Wald statt Couch – unterwegs auf dem Vitaparcours für die Psyche
Kennen Sie das? Der Kopf ist voll, der Stresspegel hoch, der Akku leer. Genau hier setzt das Resilienztraining im Zürcher Lifegarden an: wie sich Selbstwirksamkeit zwischen Bäumen und Holzskulpturen anfühlt.

Veröffentlicht am 15. Mai 2026 - 15:56 Uhr

Der Decision Cocoon für klares Denken und gute Entscheidungen: eine der fünf Stationen im Zürcher Lifegarden, dem Vitaparcours für die Psyche
Kann ein Parcours im Wald tatsächlich die Seele stärken? Zugegeben: Ich war skeptisch und dachte: «Wieder so ein Lifestyle-Hype.» Doch der Lifegarden ist kein Esoterikpfad, sondern ein Leuchtturmprojekt des Non-Profit-Vereins Lifegarden, das erstmals aktuellste Forschung der Universität Zürich und der Psychiatrischen Uniklinik Zürich auf den Alltag herunterbricht.
Infos zum Lifegarden
Inmitten von lichtem Wald und zwitschernden Vögeln stehen fünf Holzstationen, welche die neuen Forschungsergebnisse zu Resilienz beinhalten. Resilienz ist die Fähigkeit, mit Stress und Krisen umzugehen. Das Ziel: Prävention durch «Hilfe zur Selbsthilfe».

Das Resilienzband: Es steht für die Fähigkeit, sich Herausforderungen anzupassen und nach Belastungen wieder ins innere Gleichgewicht zurückzufinden.
Übung zu Selbstwirksamkeit und innerer Stärke
Am meisten fasziniert hat mich das Resilienzband. Die geschwungene Holzskulptur symbolisiert die dynamische Anpassung an Stress. Hier geht es um Selbstwirksamkeit, den Glauben daran, Dinge selber beeinflussen zu können. Die Übung verlangt zum Beispiel, eine Erinnerung zu aktivieren, in der man eine Krise aus eigener Kraft gemeistert hat.
Denn das bewusste Abrufen eigener Erfolgserlebnisse stärkt die mentale Gesundheit. Wer von der eigenen Kraft überzeugt ist, verarbeitet Stress besser und bleibt in Krisen stabiler, so die Forschung.
Es ist ein bewusster Moment der Selbstbeobachtung. Während ich mir Zeit nehme, meine Gedanken zu sortieren, blende ich die ständige digitale Berieselung aus und besinne mich auf das, was ich schon alles in meinem Leben geschafft habe.
Es ist ruhig, das Hellgrün der Bäume wunderschön, ich will das festhalten und atme tief durch. Ich konsumiere hier nicht nur, ich gestalte meine mentale Gesundheit mit.
Prävention statt Schadensbegrenzung
Myriam Zumbühl, Projektleiterin und Initiantin des Lifegarden, betont den niederschwelligen Charakter des Parcours: «Wir alle tragen einen Rucksack an Belastungen herum, im Job, in der Schule, im Alltag. Der Lifegarden soll Menschen befähigen, ihre Resilienz zu stärken, bevor aus Stress eine Krise wird.» Bereits gibt es Interesse aus anderen Städten an einer Übernahme des Konzepts.
Der Parcours ist ein wichtiger Gegenpol zur digitalen Überlastung.
Wissenschaftlich untermauert ist der Parcours durch die Resilienzforschung von Birgit Kleim, Professorin für Experimentelle Psychopathologie und Psychotherapie an der Universität Zürich. Sie sieht im Lifegarden ein wirkungsvolles Modell zur Prävention psychischer Erkrankungen. Jeder in die Vorbeugung investierte Franken spare Folgekosten. Besonders für Jugendliche sei der Garten ein wichtiger Gegenpol zur digitalen Überlastung.
Mein Fazit: Der Lifegarden macht Resilienz greifbar. Die Übungen sind simpel und wirken weit über den Waldrand hinaus. Mentale Stärke ist kein Zufall, sondern Training. Jederzeit und überall möglich – das nehme ich mit. Ich bin beschwingt, und auf dem Heimweg schenke ich der Frau neben mir im Tram ein Lächeln. Sie lächelt zurück.
Wie gehen Sie mit mentalem Stress um? Schreiben Sie uns in der Kommentarspalte.
- Lifegarden: Das Resilienztraining für eine starke Psyche
- Meet ETH: Vortrag von Birgit Kleim: Krisen meistern – wie Resilienz gestärkt wird
- Gespräch und Besichtigung des Lifegarden mit Initiantin Myriam Zumbühl




