Ohne sie könnte der Sommer so schön sein – doch sobald die Tage wärmer werden, lauern sie wieder überall: Insekten. Letztlich stechen sie nur aus zwei Gründen: um sich zu ernähren und sich zu verteidigen. Überaus nachvollziehbar – aber doch vielfach nervig, schmerzhaft und im schlimmsten Fall sogar tödlich. Umso wichtiger ist es, die Risiken zu kennen, sich zu schützen und im Ernstfall richtig zu reagieren.

Insbesondere im Frühsommer geht die grösste Gefahr in der Schweiz allerdings von Zecken aus. Kopfschmerzen, hohes Fieber, Krampfanfälle und Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod – das alles können Folgen eines Zeckenstichs sein. Denn bis zu 5 Prozent der blutsaugenden Spinnentiere tragen das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSME) in sich, das eine Gehirn- und Hirnhautentzündung auslösen kann.

Die FSME-Ansteckungen schwanken in der Schweiz seit 2005 zwischen 100 und 250 Fällen jährlich und haben letztes Jahr mit 455 Fällen einen Spitzenwert erreicht. Das könnte neben dem immer wärmeren Klima auch daran liegen, dass während der Pandemie viele Neo-Wandervögel ungeimpft die Schweizer Natur erkundet haben.

Doch Zecken lauern nicht nur da, wo man sie vermuten würde, nämlich im Wald – sondern auch auf Wiesen, in städtischen Gebüschen oder auf dem heimischen Balkon. Selbst Haustiere können die Blutsauger einschleppen. Huldrych Günthard, Leitender Arzt der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich, warnt: «Die Schweiz ist ein Zecken-Hochrisikoland. Lassen Sie sich unbedingt gegen FSME impfen Zecken Schutz vor den Blutsaugern ! Es gibt die Impfung schon lange, sie ist völlig unbedenklich und bietet einen super Schutz.»

Tatsächlich sind Zeckenstiche für alle Menschen ähnlich gefährlich. Es gibt sowohl junge Leute, die an FSME erkranken, wie auch ältere Menschen, die unter den Folgen leiden oder sogar daran sterben. Was Arzt Günthard besonders ärgert: «Die Krankheit wäre mit einer Impfung komplett verhinderbar.» Abhängig vom Impfstoff sind bis zu drei Impfungen über sechs Monate verteilt nötig. Nach der zweiten Teilimpfung liegt die Immunität bei über 90, nach der dritten sogar bei 99 Prozent. Hat man einmal einen Impfzyklus durchlaufen, hält der Impfstoff zehn Jahre an. Danach braucht es eine Auffrischimpfung.

Borreliose und Hasenpest durch Zecken übertragbar

Ein weiteres Risiko bei Zeckenstichen, gegen das man sich allerdings nicht impfen kann, ist die Borreliose. Sie lässt sich meist am roten Ring um die Einstichstelle erkennen. Betroffene haben vielfach mit Fieber, Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen, Schweissausbrüchen und geschwollenen Lymphknoten zu kämpfen. Bleibt die Borreliose unentdeckt und wird nicht mit Antibiotika behandelt, können chronische Gelenkentzündungen entstehen.

Ein eher neues Phänomen, das Günthard erst seit einigen Jahren beobachtet, ist die Hasenpest. Sie wird in etwa hälftig durch Zeckenstiche und durch Bisse wilder Tiere übertragen. Auch sie kann Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen verursachen und lässt auch oft die Lymphknoten anschwellen.

«Alles, was sticht und Gift in sich trägt, kann zu einer anaphylaktischen Reaktion führen.»

Huldrych Günthard, Leitender Arzt der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich

Doch nicht nur Zecken können den Sommer über ungemütlich werden. Auch Wespen und Bienen sorgen für manch ein Picknickdrama. Normalerweise reicht es, etwa bei einem Bienenstich, den Stachel mit einer Pinzette zu entfernen und die Einstichstelle zu desinfizieren. Leichtere Beschwerden lassen sich zudem mit einem Antihistaminikum unter Kontrolle bringen.

Wer zu den rund 3,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung gehört, die unter einer Insektengiftallergie leiden, muss weitaus vorsichtiger sein. Bei ihnen kann der Stich zu Atemnot führen und den Hals und das Gesicht anschwellen lassen. «Ein anaphylaktischer Schock ist lebensgefährlich. Betroffene müssen sofort zum Arzt und sich behandeln lassen», erklärt Experte Günthard.

