellten im Auge zu behalten.

Anzeige

«Es reicht nicht, ein paar Liegen in einen Raum zu stellen.» Eine Firma solle die Angestellten wiederholt auf das Angebot aufmerksam machen. Zudem müssen Unternehmen den Schlaf Wissen 10 Fragen zum Schlaf thematisieren und der Erholung zu einem besseren Image verhelfen: «Topmanager dürfen sich in den Medien nicht mehr damit brüsten, nur drei Stunden zu schlafen . Schlafmangel ist kein Leistungsausweis.»

Schlafende Angestellte bei Google.

Ruhe bitte: Zürcher Google-Mitarbeiter gönnen sich in der Water-Lounge eine Pause.

Quelle: PD (Pressedienst)
Buchtipp
Schluss mit Schlafproblemen
Schluss mit Schlafproblemen
Mehr Infos
Anzeige

Powernaps ersetzen den Schlaf in der Nacht nicht

Es sind erst einzelne Schweizer Firmen, die ins Schlafen inves­tieren, der Grossteil der Wirtschaft zieht nicht mit. Anders in asiatischen Ländern wie China und Japan. Dort schläft man unterwegs und im Büro, im Sitzen und Stehen, im Restaurant und auf der Parkbank.

Das japanische Gesundheitsminis­terium empfiehlt sogar ein 30-minütiges Nickerchen nach dem Mittag. Deshalb sind ­Ruheräume in Firmen längst die Regel. Wer nicht im Büro schläft, besucht einen öffentlichen Nap-Shop oder ein Relax-Center. Der gesundheitliche ­Nutzen dieser Angebote ist allerdings fraglich. Kaum irgendwo schlafen Menschen nachts so wenig wie in Japan.

«Powernaps sind als Ergänzung zum Nachtschlaf gedacht und dürfen ihn auf keinen Fall ersetzen. Sonst leidet langfristig die Gesundheit», sagt Wehner. In südlichen ­Ländern wie Spanien und Italien war ein Mittagsschlaf lange normal. Allmählich fällt er aber der Globalisierung zum Opfer: Dass Unternehmen am Mittag und frühen Nachmittag nicht erreichbar sind, kommt immer seltener vor.

Wie geht richtiges Powernapping?

Wer im Büro die Möglichkeit hat, auszuruhen, sollte nicht länger als eine halbe Stunde schlafen. Bewährt hat sich die Schlüsselbund­methode: Gleiten wir in den Tiefschlaf, entspannt sich der Körper, und der Schlüssel fällt zu Boden. Es kann auch helfen, vor dem Schlafen einen Espresso zu trinken, der seine Wirkung nach 20 Minuten entfaltet.

Auch wer keine Liege zur Verfügung hat, kann sich erholen. Eine ausgedehnte Kaffeepause, ein kurzer Spaziergang um den Block oder ein privates Gespräch mit Kollegen haben einen positiven Effekt auf die Erholung. «Schon 15 ­Minuten Ablenkung reichen, um sich seiner ­Arbeit wieder entspannter widmen zu können», weiss der ­Arbeitspsychologe Theo Wehner.

Anzeige

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Jasmine Helbling, Online-Redaktorin

Wissen, was dem Körper gut tut.

Der Gesundheits-Newsletter

Anzeige