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Übrigens sind es nicht nur Wespen und Bienen, sondern auch andere Hautflügler wie Hummeln und Hornissen, die einen solchen Schock auslösen können. «Alles, was sticht und Gift in sich trägt, kann zu einer anaphylaktischen Reaktion führen», erklärt Günthard. Dazu gehören auch Schlangen und Spinnen. In der Schweiz gibt es allerdings gerade einmal zwei giftige Schlangenarten: die Kreuzotter und die Aspisviper. Die bei uns beheimateten Spinnenarten produzieren zwar ein leichtes Gift, können es mit ihren schwachen Beisswerkzeugen aber nicht im menschlichen Körper absondern.

Somit sind weder die Toxine der Schweizer Spinnen noch der Schweizer Schlangen für Menschen tödlich. Trotzdem kann auch ihr Gift eine allergische Reaktion auslösen. Wenn Sie also plötzlich anfangen, stark zu schwitzen, kalten Schweiss und Atemnot verspüren, sollten Sie so schnell wie möglich eine Ärztin aufsuchen. Von einer Schlange gebissen zu werden, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Lässt man dem Tier genügend Raum zur Flucht, verzieht es sich von selbst.

Dutzende Mückenstiche

Ganz anders als Mücken, die menschliche Nähe vor allem während lauschiger Sommerabende geniessen. Seit die Tigermücke sich auch in der Schweiz immer wohler fühlt, sind Mückenstiche Mückenschutz Mehr wirkt nicht besser zwar etwas schmerzhafter geworden, aber mehr als eine Hautreaktion, die eine gerötete Schwellung und Juckreiz auslöst, ist nicht zu befürchten.

Grund zur Sorge gibt es erst dann, wenn man mit Dutzenden Stichen übersät ist. «Wir sehen das teils bei Badetouristen, die mit 150 Mückenstichen aus den Ferien zurückkommen. Bei ihnen kann es zu einer Superinfektion kommen, die Pusteln und gelbe Furunkel verursacht», so Günthard. «In der Schweiz gilt deshalb für Nichtallergiker erst einmal: Ruhe bewahren, nach Möglichkeit Tier oder Stachel entfernen, eigene Reaktion beobachten und im Zweifelsfall zum Arzt gehen.»

Hilft Kühlen gegen Insektenstiche?

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Kühlen soll gegen Insektenstiche helfen. Weshalb das Gegenteil heilender wirkt, erklärt Dr. med. Twerenbold.

Quelle: Beobachter Bewegtbild

Tipps: Wie Stiche und Bisse vermeiden?

  • Meiden Sie hohes Gras und Unterholz.
  • Halten Sie Abstand zu blühenden Blumen und Pflanzen.
  • Gehen Sie nicht barfuss über eine Wiese.
  • Bier und Süssgetränke locken Insekten an. Seien Sie deshalb beim Trinken vorsichtig.
  • Entsorgen Sie Essensreste, zuckerhaltige Getränke oder Früchte möglichst schnell.
  • Blumige Parfüms, Haarsprays, Shampoos und stark duftende Sonnencremes locken Insekten an.
  • Tragen Sie bei der Gartenarbeit oder auf dem Ausflug in die Natur helle, lange, dicht schliessende Kleidung, allenfalls auch Handschuhe.
  • Vermeiden Sie abrupte Bewegungen, sollte sich eine Biene oder Wespe nähern.
  • Schliessen Sie auf dem Motorrad das Helmvisier und tragen Sie Handschuhe.
  • Benutzen Sie insektenabweisende Mittel.
  • Die Schweizer App «Zecke» zeigt das Gefahrenpotenzial in verschiedenen Regionen und informiert, was bei einem Biss zu tun ist.
  • Suchen Sie nach jedem Spaziergang oder Aufenthalt im Freien Ihren Körper nach Zecken ab. Entdecken Sie eine, entfernen Sie sie möglichst schnell mit einer feinen Pinzette direkt über der Haut und desinfizieren Sie anschliessend die Stichstelle.
  • Weitere Tipps bietet das Allergiezentrum Schweiz.

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